Die Band Christmas auf St. Wendel bereitet sich auf ein Tour-Jahr vor

Tour mit bis zu 50 Gigs : Christmas rockt von Show zu Show

Die Punkrocker von Christmas sind bereits in 13 Ländern aufgetreten. Im Februar geht es für die vier St. Wendeler wieder auf internationale Tour.

2019 wird ein gutes Jahr für den Punkrock. The Hellacopters aus Schweden sind mit ihrer ungehobelten Mucke aus der Versenkung aufgetaucht. Zudem kommt im April nach 13 Jahren wieder die norwegische Punk’n’Roll-Band Gluecifer für zwei ausgewählte Shows nach Deutschland. Trotz Brexit-Chaos bereitet sich die St. Wendeler Punkrockband Christmas auf drei Auftritte im Februar in England vor und anschließend soll es wieder kreuz und quer durch ganz Europa gehen.

Ja, richtig gelesen, die vier Musiker touren über den Kontinent. „Im vergangenen Jahr haben wir 90 Shows gespielt“, berichtet der in Niederlinxweiler wohnende Sänger Max. Mittlerweile hat die Band in 13 Ländern das Publikum aufgemischt. Und wie das? „Ich setze mich hin, maile und frage Clubs an, ob wir dort auftreten können. Es ist ein Haufen Arbeit“, sagt Max, der über ein beachtliches Netzwerk verfügt. Viele Bands, so der Sänger weiter, würden immer davon reden, gerne zu touren. „Wir machen es einfach, obwohl wir alle noch arbeiten oder studieren. Bei Christmas zu spielen ist ein Job, das hat sich halt so ergeben“, erklärt er.

Es geht öfter mal nach Polen, Spanien, Frankreich, Finnland, England oder Wales. „In Wales kommt es vor, dass Konzertbesucher sogar splitternackt auf die Bühne kommen und von dort in die Menge springen“, erzählt Gitarrist Crystal Mat. An einem Dienstag habe die Band mal vor vollem Haus in Tschechien gespielt. „Uns ist egal, ob wir vor 200 oder vor zwei Fans spielen“, ergänzt Schlagzeuger Cladymirko. Nach einer Show in London ist die Band abgefeiert worden und enthusiastische Fans haben Max als deutsche Kopie des Ex-Dead-Kennedys-Sängers Jello Biafra geadelt.

Christmas gibt es seit 2010. „Eigentlich sollte es eine Glamrock-Band werden, aber das hat vom Talent her nicht gepasst“, erinnert sich Max, der einzig von der Urbesetzung übriggeblieben ist. Der Sound der Band bewegt sich nach eigener Angabe irgendwo zwischen dem Hardcore-Punk von Black Flag und dem Punk’n’Roll von Turbonegro. Deren Bassist Happy Tom ist auf dem 2013 erschienen Christmas-Debütalbum „Appetite for Selfdestruction“ zu hören. „Ich habe Happy Tom mal beim Skateboarding getroffen und seitdem sind wir in Kontakt“, sagt Max.

Die Texte über Beziehungen, Sex oder Skateboarding schreibt Max, und sie kommen oft aus dem Bauch heraus. „Alle Songs formen wir kollektiv. Vieles, was wir verarbeiten, kommt aus der Band und wenn uns was stinkt, dann sagen wir das auch“, stellt der Frontmann klar. Drei Alben und sieben Singles sind bislang veröffentlicht worden. Den Radau auf dem 2018er-Tonträger „Scum as you are“ findet der Punkfan in der CD-Abteilung der größten Elektronik-Fachmarktkette Europas. „Wenn das Teil richtig einsortiert ist, steht es unter C“, hilft Max beim Suchen. Gefunden hat er für dieses Jahr bereits wieder einige internationale Auftrittsorte. „Es werden wohl zwischen 40 und 50 Shows werden“, zieht er Zwischenbilanz.

Pro Gig macht die Band 45 Minuten Radau und tritt das Gaspedal durch, wie vor Kurzem zum Jahresauftakt in der Wiesbadener Kulturkneipe Sabot. In Saarbrücken ist Christmas am 31. März zu hören und zu sehen. „Drei Shows werden wir im Saarland spielen. Wenn man mehr macht, ist das Ganze doch ausgelutscht“, begründet er das rare Erscheinen in der Region. Im vergangenen Sommer hat die Band angefangen Lieder zu schreiben, damit im nächsten Jahr zum zehnten Geburtstag ein neues Album rauskommt. „Es sieht gut aus, bis auf zwei, drei Songs ist das Album schon voll“, freut sich Max, dass es im Februar wieder auf Tour geht.

Mehr von Saarbrücker Zeitung