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„Der Sport hat mich immer angetrieben“

„Der Sport hat mich immer angetrieben“

In der Tischtennis-Szene spielte der St. Wendeler Matthias Moseler in der Weltspitze mit. Sein künstlerisches Talent lebt der gelernte Kunstschreiner im Verborgenen aus. Heute feiert er seinen 85. Geburtstag.

Das Spiel mit einem kleinen Tischtennis-Bällchen hat weitgehend das Leben von Geburtstagskind Matthias Moseler aus St. Wendel bestimmt, wobei in frühester Jugend seine Leidenschaft dem größeren Ball galt. "Fußball war meine große Leidenschaft, nur von meinen Eltern aus durfte ich nicht spielen", erzählt der Bäckerssohn aus der Brühlstraße. In einer Mannschaft mitgekickt habe er nur, wenn seine Eltern weggefahren seien.

Moseler meldete sich in der Tischtennisabteilung des Fußballclubs an. Reihenweise haute der angriffslustige Linkshänder seinen Gegnern die Schmetterbälle um die Ohren und bildete mit Bruder Hans-Josef ein erfolgreiches Doppel. "Wir haben zuerst in Wirtschaften gespielt und später vor 600 Zuschauern im Saalbau", erinnert sich Moseler. Saarlandweit klopften die Vereine bei ihm an und wollten ihn aus St. Wendel weglotsen. "Das Problem war nur, höherklassiger hätte ich im eigenständigen Saarland damals nicht spielen können, sonst hätte ich nach Frankreich wechseln müssen", berichtet er. Später schloss er sich der 1964 gegründeten Tischtennis-Abteilung im Turnverein in der Kreisstadt an, in der er auch über Jahrzehnte als Trainer fungierte. Zwischendrin hat Moseler für acht Vereine aus dem Kreis hinter der Platte gestanden, mittlerweile ist er für den MTTC Namborn im Einsatz.

Noch heute ist der Seniorensportler schwer zu schlagen, was zahlreiche Urkunden und Medaillen beweisen. 14 Mal stand er als Saarlandmeister in seiner Altersklasse oben auf dem Treppchen, zwei Mal als Südwestmeister. Bei Welt- und Europameisterschaften landete er stets unter den besten fünf. Als größten Erfolg bezeichnet der ehemalige Bundeswehr-Zivilangestellte den Titelgewinn der deutschen Wehrbereichsmeisterschaft 1979 in Stadtallendorf. Gemeinsam mit der Marpinger Handballerin Anja Scherer wurde Moseler 2001 zum Sportler des Jahres im Landkreis St. Wendel gekürt. Unvergessen bleibt für ihn sein Einlagenspiel mit den aktuellen deutschen Weltklassespielern Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll vor zwei Jahren beim Energis-Cup im Sportzentrum.

"Der Sport hat mich immer angetrieben", sagt er begeistert. Seiner vor sechs Jahren verstorbene Frau Ursula habe er das Tischtennisspielen beigebracht, seine Söhne Achim und Matthias haben für den TV Werschweiler in der Handball-Oberliga gespielt.

So kreativ wie Moseler das Zelluloidbällchen mit dem Schläger schnippelt, so kreativ ist der gelernte Kunstschreiner als Hobby-Künstler. Während seiner Lehre hat er mit Bildhauer und Skulpturen-Künstler Leo Kornbrust in einem Betrieb gearbeitet. Eine Krippe schmückt einen kompletten Raum in der Wohnung. "Pastor Klaus Leist hat gesagt, ich soll die Basilika da mit einbauen. Das muss er sich jetzt mal anschauen kommen", so Moseler. Seine Ölgemälde, Bleistiftzeichnungen und Karikaturen mit Motiven aus St. Wendel hängen im Treppenaufgang.

Im Raum unter dem Dach steht die Tischtennisplatte und sein häuslicher Trainingspartner, die Ballmaschine - auch Ballroboter genannt. Zur Verbesserung der Fitness zieht er im Hallenbad seine Bahnen, sein Tischtennistraining in Namborn versäumt er in keinem Fall.

Heute geht jedoch sportlich nichts: Mit seinen zwei Söhnen, zwei Enkeln, vier Urenkelkindern und Verwandten feiert Moseler seinen 85. Geburtstag.