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Der Tod trifft Behinderte vielmehr

Der Tod trifft Behinderte vielmehr

Allerheiligen und Allerseelen gedenken Katholiken den Toten. Viele besuchen an diesen Feiertagen Gräber – den Ort, an dem sie trauern können. Das gilt auch für Behinderte. Auf dem St. Wendeler Friedhof gibt es ein eigenes Grabfeld für Verstorbene der Lebenshilfe.

"Sie war ein Sonnenschein, immer lebensfroh." Mit diesen Worten beschreibt Hermann Scharf, Geschäftsführer der Lebenshilfe St. Wendel , eine vor wenigen Tagen verstorbene 74-jährige behinderte Frau. "Sie hat fast 30 Jahre bei uns gelebt", wohnte seit 1993 im Haus Günter Wegmann. Auf dem Friedhof in St. Wendel hat sie ihre letzte Ruhe gefunden. Sie ist die Erste, die auf dem Grabfeld der Lebenshilfe beerdigt wurde.

Die eigene Fläche für behinderte Menschen ist laut Scharf einmalig im Saarland. Mit der Realisierung sei ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Warum? Das erklärt Geschäftsführer Peter Schön. Die Lebenshilfe betreue Behinderte von kleinauf bis ins Alter. "Die Betreuung endet aber mit dem Tod", erklärt Schön. Gibt es keine Angehörigen, dann sei das Ordnungsamt für die Beerdigung zuständig. Andererseits: Viele der von der Lebenhilfe Betreuten lebten über Jahrzehnte in Wohnheimen zusammen. "Wie in Familien", beschreibt Schön. Die enge Bindung ende nicht mit dem Tod. "Auch behinderte Menschen brauchen ein Ort zum Trauern", unterstreicht Scharf. Der Tod sei für sie schwer zu verstehen, deshalb ein eigenes Grabfeld sinnvoll. Dafür sei man auf offene Ohren gestoßen.

Jetzt haben Behinderte einen solchen Ort auf dem Friedhof. Den sie mit ihren Betreuern jederzeit besuchen können. Die Grabstätte wird auch von der Lebenshilfe gepflegt.

Dort Im Grabfeld ist Platz für 40 Urnen. Eine größere Steinstele trägt das Symbol der Lebenshilfe , umgeben von vier kleineren. Diese sollen in den kommenden Jahren wachsen. Denn stirbt ein Behinderter, dann kommt auf eine Stele eine kleine Platte mit dem Namen des Verstorbenen.

Die Bestattung auf dem St. Wendeler Friedhof sei ein Angebot, keine Verpflichtung, betonen die Geschäftsführer. Da nehme man die Wünsche der Behinderten und ihrer Angehörigen sehr ernst. So habe ein Heimbewohner zum Beispiel gesagt, er wolle in seinem Heimatdorf Selbach beerdigt werden. Scharf: "Was unsere Behinderten wollen, das ist für uns Verpflichtung."

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Auf einen BlickDie Lebenshilfe St. Wendel feiert kommendes Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Sie beschäftigt 700 Mitarbeiter und betreut knapp 1500 Menschen. In Wohnheimen leben 115 Behinderte , im so genannten selbstbestimmten Wohnen 55. Die Tagesförderstätte besuchen 90 Personen. Der Trägerverein der Lebenshilfe hat 570 Mitglieder. vf