Tag des Obstbaumes: Die Hiemesbiere stand im Mittelpunkt

Tag des Obstbaumes : Die Hiemesbiere stand im Mittelpunkt

Beim 26. Tag des Obstbaumes zeigten Experten, worauf es bei der Pflege der Gehölze ankommt.

Die Hiemesbiere ist für den direkten Verzehr wenig geeignet. Besser mundet sie, wenn sie zu Schnaps oder Marmelade  weiterverarbeitet wird. Beim 26. Tag des Obstbaumes im Landkreis St. Wendel hat die für Remmesweiler typische Birnensorte im Mittelpunkt des Interesses gestanden. Für den landesweiten Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ soll für den Obstbaumbestand der Hiemesbiere ein Baumkataster erstellt werden, um dadurch deren pflegebedürftigen Zustand zu ermitteln. „Es ist wichtig, dass wir dann die Bäume schneiden können, um sie für weitere Jahrzehnte zu retten“, sagt Michael Keller, Fachberater für Obst- und Gartenbau beim Landkreis St. Wendel.

Primäres Ziel ist, alte Bäume zu erhalten und neue anzupflanzen. Baumwarte demonstrieren anschließend Schnitt- und Pflegemaßnahmen. Walter Theobald aus Gehweiler und der Urweiler Baumwart Werner Marx nehmen sich ein Objekt vor, das förmlich nach einer Genesungs- und Schönheitskur bettelt. „Der Baum ist lange nicht gepflegt worden. Er ist vergreist, aber nicht krank und hat noch viele Äste und Blattknospen“, erläutert Theobald nach einer fachmännischen Begutachtung. Sein Kollege Marx kappt dann die ersten Äste. „Die müssen weg, damit der Baum genügend Licht bekommt“, erklärt er. Denn eine Birnenfrucht munde nur dann, wenn sie auch genügend Sonne bekomme.

„Am zweckmäßigsten fängt man an, den Baum von oben zu schneiden“, empfiehlt Marx den rundum versammelten Beobachtern. In Dachform verpassen Theobald und Marx dem Birnbaum einen luftigen Fassonschnitt. „Überlappende Äste müssen weg, die werfen zu viel Schatten“, klärt Theobald auf, der abwechselnd eine Säge und die Schere als Schnittwerkzeug einsetzt. Keller ergänzt: „Zum Wachstum und Aufbau des Baumes soll ein schwachwüchsiger Schnitt im Frühjahr erfolgen, der starkwüchsige Schnitt im Sommer“.

Als Edelreiser werden die abgeschnittenen Triebe von verschiedenen Obstbäumen bezeichnet, die zur Veredelung verwendet werden. Marx merkt noch an, es komme darauf an, dass beim Verjüngungsschnitt gleichmäßig geschnitten werden müsse. „So bleibt der Baum statisch stabil“, ist er überzeugt. Mittels Hubsteiger und Seilklettertechnik zeigen die Marpinger Baumpfleger, wie der Schnitt an Obstbäumen in größeren Höhen funktioniert. Und wann kann nun geerntet werden? Die Pflückreife der Wirtschaftsbirne Graue Junker Hans, die in Remmesweiler Hiemesbiere genannt wird, ist auf Oktober datiert.

Professionelle Baumpfleger aus Marpingen waren in luftiger Höhe im Einsatz, um  fachgerecht Schnittarbeiten durchzuführen. Foto: Frank Faber

Streuobstwiesen zählen im Saarland zu den landschaftsprägenden Bestandteilen, betont Monika Lambert-Debong, Geschäftsführerin des Verbandes der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz. Mit vielen Veranstaltungen, die alle gut gelaufen seien, habe man frischen Wind in das Thema Streuobstwiese reinbringen können. „Im Landkreis St. Wendel werde viele unserer Themen besonders wertgeschätzt“, lobt Lambert-Debong. Sie spricht noch die Streuobstbörse an. Deren Ziel ist es, Obstwiesenbesitzer, die ihre Wiese nicht mehr bewirtschaften (können) und Interessenten, die eine Streuobstwiese kaufen oder pachten möchten, zusammenzuführen. Durch diese Vermittlung bleiben die Bewirtschaftungs- und Nutzungskreisläufe sowie die Streuobstwiesen als Kulturgut in der Region auch zukünftig erhalten.