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Redaktions-Gast: CDU-Politikerin will mehr weibliche Mitstreiter

Redaktions-Gast : CDU-Politikerin will mehr weibliche Mitstreiter

Ruth Meyer beschreibt sich als Quereinsteiger in Sachen Poltik. Was sie in dem nicht immer einfachen Beruf antreibt, verrät sie im SZ-Gespräch.

Gut gelaunt und gut vorbereitet kommt die CDU-Landtagsabgeordnete Ruth Meyer in die St. Wendeler Redaktion. „Ich bin gecoacht worden vor dem Gespräch“, verrät sie und lächelt. Ihr 13-jähriger Sohn habe den Reporter gemimt und ihr Fragen gestellt.  Dabei ist Ruth Meyer als Kommunikationstrainerin doch ohnehin Profi, wenn es darum geht, mit anderen zu reden. Und so ist ihr Kommunikation auch in allen Lebensbereichen wichtig.

Die 52-jährige Theleyerin hat zwar Politikwissenschaft studiert, aber dass sie einmal Politik mitgestalten würde, daran dachte sie während ihrer Zeit an der Universität des Saarlandes noch nicht. 2012 aber stand die 2001 in die CDU eingetretene Meyer bei der Landtagswahl auf der Liste des Wahlkreises St. Wendel   „Ich habe es als Ehre empfunden, dass ich damals vorgeschlagen wurde“, sagt Ruth Meyer. 2012 wurde sie erstmals in den Landtag gewählt, das zweite Mal 2017. „Ich bin gewählt worden, um die Interessen der Bürger zu vertreten und nicht die eigenen“, betont sie. Die Theleyerin ist  innen- und kommunalpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion sowie Mitglied in mehreren Ausschüssen. Auf Bundesebene wurde sie für die CDU in den Fachausschuss Innenpolitik berufen.

Wie sieht ihr Tagesablauf aus? Wenn sie nicht auf Terminen im Landkreis St. Wendel, dem Saarland oder auch in Berlin unterwegs ist, ist sie in Saarbrücken. Zwischen 9 und 16 Uhr sei sie meist in Sitzungen und Arbeitskreisen im Landtag gebunden, wo sie auch ein Büro hat, danach gehe es noch zu Terminen. Und diese sind ganz verschieden: vom politischen Hintergrundgespräch bis zum Parteitermin, vom Vereinsfest bis zur Polizei-Vereidigung.

Letzteres gehört sowieso zu ihrem Themengebiet: Polizei, Rettungskräfte, Feuerwehr. Dass die Helfer in jüngster Vergangenheit verstärkt bei Einsätzen angegriffen werden, sei etwas, dass sie überhaupt nicht nachvollziehen könne. „Diese Leute leisten so viel“, weiß die Politikerin. „Daher müssen sie den Staat in ihrem Rücken wissen.“ Ihrer Meinung nach müsse jede Beleidigung und jeder Übergriff gegenüber Polizisten angezeigt werden. Und dann müsse auch Schadensersatz gezahlt werden. Könne der Beschuldigte diesen nicht leisten, müsse der Staat entweder in Vorkasse gehen, bis das Geld vom Täter eingetrieben werden kann, oder die Zahlung komplett übernehmen – dafür setzt sie sich derzeit ein. Und diese Regelung solle auf Hilfs- und Rettungskräfte ausgeweitet werden.

Ein Thema, das Ruth Meyer ebenfalls beschäftigt, ist die Sicherheit im Netz. Keine Frage, Datenschutz sei wichtig. Aber „wenn er der Sicherheit im Weg steht, muss man neu justieren“, fordert die Politikerin. Ein besserer Datenaustausch zwischen Behörden sowie Online-Untersuchungen müssten ermöglicht werden, um Gefahren für die Bürger auszuräumen Auch der Verfassungsschutz müsse Ruth Meyer zufolge mehr Rechte bekommen.

