Brandstifter-Serie in der Gemeinde Tholey

Polizei St. Wendel bildet Ermittlungsgruppe : Wer steckt hinter der Serie von brennendem Heu?

Eine einberufene Ermittlungsgruppe der Polizei soll den Brandstifter aufspüren. Auf das Konto des oder der Täter könnten auch ältere Fälle gehen.

Kaum ein Tag ist in dieser Woche vergangen, in der die Feuerwehr nicht zu brennenden Heuballen eilen musste. Der dabei entstandene Schaden hat sich seit dem ersten Einsatz inzwischen laut Polizei auf 80 000 bis 100 000 Euro summiert. Von einer Serie spricht der St. Wendeler Polizeichef Jörg Valeske. Wobei noch nicht klar sei, ob nur ein Brandstifter am Werk war oder es mehrere Täter gibt. „In solchen Fällen ist auch Nachahmung ein Thema“, sagt der Erste Kriminalhauptkommissar.

Die Serie begann in der Nacht auf Dienstag mit gleich zwei Bränden. Einmal musste die Feuerwehr nach Sotzweiler, um nahe eines Aussiedlerhofs rund 40 Ballen zu löschen. Als die Helfer dort noch beschäftigt waren, ging der nächste Alarm ein. In Tholey brannte Heu auf einer Wiese nahe des Waldes.  In der Nacht auf Mittwoch traf es eine Lagerhalle mit einer großen Stückzahl an Strohballen und landwirtschaftlichen  Geräten auf dem Bärhof in Theley. Neben der Tatsache, dass immer Heuballen brannten, gibt es noch eine weitere Gemeinsamkeit: Die Einsätze waren alle in der Gemeinde Tholey. Der jüngste Fall von Donnerstag weicht ein wenig ab. Auf einer Wiese nahe der Landstraße 135 zwischen Theley und Selbach standen am Abend gegen 21 Uhr rund 100 Heuballen in Flammen. Diese ließ die Feuerwehr laut eines Sprechers kontrolliert abbrennen. Bis 2 Uhr in der Nacht waren die Einsatzkräfte vor Ort.

In der Nacht zu Dienstag brannten Heuballen bei Tholey. Foto: Dirk Schäfer/Feuerwehr

Am Freitagmorgen entscheidet der St. Wendeler Polizei-Chef, eine Ermittlungsgruppe mit dem Namen EG Heu einzuberufen. Darin arbeiten Kollegen aus dem Fachdezernat für Brandermittlungen in Saarbrücken, des Landeskriminalamts sowie der Facheinheit des Kriminaldienstes Neunkirchen zusammen. Sie beschränken sich bei ihren Ermittlungen nicht nur auf die aktuellen Brände, sondern haben noch weitere ungeklärte Zündeleien seit Beginn des Jahres in der Gemeinde Tholey auf dem Schirm. Der St. Wendeler Polizeichef erinnert an Containerbände im Januar und Waldbrände im April. „Wir ermitteln in alle Richtungen.“

Die Feuerwehr musste am Ostersonntag zu einem Waldbrand in der Nähe von Tholey ausrücken. Foto: Dirk Schäfer

Mit Beginn des neuen Jahres brannte der erste Container in der Schaumberggemeinde. Innerhalb kürzester Zeit waren es etwa zehn, wie sich Dirk Schäfer, Brandinspekteur des Landkreises St. Wendel erinnert. Etwa zu Ostern wurden seine Kollegen zu vier bis fünf Waldbränden gerufen. Das jüngste Kapitel der Brandstiftungen hat nicht nur hohen Sachschaden verursacht. Wie Schäfer berichtet, wurde bei dem Einsatz in Sotzweiler eine Feuerwehrfrau verletzt. „Unter den Landwirten herrscht große Unruhe“, berichtet Schäfer. Die gleiche Beobachtung hat auch der St. Wendeler Polizei-Chef gemacht, weshalb es einen Vor-Ort-Termin gegeben habe. Dem Kreisbrandinspekteur bereitet die aktuelle Brandserie auch deshalb Sorgen, weil die Gefahr besteht, dass je nach Lagerung der Heuballen die Flammen auch auf Gebäude oder Waldflächen übergreifen könnten.

Feuerwehrleute mussten im Januar ausrücken, um das Feuer in einem Altpapier-Container zu löschen. Foto: Dirk Schäfer

Jörg Valeske bittet im SZ-Gespräch um die Mithilfe der Bürger. Wobei den Ermittler nicht nur Hinweise auf Unbekannte zur jeweiligen Tatzeit interessieren. Auch Beobachtungen, die zeitlich davor liegen, könnten wertvoll sein. „Vielleicht haben sich die Täter zuvor kundig gemacht“, sagt Valeske. Auch der Streifendienst der Polizei sei sensibilisiert. So hoffen die Ermittler auf baldige Erkenntnisse.

Kontakt zur Polizeiinspektion St. Wendel, Tel. (0 68 51) 89 80.

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