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Bisschen Urteil für Honigpanscher

Bisschen Urteil für Honigpanscher

Versehen und Blauäugigkeit haben einen Hobby-Imker erstmals in Konflikt mit dem Gesetz geraten lassen. So stellte es der Mann aus dem Landkreis St. Wendel vorm Amtsgericht dar. Der Richter glaubte ihm.

Gut eine Viertelstunde vor Verhandlungsbeginn sitzt der grauhaarige Herr unauffällig auf einem der Schalensitze vor der Pforte des großen Sitzungssaales am St. Wendeler Amtsgericht. Sonst sind kaum Menschen auf den Fluren unterwegs. Der pensionierte Lehrer mit aufrechter Haltung wirkt sachlich. Nichts deutet darauf hin, dass er gleich im Mittelpunkt eines Prozesses steht, Angeklagter in einem Betrugsverfahren ist.

Erst als der 72-Jährige mit seinem Verteidiger an der Seite hinein zur Anklagebank schreitet, wird klar: Der Mann muss sich vor dem Richter verantworten. Er hat Kunden betrogen. So wirft es ihm die Staatsanwältin wenig später vor. Etikettenschwindel, der ihn vor den Kadi brachte.

Konkret: Der Fall liegt einige Zeit zurück, wird nach umfassenden Ermittlungen Dienstagmittag in der Kreisstadt verhandelt. 2013 soll der Hobby-Imker Honig auf den Markt gebracht haben. Allerdings handelte es sich in den Gläsern, nicht um das, was das Etikett vorgab. Statt "Echter Deutscher Honig " hat der passionierte Bienenzüchter Waldhonig aus Südeuropa abgefüllt. Gläser fanden sich im Laden des Harschberger Hofes in St. Wendel wieder. Andere Proben, unter anderem vom Wendelinushof und aus dem Edeka-Markt in Eisweiler, waren verunreinigt: "Sommertracht", so die Bezeichnung, wies Spuren von Blütengold auf, das ebenfalls von Pflanzen südländischer Gefilde stammt.

Öffentliches Interesse

Kein Zweifel für die Anklagevertreterin: Hier hat der Senior Schindluder getrieben, Verbraucher getäuscht. Der Richter wertet zum Prozessauftakt die Sache als Fall von "öffentlichem Interesse", der deswegen Ermittlungen von Amts wegen gefordert habe. Er spricht davon, dass der Angeklagte mit der Beimischung billigeren Honigs aus Spanien und "Vorspiegelung falscher Tatsachen" durch den Verkauf einen "Vermögensvorteil" erzielen wollte.

So machte sich der Mann gleich mehrerer Vergehen schuldig: Verstoß gegen die Honigverordnung, Verletzung des Markengesetzes und Betrug.

Der Angeklagte bleibt ruhig. Nach wenigen Minuten im Gerichtssaal ziehen sich Advokat und Staatsanwältin mit dem Richter in dessen Beratungszimmer zurück, zum Rechtsgespräch nach der Anklageverlesung. Es zeichnet sich ab: Der Angeklagte wird die Vorwürfe einräumen, sich sein Geständnis strafmildernd auswirken.

Die Beratung dauert nicht lang. Noch eine kurze Unterredung des Verteidigers mit seinem Mandanten vor der Tür. Dann sagt der Rechtsanwalt: "Er räumt die Taten voll umfänglich ein." Allerdings schränkt der Angeklagte ein, die verunreinigten Produkte nicht mit Vorsatz in Umlauf gebracht zu haben. Vielmehr habe er zuvor spanischen Honig abgefüllt. Reste aus dem Abfüllbehälter seien so in die Honiggläser mit eigentlich heimischer "Sommertracht" gelangt.

Und was den Waldhonig betrifft, da habe er blindlings Angaben eines Firmenmitarbeiters vertraut. Dessen Aussage sei gewesen: Wenn Honig , egal welcher Herkunft, hier im St. Wendeler Land weiteverarbeitet wird, darf er als deutsches Erzeugnis verkauft werden. "Ich war blauäugig", gesteht der Imker.

Strafe unter Vorbehalt

 Nicht die Biene ist das Problem, sondern der Imker, der ihr Gold nicht als das verkaufte, was es war. Symbolbild: Arne Dedert/dpa
Nicht die Biene ist das Problem, sondern der Imker, der ihr Gold nicht als das verkaufte, was es war. Symbolbild: Arne Dedert/dpa

Warum aber versuchte der Mann aus der Region überhaupt ausländischen Blütennektar in hiesigen Geschäften den Kunden anzudrehen? "Ich wollte Lieferengpässe überbrücken." Denn der Sommer 2012 sei nicht so ergiebig gewesen.

Seine Einlassung vor der Kammer sowie die Tatsache, dass er sich bisher nie etwas zuschulden kommen ließ, stimmt Richter und Staatsanwalt milde. Das salomonische Urteil auf Antrag der Anklagevertreterin: Die Fälle um gepanschten Honig werden eingestellt. Wegen des Waldhonigs aus ausländischen Beständen, der als deutsches Produkt verkauft wurde: Bewährungsstrafe mit Vorbehalt. Demnach muss der Verurteilte 3200 Euro zahlen, sollte er in den nächsten zwei Jahren erneut mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Unabhängig davon gehen 1000 Euro an den Kinderhospizdienst in Homburg. > : weiterer Bericht