Der Landkreis St. Wendel ist die Heimat der Landtagsabgeordneten. Als Stärken der Region nennt sie die Landschaft, die verkehrsgünstige Lage und den besonderen Menschenschlag. „Die Menschen engagieren sich in Vereinen und Projekten, sind bereit, etwas in die Gemeinschaft einzubringen.“ Es gelte aber, den jüngeren Generationen zu verdeutlichen, dass dies alles nicht selbstverständlich ist, sondern dass jeder gefordert sei, etwas dazu beizutragen.

„Ich bin stolz auf die touristische Entwicklung“, sagt die Christdemokratin. Als Beispiele nennt sie den Bostalsee und den Schaumbergturm. In diesem Zusammenhang spricht die 52-Jährige aber auch die Sorgen der Gastronomen an. Es sei immer schwieriger, Personal zu finden. Vielleicht könnten Arbeitskräfte im benachbarten Frankreich geworben werden, schlägt Ruth Meyer vor.

Ob als einstige Frauenbeauftragte des Landkreises St. Wendel von 1994 bis 2001 oder als Kreisvorsitzende der Frauen-Union – die Sorgen, Nöte und Rechte der Frauen waren schon immer ein großes Anliegen von Ruth Meyer. Aktuell berichten Frauen von sexuellen Übergriffen im Berufsleben. Prominente Beispiele machen die Runde. Die Politikerin glaubt, dass viele junge Frauen schon unangenehme Situationen erlebt haben. Sie selbst wurde erst kürzlich Zeugin, als ein Chef seine Mitarbeiterin bei einer Veranstaltung massiv körperlich bedrängte. „Es ist wichtig, die Sensibilität für dieses Thema zu wecken und einzugreifen, damit Gewalt und übergriffiges Verhalten geahndet wird. Und die betroffenen Frauen müssen wissen, dass es Stellen gibt, die ihnen helfen.“

Vor einem Jahr hat Ruth Meyer das Netzwerk „Die da“ für Geschäftsfrauen ins Leben gerufen. Der Name, der an den Hit der Fantastischen Vier erinnert, kommt nicht von ungefähr. „Es ist nichts für Frauen, die freitags nie da sind“, scherzt die Politikerin. Denn jeweils am ersten Freitag im Monat treffen sich zirka 40 Frauen zum Frühstück. Es gibt jeweils einen 15-minütigen Vortrag zu den verschiedsten Themen. Im Anschluss wird diskutiert, geredet, geplauscht. Entstanden sei die Idee während einer Zugfahrt. Wie Ruth Meyer berichtet, habe sie sich lange mit einer St. Wendeler Geschäftsfrau unterhalten. Als sie am Bahnhof in der Heimatstadt ausstiegen, stand das Konzept von „Die da“.

Nicht nur in der Geschäftswelt, auch in der Politik wünscht sich Ruth Meyer mehr Frauen. Von 80 Mandatsträgern im Landkreis St. Wendel sei nur ein Viertel weiblich. Sie möchte mehr Frauen gewinnen, die sich in der Politik engagieren. Denn Frauen gehen ihrer Meinung nach politische Fragestellungen oft anders an und bereichern sowohl den Umgang damit als auch die Ergebnisse.

Klar sei die Arbeit oft nicht leicht. Aber die 52-Jährige freut sich nach eigener Aussage auch über kritische Stimmen. Wenn Menschen sie bei Terminen ansprechen und auf Probleme hinweisen oder Entscheidungen hinterfragen, dann gebe sie gerne Antwort darauf  oder stelle sich der Diskussion. In der Politik ginge es nämlich oft darum, Kompromisse zu finden. Die gebürtige Theleyerin nimmt sich auch Zeit für Bürgersprechstunden und Anliegen, die auch per Mail an sie herangetragen werden. Sie liebe den Kontakt zu Menschen. Das sei der wichtigste Grund für ihr Engagement in der Politik.

Aber manchmal, da lässt Ruth Meyer die CDU-Landtagsabgeordnete zuhause. Beispielweise, wenn sie sich mit ihrem Weinclub trifft oder mit der Familie in Urlaub fährt. Mit dem Wohnwagen soll es im Sommer auf Tour gehen. „Dann genieße ich es, ohne Termine, ohne vorgegebenen Rhythmus unterwegs zu sein. Gefällt es uns an einem Ort, bleiben wir länger. Wenn nicht, fahren wir weiter.“