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Die haben gut lachen: CDU feiert Wahlsieg

Die haben gut lachen: CDU feiert Wahlsieg

Im St. Wendeler Land sind die Christdemokraten in allen Gemeinden mit Abstand die stärkste Kraft. Den größten Zugewinn gibt's in Namborn.

Politikverdrossenheit? Von wegen. Zumindest war im Landkreis St. Wendel bei der Landtagswahl am Sonntag davon nichts zu spüren. Die Wahlbeteiligung lag bei 76 Prozent. "Sieben Prozent mehr als 2012. Das ist erfreulich", urteilte der CDU-Kreisvorsitzende Andreas Veit. Bereits am Sonntagabend hatte Magnus Jung, Kreisvorsitzender der SPD, von einem "guten Tag für die Demokratie" gesprochen. Eine Wahlbeteiligung von 76 Prozent - die gab es letztmalig bei der Landtagswahl 1999. Davor wurden regelmäßig Werte von mehr als 80 Prozent erreicht.

Aber neben der hohen Wahlbeteiligung spricht für Veit noch etwas anderes gegen eine vermeintliche Politikverdrossenheit: Die Tatsache, dass die Anzahl der Briefwähler stetig zunehme. Das sei ein Zeichen dafür, dass die Menschen auf jeden Fall wählen wollen, unabhängig davon, was am Wahltag dazwischen kommen könnte. Und tatsächlich wurden im Wahlkreis Neunkirchen, zu dem auch der Landkreis St. Wendel gehört, bis zum 22. März rund 40 500 Briefwahlunterlagen angefordert. Zum Vergleich: 2012 gab es nach Angaben des Wahlamts in Ottweiler insgesamt 37 872 Briefwähler im Wahlkreis. "Die Leute waren sich bewusst, worum es bei der Wahl ging. Bleibt es, wie es ist, oder gibt es einen Wechsel", sagte Veit. Die Mehrheit der Wähler hat sich dafür entschieden, dass alles so bleibt, wie es war. Gemeint ist damit die Große Koalition zwischen CDU und SPD.

In den acht Kommunen des Landkreises St. Wendel ist jeweils die CDU die stärkste Kraft. Das hat Veit nach eigener Aussage so erwartet. "Aber nicht, dass der Abstand zur SPD so deutlich wird. Die Grünen so klar draußen sind." Im saarlandweiten Vergleich stehen die acht Gemeinden des St. Wendeler Landes, was die besten Ergebnisse für die CDU betrifft, laut Veit unter den ersten 13. Das beste Ergebnis im Kreis erreichten die Christdemokraten mit 56,4 Prozent der Stimmen in der Gemeinde Tholey, das schlechteste mit 45,3 Prozent in Nonnweiler. Den größten Zuwachs an Stimmen gab es mit 14,1 Prozent in der Gemeinde Namborn. Gleichzeitig verlor dort die SPD mit einem Minus von 3,5 Prozent die meisten Stimmen. Ebenso viele büßten die Sozialdemokraten noch in der Kreisstadt ein. Dort bekamen sie mit 22,8 Prozent auch insgesamt die wenigsten Stimmen. Die meisten Wähler, nämlich 34 Prozent, konnten sie in der Gemeinde Nonnweiler für sich gewinnen. Einen Stimmenzuwachs von 0,1 Prozent gab es in der CDU-Hochburg Tholey. Dort entfielen rund 24 Prozent der Stimmen auf die SPD, 2012 waren es 23,9 Prozent. Das ein oder andere Einzelergebnis hätte man sich anders gewünscht, sagte Magnus Jung. Doch für ihn zählt das Ergebnis unterm Strich - und das sei eine klare Absage an Rot-Rot gewesen. Für ihn geht es als SPD-Abgeordneter im neuen Landtag weiter. "Wir können viele Inhalte gestalten", sagte er mit Blick auf die Zukunft.

Im Vorfeld der Wahl war viel über einen Schulz- oder Merkel-Effekt spekuliert worden. Aber wie wichtig sind die Personen bei einer Landtagswahl? Für Veit sind Parlamentswahlen zunehmend auch Persönlichkeitswahlen. Für ihn gibt es nicht mehr den großen Unterschied zu den ohnehin personenbezogenen Landrats- oder Bürgermeisterwahlen. "Deshalb geht der Sieg der CDU mit der Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer heim", so Veit. Sie sei bewertet worden. Außerdem habe die Arbeit des Innenministers und ehemaligen St. Wendeler Bürgermeisters Klaus Bouillon (CDU) zum Erfolg beigetragen. Nach Einschätzung von Jung, geht es bei der Landtagswahl in erster Linie um die Parteien und erst an dritter Stelle um die örtlichen Kandidaten.

