1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. St. Wendel

Bilder wie die Noten einer Partitur

Bilder wie die Noten einer Partitur

St. Wendel. Inmitten des Raumes steht Armin Rohr. Um ihn herum hängen seine Bilder unter dem Motto "Macht und Machträume" deren silhouettenartige Motive dem Betrachter mehrfach begegnen, jedoch zunächst geisterhaft erscheinen

St. Wendel. Inmitten des Raumes steht Armin Rohr. Um ihn herum hängen seine Bilder unter dem Motto "Macht und Machträume" deren silhouettenartige Motive dem Betrachter mehrfach begegnen, jedoch zunächst geisterhaft erscheinen. Rohr setzt Menschen ins Bild, denen ihre Identität verloren geht, deren Umrisse er verwischt, Gesichter übermalt, bis nur mehr gespensterhafte Schemen übrig bleiben - von Kindern in Schulkantinen, von Malern in ihren Ateliers. "Die Bilder sind wie Noten auf den Notenlinien an den Wänden verteilt. Es gibt Verdichtungen, offene Räume, Rhythmuswechsel, unterschiedliche Klänge, Beziehungen und Verweise", erklärt Rohr eingangs. Um mehr Spannung zu erzeugen, habe er viele Bilder auf Augenhöhe platziert. "Analogien und Bezüge sind so besser zu entdecken", führt er weiter aus. Währenddessen schweifen die Blicke des Publikums durch eine Welt voller Schablonen. "Mir ist zuerst aufgefallen, dass die Räume da sind und Menschen und Figuren auf den Bildern austauschbar sind", bemerkt Besucherin Hiltrud Gabler. Deshalb will sie von Rohr wissen, ob er sich selbst als sozial-kritischen Menschen sehe. "Ich sehe mich als Menschen, den interessiert, was in der Welt passiert, aber nicht als gesellschaftskritisch", antwortet er. In seine bewusst ungerahmten Papierarbeiten habe er mehr Offenheit reinbringen wollen. "Ihre Bilder kippen manchmal ineinander über. Der Mensch ist Leerstelle und Protagonist zugleich", schilderte eine am Boden hockende Besucherin ihre Eindrücke. Für viele Werke, so Rohr, habe er Gärten und architektonische Innen- und Außenräume gewählt, um deren Atmosphäre über die Malerei gezielt zu verfremden. "So entstanden andere Beziehungen und neue Geschichten. Aber auf Dauer war das sehr mühsam", schildert der Maler. Auch in seinen Fotografien stechen die verschwommenen Personen-Konterfeis hervor. Das Scharfe stellt sich dabei in der Unschärfe dar. "Es sind keine schulbuchmäßigen Fotos, keines davon ist nachträglich bearbeitet worden, oder gar verschlimmbessert worden", informiert Rohr. Es dürfe nämlich nie in Beliebigkeit ausarten, vielmehr sehe er die Fotos als Tagebuchnotizen die eine spontane irdische Geschichte erzählen. Rohrs Schnappschüsse sind ungewöhnliche Frontalaufnahmen von Managern, Politikern oder von Menschengruppen, im Wald und in Unterführungen. Die Aufnahmen sind von der Farbgebung her matt und subtil - voller Nacht und Nebel. "Sofort sind aber wieder die Figuren präsent", sagt Eva Quack. Sie kenne auch Rohrs ältere Arbeiten und fände seine Vielfalt einfach toll. "Spannend ist in jedem Falle, dass die Bilder und Fotografien thematisch gegenüberstellt werden", ist die Kunstliebhaberin begeistert. Dazu Rohr: "So ist ein Netzwerk entstanden, das ich in den zwei großen Ausstellungsräumen und im Flur inszenieren wollte". Dies sei vergleichbar mit einer Partitur. "Ich sehe mich als Menschen, den interessiert, was in der Welt passiert." Armin Rohr

Auf einen BlickDie Ausstellung mit zweihundert Bildern und rund fünfzig Fotos dauert bis Sonntag, 7. November. Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Freitag von zehn bis 13 und 14 bis 16.30 Uhr; Donnerstag von zehn bis 13 und 14 bis 18 Uhr; Samstag von 14 bis 16.30 Uhr; Sonntag (und an Feiertagen) 14 bis 18 Uhr. Eintritt frei. frf