Christoph M Frisch spricht über die Kulturarbeit im Landkreis St. Wendel

Kostenpflichtiger Inhalt: Impulse für die Kulturarbeit : Kelten als eigene Marke des St. Wendeler Landes?

Bei einem Besuch in der Redaktion spricht der Kulturschaffende Christoph M Frisch über die Kulturarbeit in der Region und mögliche Impulse für die Zukunft.

Wie ist es um die Kulturarbeit im Landkreis St. Wendel bestellt? Eine Frage, die den Künstler Christoph M Frisch beschäftigt. Der Vorsitzende des Kunstzentrums Bosener Mühle und Künstlerische Leiter der Stiftung Kulturbesitz Kreis St.Wendel weiß aus eigener Erfahrung: „Wenn es um Kultur geht, spielt sich vieles im Bereich des Ehrenamtes ab.“ Auch deshalb, weil Kulturelles auf Landkreisebene in den Bereich „freiwillige Leistung“ falle. Und dort ist das Geld knapp. Dass im Landkreis St. Wendel in den zurückliegenden Jahren viele Projekte angestoßen werden konnten, sei auch der Kultur-Landschaftsinitiative St. Wendeler Land (Kulani) zu verdanken. Seit vergangenem Jahr ist Frisch selbst Vorstandsmitglied der Initiative. Diese erhält seit Jahren mit ihren vielfältigen Ideen und Modellprojekten Fördergeld. Ob und wann die nächste Förderperiode komme, ist laut Frisch derzeit nicht klar. Für ihn ist die Kultur ein wichtiger Aspekt, um weiterhin gefördert zu werden.

Konkrete Ideen hat der Kreative auch schon parat. Das Thema Kelten soll zum Aushängeschild des Landkreises, zu einem verbindenden Element der Kommunen werden. „Das wäre auch als Marke nutzbar“, sagt Frisch. Und denkt dabei an die Wirtschaft, die den Themenkomplex ebenfalls aufgreifen könnte. Der Kulturschaffende ist auch der Meinung, dass ein Antrag gestellt werden sollte, um den Hunnenring in Otzenhausen als Weltkulturerbe anzuerkennen. Wobei nicht nur der Hunnenring selbst, sondern auch Stätten drumherum historisch und auch wissenschaftlich interessant seien.

Es gehe darum, ein Bewusstsein für die Geschichte der eigenen Region zu schaffen. Um auch damit Landflucht und explodierende Immobilienpreise in Städten entgegen zu wirken. „Für viele ist das Land nur noch der Ort, an dem man wohnt. Möchte man etwas erleben, geht man in die Stadt. Dort gibt es Theater, Konzerte und ähnliches“, beobachtet Frisch. Die Attraktivität auf dem Land zu steigern, hänge für ihn daher viel mit Kulturarbeit zusammen. Und die dürfe dann auch mit neuen und modernen Ideen aufwarten, um die Menschen zu erreichen. „Der Heimatbegriff ist alles andere als altbacken“, betont Frisch.

Der Künstler Christoph M Frisch. Foto: Christoph M Frisch

Mit den „Lokalen Erzählungen St. Wendeler Land 5 x 100“ wurde von Experten jede Menge Geschichte kompakt zusammengefasst. Die Flyer gibt es für jede Kommune des Landkreises (wir berichteten). „Das ist eine gute Grundlage für weitere Projekte“, sagt Frisch. Damit solle dann ein noch breiteres Publikum angesprochen werden.

„Was wäre die Baltersweiler Höhe mit ihren Skulpturen oder das Feld bei Sotzweiler, auf dem die Wortsegel-Plastik steht, ohne diese Kunstwerke?“, fragt Frisch. Die Straße der Skulpturen beispielsweise sei ein Alleinstellungsmerkmal der Region. Dieses gelte es zu nutzen, in den Fokus zu rücken. „Die Region wird durch die Kunst aufgewertet.“ Deshalb müsse ihr auch eine gewisse Wertigkeit entgegengebracht werden. Soll heißen: Es muss sich jemand kümmern, dass die Werke nicht komplett zuwachsen. Auch das signalisiere dem Betrachter: Die Kunst ist der Region etwas wert.

Stelen von Sigrid Caspar im zukünftigen Kulturgarten am Bostalsee. Foto: Christoph M Frisch

Kunst und Natur zu verbinden – darum geht es auch in dem künftigen Kulturgarten an der Bosener Mühle am Bostalsee. „Da das Gelände hinter den Ateliers bis zum Segelhafen brach lag, kam es zu dieser Idee“, sagt Frisch. Themeninseln sollen in dem Park entstehen. Schüler der Gemeinschaftsschule Türkismühle haben bereits ein Hochbeet aufgebaut, das noch weiter gestaltet werden soll. Was die Pflege betreffe, so gebe es für jede Themeninsel oder jedes Beet entsprechende Paten.

Um die Menschen zu Kunst und Kultur zu locken, komme der Gastronomie oft eine Schlüsselrolle zu. Das Zusammenspiel funktioniert auch im Kunstzentrum Bosener Mühle am Bostalsee. Dort haben Christel Pauly und Margret Holzer 2016 ein Café eröffnet, in dem sie von Mittwoch bis Sonntag, jeweils von 13 bis 18 Uhr, selbstgebackenen Kuchen anbieten. Auf fünf Jahre ist ihr Engagement laut Frisch angelegt. Dieser Zeitraum neigt sich langsam dem Ende entgegen. „Wir müssen Nachfolger finden.“

Ideen, Projekte, Initiativen – alles steht und fällt mit der entsprechenden Manpower. Gerade auch in der Kulturszene werde vieles auf wenigen Schultern getragen. „Kulturtreibende liefern die Ideen, aber sie brauchen Hilfe bei der Umsetzung“, weiß Frisch. Beispielsweise wenn es um Finanzen ginge und die Suche nach möglichem Fördergeld. Kompetente Ansprechpartner wären hilfreich. „Es bräuchte mehr Personal in Sachen Kulturarbeit, das beim Landkreis angesiedelt ist und somit auch den Überblick hätte“, so der Wunsch des Kulani-Vorstandsmitglieds.

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