Der Traum vom Profi-Tennis

Bei den zweiten St. Wendel Open gilt das saarländische Tennistalent Katharina Hobgarski als Topfavorit auf den Titel. Die 19-Jährige genießt die seltene Abwechslung in der Heimat und will ihren Vorjahressieg unbedingt wiederholen.

Heute ist auf der Anlage des Tennisclubs Blau-Weiß der Aufschlag zu den zweiten St. Wendel Open. Während das Herrenturnier bereits am Vormittag um 11 Uhr beginnt, steigen die Damen erst am Nachmittag in die mit 6000 Euro dotierte Sandplatz-Veranstaltung ein. Der Weg zum Titel führt dann wohl nur über sie: Katharina Hobgarski ist als aktuelle Nummer 20 der deutschen Rangliste die haushohe Favoritin. Die 19-Jährige aus Oberkirchen tritt in St. Wendel als Titelverteidigerin an, sie gab im Vorjahr nicht einmal einen Satz ab. "Ich empfinde es als sehr angenehm, in St. Wendel zu spielen. Dort unterstützen einen die Familie und Freunde umso mehr. Das genieße ich schon irgendwo", sagt Hobgarski, die "in den vergangenen Monaten relativ wenig zu Hause" war.

Das Tennistalent ist stattdessen meist in ganz Deutschland, Europa und darüber hinaus unterwegs, um bei den Turnieren der Internationalen Tennis-Föderation (ITF) Punkte für die Weltrangliste zu sammeln. Und das ist der deutschen Hallen-Vizemeisterin in dieser Saison bisher gut geglückt. Im Juni gewann Hobgarski in Kaltenkirchen ihren ersten Titel auf der ITF-Damentour, im August ließ sie in Nürnberg gleich den nächsten folgen. Beides waren Veranstaltungen der niedrigsten 10 000-Dollar-Kategorie und wurden jeweils auf ihrem Lieblingsbelag Sand ausgespielt. Damit steht sie auf Position 486 der WTA-Weltrangliste, die nun bekanntlich von US-Open-Siegerin Angelique Kerber angeführt wird.

Ihr großer Traum ist es, wie die Kielerin irgendwann bei Grand-Slam-Turnieren mitzumischen. Wann das der Fall sein wird? "Darüber mache ich mir momentan keinen Kopf", meint Hobgarski und ergänzt: "Ich will mir da nicht zu viel Druck machen, sondern alles Schritt für Schritt angehen." Nächstes Ziel sei es, sich um Position 400 der Weltrangliste zu stabilisieren.

Mit Blick auf das Turnier in St. Wendel ist die Vorgabe eindeutiger: "Ich will meinen Titel natürlich verteidigen", betont Hobgarski, deren Vorbild der Schweizer Roger Federer ist: "Ich mag es, wie er spielt. Das sieht alles so locker aus", sagt sie. Locker ist das Leben als Tennisprofi nur bedingt: Reisestress, häufig fern von daheim, von einem Hotelzimmer in das nächste und der Druck, Ergebnisse liefern zu müssen. "Man gewöhnt sich halt daran", sagt Hobgarski, die sich zwecks Ablenkung inzwischen einen Malteser-Hund zugelegt hat. Der wird sie nach St. Wendel auch nach Tunesien begleiten, wo sie über drei Wochen drei ITF-Turniere spielt.

Um für alle Fälle abgesichert zu sein, plant Hobgarski sich für ein Fernstudium einzuschreiben. In welche Richtung das genau gehen soll, stehe noch nicht fest. Klar ist aber: "Tennis spielt auf jeden Fall die Hauptrolle." Und vielleicht heißen die Stationen dann bald nicht mehr Kaltenkirchen und St. Wendel , sondern Wimbledon und Roland Garros in Paris.

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Auf einen Blick Unter den 32 Herren, die bei den 2. St. Wendel Open um das Siegerpreisgeld von 1100 Euro kämpfen, gehen Christopher Hobgarski vom TZ DJK Sulzbachtal als 130. der deutschen Rangliste und Simon Junk als 194. von der SG Marpingen-Alsweiler als aussichtsreiche saarländische Akteure an den Start. "Mit fünf Spielern aus den deutschen Top 100 haben wir ein für unsere Verhältnisse überragend starkes Teilnehmerfeld", sagt Turnierleiter Pavel Miksovsky. Am Samstag stehen die Viertel- und Halbfinale an, das Finale der Herren ist für Sonntag um 15.30 Uhr angesetzt. Bei den Damen nehmen 21 Spielerinnen teil. Topfavoritin auf das Siegerpreisgeld von 800 Euro ist Katharina Hobgarski. Das Finale beginnt am Sonntag um 13 Uhr.bene

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