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Demenz betrifft alle und ist nicht ansteckend

 Handarbeitskurse sorgen für Gemütlichkeit und helfen, Demenz hinauszuzögern. Foto: Bohlander
Handarbeitskurse sorgen für Gemütlichkeit und helfen, Demenz hinauszuzögern. Foto: Bohlander FOTO: Bohlander
St Wendel. Das Demenznetzwerk Landkreis St. Wendel besteht aus 77 Partnern. Durch Einbeziehung von Ärzten, Krankenkassen, Wohlfahrtsverbänden und Sozialdiensten sollen Demenzkranke mehr in den Alltag integriert werden. Stefan Bohlander

Damit Demenzkranke nicht negativ gebrandmarkt werden, hat sich Anfang des Jahres das "Demenz Netzwerk Landkreis St. Wendel " gegründet. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk aus allen möglichen Einrichtungen, Behörden und weiteren Angeboten aus dem Kreis, die eines gemeinsam haben: einen Bezug zum Thema Demenz . "77 Partner zählen wir zurzeit", erklärt Klaus Lauck. Der Leiter des Amtes für soziale Angelegenheiten in St. Wendel ist gleichzeitig Projektleiter des Demenz-Netzwerkes sowie des Bundesmodellprojektes "Lokale Allianz für Menschen mit Demenz im Landkreis St. Wendel ".

Dabei geht es vor allem darum, die Kompetenzen im Landkreis zu bündeln, durch Miteinbeziehung von Ärzten, Krankenkassen , Wohlfahrtsverbänden, Therapeuten und Sozialdiensten etwa. Durch regelmäßige Demenzsprechstunden, stärkere Betreuung vor Ort, ehrenamtliches Engagement und die Umsetzung des Prinzips "Hilfe zur Selbsthilfe" soll vor allem ein stärkeres "Wir-Gefühl" erreicht werden, denn: "An Demenz Erkrankte gehören zur Gesellschaft dazu", so Klaus Lauck. Immerhin leben nach Schätzungen des Sozialministeriums zurzeit etwa 26 000 Demenzielle im Saarland, "davon etwa 2600 - also zehn Prozent - im Landkreis St. Wendel ", sagt Lauck. Die Dunkelziffer sei vermutlich weitaus höher, viele hätten immer noch eine Schamgrenze, die überwunden werden müsse.

Dementsprechend sieht der Projektleiter die Hilfe bei Demenz in den kommenden Jahren als eine große Herausforderung im Pflegebereich an. Neben der fachlich versierten Vernetzung sollen unter anderem noch Fachtagungen, Workshops und Schulungen angeboten werden. Auf zwei Projekten, die derzeit umgesetzt werden, liegt ein besonderes Augenmerk.

Symptome erklären


In einem "Wegweiser" werden alle Angebote aus dem Kreis aufgeführt, die zurzeit bekannt sind. Ein weiterer Ratgeber beschäftigt sich mit Fachinfos zum Krankheitsbild sowie mit praktischen Tipps für pflegende Angehörige von Demenzerkrankten. Schließlich sei Demenz nicht nur für Erkrankte, sondern auch für Angehörige eine enorme Belastung. Hier gelte es beispielsweise, die Symptome verständlich zu machen oder Einfühlungsvermögen zu stärken, wenn Belastungen für Angehörige Grenzen erreichen oder überschreiten, wenn jemand beispielsweise etwas zum 50. Mal wiederholt.

"Man darf Demente nicht wie ansteckend Kranke behandeln", erläutert Lauck. Deswegen sollten alle Menschen im sozialen Umfeld eines Demenzerkrankten, also Ehepartner, Familienangehörige, Freunde und Bekannte Grundkenntnisse von Krankheit und Umgang erfahren, so seine Überzeugung. Zudem gelte es, Erkrankte so lange wie möglich zu Hause zu behalten. Dies sei auch expliziter Wunsch der meisten Angehörigen. Die durchschnittliche Verweildauer in einem Heim liege derzeit bei etwa drei Jahren, das durchschnittliche Alter bei 83. Auch dem negativ behafteten Image von Alten- und Seniorenheimen möchte man entgegenwirken: "Es gibt nicht den hundertprozentigen Fall, in dem man sagen kann: 'Ein Heim ist immer schlecht' oder 'zu Hause ist immer gut'", erklärt der Projektleiter .

Das Demenz-Netzwerk ist Teil eines Bundesmodellprojektes, das Ende August 2015 ausläuft. Ziel ist es, das Netzwerk im Landkreis St. Wendel dauerhaft zu etablieren. Aus diesem Grund trifft sich eine Lenkungsgruppe aus derzeit 16 Mitgliedern regelmäßig alle vier bis sechs Wochen, um Aktionen und Veranstaltungen zu planen und sich gegenseitig über aktuelle Entwicklungen zu informieren. "Eine Mitarbeit in diesem Gremium steht Einrichtungsvertretern und Interessierten offen", so Lauck.

Zum Thema "Demenz ?! Tipps zum Umgang mit Betroffenen" gibt es am Dienstag, 25. November, einen Vortrag. Dieser beginnt um 18 Uhr im großen Sitzungssaal des Landratsamtes in St. Wendel . Es referiert Andreas Sauder von der Landesfachstelle Demenz Saarland.

Informationen zur Netzwerkarbeit und aktuellen Aktivitäten bei: Landkreis St. Wendel , "Demenz Netzwerk Landkreis St. Wendel ", z. Hd. Klaus Lauck, Mommstraße 21-31, 66606 St. Wendel , Telefon (0 68 51) 8 01 52 01, E-Mail: k.lauck@lkwnd.de