Billard: St. Wendel startet mit Remis und Niederlage in die Bundesliga

Billard : Gemischte Gefühle beim Aufsteiger

Mit einem Remis und einer Niederlage ist Aufsteiger BC St. Wendel am Wochenende in die Saison der 1. Bundesliga Dreiband gestartet. Dass in beiden Spielen mehr drin war, lässt für die Zukunft hoffen.

Was mag im Kopf eines Billardspielers vorgehen, wenn er über eine Zeit von mehr als 90 Minuten unter Stress steht und zwischendrin nur auf den grünen Tisch mit den drei Kugeln starrt? Jérome Barbeillon, der französische Topspieler des Erstliga-Aufsteigers BC St. Wendel, hatte sich den gehörigen Druck selbst auferlegt. Am Vortag hatte er beim Saisonauftakt in der 1. Bundesliga Dreiband beim 4:4-Remis gegen Mitaufsteiger BC Höntrop einen ungewohnt schwachen Auftritt hingelegt und sein Spiel mit 23:40 verloren.

Am Sonntag stand ihm im Spiel gegen die Bottroper Billardakademie nun mit dem Niederländer Jan van Erp ein absoluter Könner seiner Zunft am Tisch gegenüber. Und die Ausgangslage für Gastgeber St. Wendel war ungünstig. Nach zwei Spielen lagen die St. Wendeler mit 0:4 hinten, brauchten nun unbedingt einen Sieg. Und Barbeillon legte furios los. Erst nach einer 8:0 Führung nahm er ungern auf dem Stuhl Platz. Mit stoischer Ruhe beobachtete der Franzose danach van Erps Spielkunst sowie gleichzeitig im Augenwinkel die Stöße von Mannschaftskamerad Radovan Hajek am Nebentisch. Der für St. Wendel spielende Tscheche führte mit 7:5 gegen Christian Rudolph. Würde St. Wendel doch noch zum 4:4-Ausgleich – und dem zweiten Remis des Wochenendes – kommen?

Barbeillon behauptete seine Führung (20:16) bis zur Pause, Hajek lag zu dem Zeitpunkt aber bereits mit 14:24 hinten. Mit dem Zeigefinger berührte er leicht seinen Kopf. „Ich denke zu viel“, sagte er zu St. Wendels Bundesliga-Manager Rainer Selgrath. Der forderte zur Ruhe auf, als die Queue-Künstler nach der fünfminütigen Verschnaufpause die Partie fortsetzten. Barbeillon sammelte sofort einen weiteren Punkt ein und wedelte mit der Hand, als wollte er den immer langsamer rollenden Spielball damit anschieben. Es lief bei ihm – mit einer Fünf-Punkte-Serie baute Barbeillon den Vorsprung auf 30:22 aus.

Doch nebenan gab es nix Neues bei Hajek – der lag weiterhin zweistellig zurück. Auch für Barbeillon wurde es dann zunehmend enger, der Niederländer van Erp verkürzte auf 30:31. Doch nach dem 33:33 spielte der Franzose zwei überragende Bälle und ging mit 35:33 in Führung. Danach pustete er kräftig durch, zeigte seine bislang erste emotionale Regung. Nach einem Patzer von van Erp kam er wieder an den Tisch – und verbuchte gleich fünf Punkte am Stück zum 40:33-Spielerfolg. Dadurch verkürzte der BC kurzzeitig auf 2:4, doch nach Hajeks 23:40-Misserfolg stand die 2:6-Heimniederlage gegen Bottrop fest.

„Im Endeffekt muss ich mich jetzt noch mehr über mein Spiel ärgern“, haderte Daniel Schwerdtfeger. Nach einer Führung hatte er seine Partie gegen Tobias Bouerdick noch verloren – ansonsten hätte St. Wendel ein Unentschieden geholt. Am Tag zuvor besiegte Schwerdtfeger bei seinem Bundesligadebüt den Höntroper Matthias Meske in 38 Aufnahmen mit 40:27. Die weiteren Punkte zum 4:4 holte Hajek mit einem 40:34-Sieg über Martin Spormans. Mannschaftskamerad Lutz Schwab, der zwei Niederlagen verdauen musste, trauerte: „Für mich war das ein Wochenende zum Vergessen.“ Nach dem Bundesligaauftakt dominierten bei Manager Selgrath die gemischten Gefühle. „Gegen Höntrop hätten wir gewinnen können, und im Spiel gegen Bottrop war ein Punkt für uns durchaus im Bereich des Möglichen“, bilanzierte er. Weiter geht es am 5. und 6. Oktober mit den Auswärtsspielen bei Mitaufsteiger BC Nied und in Witten.

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