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Corona verdirbt auch Flash-Betreiber das Geschäft

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : Harte Zeiten für Feierwütige in St. Wendel

Wegen der Corona-Krise bleiben Clubs geschlossen. Für Flash-Inhaber Joachim Clemens fängt daher ein neues Leben an.

Mit 66 Jahren fängt für den St. Wendeler Disco-Betreiber Joachim Clemens, genannt Cassius, ein neues Leben an, aber leider anders als gedacht. „Seit mehr als 30 Jahren habe ich noch nie sechs, sieben Wochenenden frei gehabt“, sagt Clemens. Weltweit hat das Coronavirus die Tanzflächen leergefegt und das Partyleben lahmgelegt. „Am 7. März hatten wir das letzte Mal geöffnet“, berichtet er.

Sein Unternehmen CC Holding GmbH verwaltet das Flash und die Lindenau in St.Wendel, die Eventarena in Saarbrücken (Ex-Kufa), das Playa del Ma in Mannheim sowie den Biergarten am Bostalsee. „Die besten Monate der Event-Gastronomie sind der Oktober, Dezember und der April. Das tut dieses Jahr besonders weh, da wir im April 2020 viele große Veranstaltungen wie Abi Extrem mit 20 saarländischen Schulen oder die ‚Wonderful Days – the Classic Rave Festival’ veranstaltet hätten“, erklärt Clemens.

Seine Laune beschreibt er als gut, aber gleichzeitig ist er auch gespannt, was die nächste Zeit bringen wird. Und gesteht ein tägliches Hoffen und Bangen. Denn seit dem 13. März ist es still in seinen Szenenläden, schon ein Tag vor der angeordneten staatlichen Schließung hat er seine Läden dicht gemacht. 36 Jahre zuvor, am 12. April 1984, hat Clemens das Flash auf der Mott eröffnet. „Neben der Sheila, dem Tiffany und der Lindenau war das Flash die vierte Diskothek in St. Wendel“, blickt er zurück. Seinerzeit eroberte der elektrische Sound die Clubs. Die Musikrichtung New Wave war angesagt: „A Forest“ von der Band The Cure schallte aus den Lautsprechern, oder die Popgruppe Frankie goes to Hollywood meinte „Relax“. Deren Schlusssatz im Song lautet „Entspann dich, jetzt ist es soweit, Partytime!“

Auf den Unternehmer trifft jetzt allerdings das Gegenteil zu: „Alle Buchungen sind uns weggefallen, für alle fünf Läden habe ich keine Planungssicherheit, und für wie lange ist momentan nicht absehbar“. Seine Festangestellten sind in Kurzarbeit, der Rest vom Personal sitzt daheim. Aber die Sicherheit von Publikum und Angestellten steht für ihn an erster Stelle.

Am 25. März, so Clemens, sei der erste Antrag für Soforthilfe rausgegangen, doch bis jetzt sei immer noch kein Geld auf den Konten eingegangen. „Dass unser föderalistisches System nicht ganz einfach ist, wird meiner Meinung nach in solchen Situation immer wieder sichtbar, mir stellt sich momentan oftmals die Frage, wo in dieser Situation die Gleichberechtigung bleibt, denn DJ’s in Hamburg bekamen für drei Monate 11 500 Entschädigung, währenddessen wir Club-Betreiber auf unsere Gelder warten müssen“, sagt Clemens verärgert. Überhaupt findet er, dass die Branche immer wieder auf die Ohren bekommt oder von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich behandelt wird. In Baden-Württemberg zum Beispiel dürfe auf einer Fläche von 75 Metern geraucht werden, und in saarländischen Diskotheken ist es komplett verboten. „In Deutschland haben wir den höchsten Steuersatz in der Gastronomie, obwohl wir ständig für neue Arbeitsplätze sorgen“, klagt er. Und die Städte leben von der Gastronomie. „Wenn wir ehrlich sind, erkannte in den vergangenen Jahren niemand mehr richtig deren Stellenwert, jetzt wo die Lebensqualität darunter leidet, wissen viele die Gastronomie erst wieder richtig zu schätzen“, hat Clemens festgestellt. Er erinnert sich gerne an vergangene Jahre, in denen das Flash im Monat mehr Besucher verzeichnete, als seine Heimatstadt St. Wendel überhaupt Einwohner zählt.

Momentan vertritt er die Meinung, dass eine baldige Eröffnung der Clubs noch weit entfernt sei. „Wir haben als erstes geschlossen und werden auch als Letzte öffnen dürfen“, meint Clemens. Denn er weiß selbst, dass ein Sicherheitsabstand in den Diskotheken nicht eingehalten werden kann. Außerdem kann er sich eine Partymeute sowie die Servicekräfte hinter der Theke auch nicht mit Mund-Nasen-Schutz vorstellen.

Joachim Clemens lässt sich die Laune nicht vermiesen. Foto: Clemens

Mit 66 Jahren hat für ihn nun ein etwas anderes Leben begonnen. Aber Trübsal blasen gilt nicht. „Endlich habe ich mal die Zeit, um neue Projekte zu finden und um neue Partys und Events zu planen“, bleibt er am Ball. Denn an das Überleben seiner Branche glaubt Clemens weiterhin: „Keine Stadt ist ohne ihre Gastronomie-Betriebe, in ihren vielfältigen Formen, wirklich lebenswert.“