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Das Wetter ist noch das kleinere Problem

Das Wetter ist noch das kleinere Problem

Zu wenig Regen, zu niedrige Preise: Das sind die Probleme der Landwirte im Erntejahr 2015. Darüber sprach Peter Scherer, der Kreisvorsitzende des Bauernverbandes, im SZ-Redaktionsgespräch im Hinblick auf das Erntedankfest am Sonntag.

Sonne pur, bis zu 40 Grad im Schatten. Das ist für Milchkühe Stress pur. Und Stress bedeutet: Sie geben weniger Milch. An manchen Tagen in diesem Sommer sogar keinen Tropfen. Das erzählt Peter Scherer, der Kreisvorsitzende der Landwirte, im SZ-Redaktionsgespräch. Das Wohlfühloptimum einer Kuh liege bei acht oder neun Grad, Temperaturen von mehr als 23 Grad mögen die Tiere nicht. Mit viel Frischluft und Ventilatoren versuche der Landwirt, dem entgegen zu wirken. Das sei aber in diesem "Jahrhundertsommer", wie ihn der Landwirt aus Niederlinxweiler nennt, nur sehr schwer möglich gewesen.

Mehr Sorgen als das Wetter machen Scherer aber die Preise. Innerhalb der vergangenen beiden Jahre sei der Erzeugerpreis für den Liter Milch um mehr als zehn Cent gesunken. Der Landwirt erhalte derzeit noch 28,5 Cent pro Liter. "Da entstehen Löcher, die kaum zu stopfen sind", sagt Scherer. Sparen, Investitionen zurückstellen und auf Besserung hoffen - das sei derzeit das Motto. Nicht nur bei den Milchbauern.

Die gleiche Situation finde sich auf dem Fleischsektor. Sowohl beim Schweinefleisch als auch beim Rindfleisch seien die Preise innerhalb eines Jahres um zehn Prozent gesunken. Auch die Getreidepreise lägen derzeit 20 Prozent unter Vorjahresniveau. Für einen Doppelzentner Weizen erhält der Landwirt 15 Euro.

Die Getreideernte sei trotz des wenigen Niederschlags "überraschend gut" gewesen, sie liege nur leicht unter Durchschnitt. "Wir hatten mit weniger gerechnet." Auch die Qualität könne sich sehen lassen. Im Landkreis St. Wendel werde überwiegend Weizen und Roggen angebaut - und da sei die Qualität zum großen Teil besser als im Vorjahr.

Sehr dürftig hingegen sei die Kartoffelernte gewesen. Sie betrage nur etwa die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr. Diese spiele aber im Landkreis eine untergeordnete Rolle. Vier Bauern bauten großflächig Kartoffeln an. Insgesamt gibt es im St. Wendeler Land 120 Familien, die im Hauptberuf Landwirtschaft betreiben und 300 Nebenerwerbslandwirte. Neben den Preisen seien die Wintervorräte das größte Problem, sagt Scherer. Der wenige Regen habe das Gras nicht wachsen lassen. Genauso wenig den Mais. Daher macht er sich Sorgen, dass das Futter für die Tiere reicht, um über den Winter zu kommen. Vielerorts bauten Bauern daher schon jetzt Futterpflanzen an, die dann im Frühjahr geerntet werden können. "So müssen die Vorräte nur bis Mai reichen", sagt Scherer.

Das sonnige Wetter hatte aber auch Vorteile. Dank eines "ruhigen Jahres" konnten alle Arbeiten termingerecht erledigt werden. "Es gab keine witterungsbedingten Unterbrechungen", sagt Scherer. Keinen Dauerregen im Juli oder Frost in Mai. Im Gegensatz zu den Kühen hatten die Landwirte einen eher entspannten Sommer: "Es war eine stressfreie Ernte."