Im 16. saarländischen Landtag wird sich einiges verändern. So sind statt bislang fünf Parteien (CDU, SPD, Die Linke, Piraten und Bündnis 90/Die Grünen) nur noch vier Parteien vertreten: CDU, SPD, Die Linke und neu die Alternative für Deutschland (AfD). Mit der Zusammensetzung der Parteien werden sich auch die handelnden Personen ändern. Die Linke-Abgeordnete Heike Kugler ist nicht mehr im Parlament. Sie stand auf Platz fünf der Landesliste. "Für mich war auf der Position klar, dass ich nicht reinkomme", sagte Heike Kugler. Aber es sei ihr wichtig gewesen, dass jemand aus dem Landkreis St. Wendel auf der Landesliste vertreten ist. "Ich habe die Partei von Anfang an mit aufgebaut", so die Politikerin. "Da hängt man mit dem Herzen dran." Es sei schwierig gewesen, die Wähler zu mobilisieren. Andererseits hätte Die Linke während des Wahlkampfes viele junge Kräfte dazugewonnen. So blickt die Pädagogin positiv in die Zukunft: "Ich hoffe, dass wir die Menschen überzeugen können und sie verstehen, dass man etwas anderes wählen kann, ohne dass die Welt untergeht." Im Landkreis St. Wendel ist Kugler Vorsitzende des Kreisverbandes und sitzt als Linken-Vertreterin im Nohfelder Gemeinderat.

Im künftigen Landtag sind als Abgeordnete aus dem St. Wendeler Land vertreten: Magnus Jung (SPD), Klaus Bouillon, Hermann Scharf, Ruth Meyer und Alexander Zeyer (alle CDU). Mit seinen 24Jahren ist Zeyer der jüngste Abgeordnete. Er ging am Sonntag auf Platz vier der Landesliste für die Christdemokraten ins Rennen. "Ich bin zunächst davon ausgegangen, dass es nicht klappt", berichtete Zeyer. Einige Zeit später war sein Einzug in den Landtag gewiss. Die Ergebnisse der CDU im Landkreis St. Wendel bewertete er mit den Worten: "Die sind Wahnsinn. Da schaut man gerne hin." Wie genau sich sein Leben jetzt verändert, könne er noch nicht einschätzen. Aber er habe die erste Einladung zu einer Fraktionssitzung erhalten. Sein beeindruckendstes Erlebnis am Wahlsonntag: "Der Moment, wenn Du nach so einem Ergebnis auf die Ministerpräsidentin triffst und sie umarmst. Das werde ich so schnell nicht vergessen."

Neben den großen Parteien gingen bei der Landtagswahl auch kleinere an den Start. 15 insgesamt standen im Wahlkreis Neunkirchen auf den Stimmzetteln. Auch die Freie Bürger Union. Die bekam gleich in sechs der acht Kommunen im Landkreis St. Wendel keine einzige Stimme.

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 Freude pur nach dem Wahlsieg der CDU: Deren Kreisvorsitzender Andreas Veit und Innenminister Klaus Bouillon feiern im Kulturzentrum in Alsfassen. Foto: B&K
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 Magnus Jung (SPD). Foto: Becker & Bredel
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 Heike Kugler (Die Linke) Foto: SZ-Archiv
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Ortsteil-Ergebnisse wenig aussagekräftig Nach Landtags- und Bundestagswahlen hat die SZ bislang die Ergebnisse nach Stadt- und Ortsteilen aufgegliedert dargestellt. Das ist aber wegen der steigenden Zahl der Briefwähler nur noch wenig aussagekräftig. Denn: Briefwahlstimmen werden nicht Stadtteilen oder Dörfern zugeordnet. So wird etwa bei der Wahlbeteiligung ein viel zu niedriger Wert ausgewiesen. Deshalb beschränken wir uns auf die Veröffentlichung der Stadt- und Gemeindeergebnisse. Bei den Kommunalwahlen werden in der Saarbrücker Zeitung selbstverständlich auch weiterhin die Ortsratswahl-Ergebnisse veröffentlicht.