Die Ernte lächelnd genießen

St. Wendel. "Es ist eben nicht selbstverständlich, dass wir jeden Morgen, jeden Mittag und jeden Abend etwas auf dem Teller haben", sagte eine Besucherin, die gestern auf dem Erntedankfest am Wendelinushof nachdenklich vor einem Stand mit Früchten verweilte

St. Wendel. "Es ist eben nicht selbstverständlich, dass wir jeden Morgen, jeden Mittag und jeden Abend etwas auf dem Teller haben", sagte eine Besucherin, die gestern auf dem Erntedankfest am Wendelinushof nachdenklich vor einem Stand mit Früchten verweilte. Vielleicht hatte sie kurz vorher den ökumenischen Gottesdienst in der Hofkapelle besucht, in dem das Wort "Danke" im Mittelpunkt der Liturgie stand. Pfarrer Markus Karsch und Pater Fabian Conrad leiteten die Feier, die vom Gesangverein Mosberg-Richweiler musikalisch begleitet wurde.Die Anordnung der Stände auf dem Wendelinushof war für einen Rundgang gut geeignet. Wer alles, was geboten wurde, intensiv sehen, erleben und kosten wollte, brauchte ein wenig Zeit. So hatte der Kartoffelbauer Schlosser aus Urexweiler sieben Sorten der beliebten Knolle aufgeboten, zum Beispiel Annabelle, Concordia, Laura, Birte und Afra. Eine Schautafel vermittelte dem Kunden, wie die Kartoffeln aussehen, wenn sie aufgeschnitten sind. Jede Menge Kürbisse mit lachenden und auch frechen Gesichtern lagen auf dem Tisch des Winterbacher Marienhofes. Und Runkelrüben gab es dort, aus denen sich die Kinder "Rommelbòòze" schnitzen können. Am mobilen Sägewerk Giebel aus Primstal fielen die Bretter, die die scharfen Zähne der Säge fabriziert hatten, Stück um Stück. Eine Nordmann-, eine Küsten- und eine Blautanne erinnerten die Besucher an das nicht mehr so ferne Weihnachtsfest. Unter den vielen Holzkreationen von Hermann Becker aus Brücken war ebenfalls Weihnachtliches zu entdecken, nämlich Krippen und aufragende grün angestrichene ausgesägte Tannen.

"Die lasse ich ganz in Natur, sie sind ja wunderschön zum Dekorieren", begeisterte sich eine Kundin am Stand der Schreiner. Gegen eine Spende für die Aktion "Hilf Mit!" der Saarbrücker Zeitung durfte sie gleich eine ganze Tüte dieser geringelten Sägespäne mitnehmen. Kaum vorbei kamen die Besucher am Stand der Bosener Obst- und Gartenbauer, an dem nicht nur hübsche Mooskreationen angeboten wurden, sondern auch aus Holz gebaute Vogelhäuschen. Günter Petry, der für jedes Häuschen rund 40 Arbeitsstunden investiert hatte, nannte sie Zwitscherkästen, weil sie nicht als Behausung für die gefiederten Sänger dienen, sondern für die Schnapsflasche.

Auch Tiere waren zu Gast

Der Historische Verein Ostertal zeigte an Schautafeln alte Grenzsteine im mittleren Ostertal und lud Geschichtsfreunde ein, einige dieser Relikte in der Nähe des Hofes zu besichtigen. Wer am Informationsstand der Berschweiler Biberburg vorbeikam, durfte die ausgestopfte Biber-Mama mit ihrem Kind streicheln. Aber es gab beim Erntedankfest auch lebende Tiere: Ponys, Schafe, Kaninchen, Pekingenten, Hühner und altenglische Zwergkampfhähne. Die Gehege waren besonders für die Kinder Anziehungspunkte, ebenso die Minitraktoren, mit denen sie fahren durften, und das Strohparadies zum Hüpfen.

Aus vielen Ecken dufteten kulinarische Köstlichkeiten: Lammgyros, Bratkartoffeln mit Kräuterquark, Puffer, Waffeln und Honigkuchen. Schnäpse vom Weiselberg waren ebenso begehrt wie die verschiedenen Käsesorten. Nachdem der Musikverein Alsweiler/Marpingen den Auftakt gespielt hatte, ergriff Landrat Udo Recktenwald (CDU) das Mikro und sprach von einem Tag des Dankes für alles, was geerntet worden ist. "Dieses Jahr war allerdings nicht alles ergiebig - das ist nun mal so in der Natur." Werner Feldkamp, Chef der Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land, stellte die verschiedenen Programme des Erntedanktages vor. Neu herausgekommen ist das Heft "Kulani aktuell", welches an die Gäste ausgegeben wurde. Offiziell eröffnet wurde der Infoweg "Kleine Kreisläufe - Lokalwarenmarkt St. Wendel", der den Wanderer zu 23 Schautafeln rund um den Hof führt.