Chor des Cusanus-Gymnasiums in St. Wendel gab Konzert in der Carnegie-Hall in New York

Konzertreise : Zwischen Jenkins, Netrebko und Ground Zero

Der Chor des Cusanus-Gymnasiums in St. Wendel wirkte beim Konzert anlässlich des 75. Geburtstages von Karl Jenkins in New York mit.

Der angekündigte Blizzard blieb aus. Und mit den derzeitigen Minusgraden in Chicago konnte New York ebenfalls nicht mithalten. Aber bei 17 Grad Minus auf dem Empire State Building zu stehen, das war für die 14 Chorlores-Sänger aus dem St. Wendeler Land nicht gerade angenehm. Und dennoch eindrucksvoll. „Der Blick war schon spektakulär, aber nach fünf Minuten auf der Plattform sind wir wieder rein“, erzählt Chorleiter Harald Bleimehl von der New-York-Reise. Das einst höchste Gebäude der Welt war schließlich auch nur Nebensache, genauso wie der beeindruckende Abstecher nach Ground Zero oder zur Freiheitsstatue. Denn der Chor war in New York, um zu singen (wir berichteten).

Der Chor des St. Wendeler Cusanus-Gymnasiums war, wie viele andere Chöre aus der ganzen Welt, bei der US-Premiere des Stücks „Symphonic Adiemus“ von Karl Jenkins mit von der Partie. Vor mehr als 2000 Zuschauern sangen auch die 14 Männer und Frauen von Chorlores. Dabei hatte der Veranstalter darauf geachtet, dass die einzelnen Chormitglieder gut verteilt in der Menge platziert sind. Es sollten nicht zwei Mitglieder eines Chores nebeneinander stehen. Bleimehl  war in Reihe drei, Platz 15 eingeplant. „Später war es Platz 16, denn meinem Nachbarn war schlecht, er musste raus und ich aufrücken“, so der Chorleiter. Grund für die Übelkeit war wohl eine Mischung aus Aufregung, Hitze, Enge, Stress und Jetlag, vermutet Bleimehl.

Um ihn herum, so erzählt der Chorleiter, standen ein Engländer aus Bath, der Vorsitzende eines Chors aus Australien, ein Sänger aus dem Schweizer Wallis sowie einer aus Neuwied. Schnell seien alle ins Gespräch gekommen. Und knüpften Partnerschaften. So erfuhr Bleimehl von dem Australier, dass Vorfahren einiger Chormitglieder aus Heidelberg kommen. Daher wollen sie im kommenden Jahr nach Deutschland reisen. Und dann auch einen Abstecher nach St. Wendel machen. „Auch die Chöre aus Bath und dem Wallis wollen mit uns etwas zusammen machen.“ Das war ohnehin Bleimehls Intension, als er sich nach New York aufmachte. Er wollte einige Chöre dazu bewegen, das Stück in St. Wendel zu präsentieren. In diesem Jahr oder Anfang 2020. Dann aber gemeinsam mit den Schülern. Denn aus Kostengründen kamen keine Jugendlichen mit in den Big Apple. Dabei handelt es sich bei Chorlores doch eigentlich um einen Schüler-Eltern-Lehrer-Chor. Diese Tatsache sei in der Bevölkerung mit Bedauern aufgenommen worden.

Die Schüler, so erzählt Bleimehl weiter, seien nun sehr interessiert an den Erlebnissen ihrer Chor-Kameraden in New York. Nach der Rückkehr hatte Bleimehl viel zu erzählen.  Von dem „anderen Lebenstempo in New York“, von dem Treffen mit Karl Jenkins, der bei allen Proben anwesend war, und den Bleimehl als „bescheidenen Menschen“ wahrgenommen hat. Und der so manche Interpretation seiner Werke widerlegt habe. Bleimehl: „Er sagte, er habe sie nur geschrieben, weil sie gut klingen und sich nicht so viel dabei gedacht.“

Zwei mal fünf Stunden wurde intensiv geprobt. Dirigent Jonathan Griffith sei sehr bemüht gewesen, aus den vielen Chören, die die Literatur jeweils zu Hause geprobt hatten, einen einheitlichen Klangkörper zu bilden. „Einmal haben wir eine halbe Stunde an vier Takten gearbeitet“, erzählt Bleimehl. Der Chorleiter berichtet aber auch von dem „gigantischen Raum“ der Carnegie-Hall und von den Eindrücken in diesem Konzerthaus: „Backstage dort rumzulaufen, wo sich sonst die Crème de la Crème aufhält, das war schon ein Erlebnis.“ Oder auch die Tatsache, dass im Programmheft der Carnegie Hall die Pianistin Yuja Wang auf der Seite vor dem Cusanus-Gymnasium angekündigt wurde. Er erwähnt auch den Empfang nach dem dreistündigen Konzert in einem Restaurant in der Seventh Avenue, währenddessen sich der Dirigent bei allen Sängern bedankte.

Und dann gerät Bleimehl ins Schwärmen, wenn er von dem – neben dem Konzert – herausragenden Erlebnis in New York berichtet. Nämlich davon, Anna Netrebko live in der Metropolitan Opera gesehen zu haben. Die Sänger aus dem St. Wendeler Land hatten sich bereits im Vorfeld informiert und in Erfahrung gebracht, dass die günstigsten Plätze in dem Opernhaus für 71 Dollar zu haben seien. Am Abend der Vorstellung, waren diese Tickets aber ausverkauft, die nächstgünstigsten sollten 162 Dollar kosten. „Das war uns dann doch zu viel“, sagt Bleimehl. Er und seine Mitstreiter wollten gerade wieder die Verkaufsstelle verlassen, da informierte man sie, es gebe auch Stehplatzkarten für 32 Dollar. Gespielt wurde, so Bleihmehl, „die eher unbekannte Oper Adriana Lecouvreur“, aber „Anna Netrebko ist eben Anna Netrebko“. Ihre Stimme sei so toll, „da weiß man, warum sie so gehypt wird“. Und nach dem ersten Akt durften die St. Wendeler sogar ihre Stehplätze verlassen. Denn ein Ordner sagte, sie dürften sich auf die freien Plätze setzen. Und diese waren sogar eine Kategorie besser als die Plätze für 162 Dollar.

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