Projekt: Die Dorfaufhübscher von Marth

Projekt : Die Dorfaufhübscher von Marth

Die Dorfwerkstatt wertet das Erscheinungsbild ihres Heimatorts auf. Projekte werden mit Veranstaltungen gestemmt.

Wie bleibt ein Dorf lebenswert? Durch Menschen, die etwas dafür tun. Im 370-Einwohner-Ostertalort Marth ist es mit dem aktiven Vereinsleben nicht mehr weit her. Ein Lokal oder ein Tante-Emma-Laden – Fehlanzeige. Doch abseits der viel befahrenen B 420 steuert die Marther Dorfgemeinschaft den Problemen in der ländlichen Region entgegen. „Wir wollen das Erscheinungsbild des Dorfes aufwerten“, sagt Edgar Weyrich, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft.

Mit der Gründung einer sogenannten Dorfwerkstatt im Mai lassen die Marther sichtbar Taten folgen. „Wir wollen das umsetzen, was auf höherer Ebene liegen bleibt oder nicht realisiert werden kann“, umreißt Weyrich den handwerklichen Wirkungskreis. In erster Linie handelt es sich dabei um Reparaturen und Verschönerungen im Dorf, die zuvor mit dem Ortsrat und der St. Wendeler Stadtverwaltung abgestimmt werden.

„Die Projekte wollen wir durch Veranstaltungen finanzieren. Was die Dorfgemeinschaft erwirtschaftet, bleibt im Ort“, sagt Weyrich. Treffpunkt für die Dorfbevölkerung ist das Gelände am Feuerwehrgerätehaus im Eichsfelderweg. Heinz-Jürgen Guth, Heinz Ruppenthal, Friedbert Schulz und Weyrich spannen dort ein neues Sonnensegel über den Wasserspielplatz. „Der wird gut angenommen“, sagt Guth. Und zudem sei die Böschung am Bachlauf der Oster freigeschnitten worden, damit die Kinder auch am Wasser spielen können. Eine Rutsche, so Guth, werde noch an den Sandhügel angebracht. „Zu einem Spielplatz gehört auch, dass die Kinder sich mal dreckig machen können“, meint er.

Direkt dahinter wartet die nächste Baustelle auf ihn und seine Mitstreiter aus der Dorfwerkstatt. Die Grillhütte soll windgeschützt verkleidet werden und der Bouleplatz fertiggestellt werden. Mit Claude Galand ist einer der saarländischen Top-Boulespieler in Marth beheimatet. „Er kommt öfters vorbei und bringt uns das Spiel mit den Kugeln bei“, freut sich Guth.

Dem Feuerwehrgerätehaus müsse ein neuer Außenanstrich verpasst werden, ergänzt Weyrich. Der vor dem Domizil der Brandschützer platzierte Turm mit der 100 Jahre alten Marther Glocke habe dringend eine Sanierung nötig. „Es ist die älteste Glocke im Ostertal, mit dem Klöppel wiegt sie mehr als eine Tonne“, berichtet Guth.

Im August wird nun in Marth erst einmal gefeiert. Und in diesem Jahr steigt die Kirmes wieder unter einem Zeltdach. „Wir waren sonst im Feuerwehrgerätehaus“, erklärt Weyrich. Davor wird für die Dorffete ein zehn auf zwanzig Meter großes Zelt aufgebaut. „Wir wollen noch einmal probieren, die Kirmes etwas größer aufzuziehen. Die Straußjugend wird uns an den Kirmestagen unterstützen“, so der Chef der Dorfgemeinschaft.

Nach dem Fest gibt es im Ort noch genügend Arbeit für die Dorfwerkstatt. Vornehmen will sie sich den Klingenberg-Brunnen, der durch die Witterungseinbrüche sanierungsbedürftig ist. „Die Eingangsschilder im Dorf werden wir ebenfalls auf Vordermann bringen, auf der Marther Gemarkung haben wir bereits Ruhebänke aufgestellt“, sagt Weyrich.

Zusätzlich zum ehrenamtlichen handwerklichen Job hat sich die Dorfgemeinschaft zur Aufgabe gemacht auch das kulturelle Leben weiterhin zu gestalten und Kinder- und Seniorentreffs zu organisieren sowie den Kontakt mit dem Partnerdorf Marth im Eichsfeld weiter fördern. „Wir wollen, dass unsere Nachkommen im Dorf ein Zuhause haben und sich wohlfühlen“, definiert Weyrich als Ziel der Dorfgemeinschaft. Einmal pro Monat treffen sich nun die Mitarbeiter der Marther Dorfwerkstatt und planen wo und sie anpacken können.

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