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Bienenfutter-Automat wird in Urweiler aufgestellt

Besondere Bienen-Hilfe in Urweiler : Statt Kaugummi gibt’s Blumensamen

In Urweiler gibt es demnächst Saatgut aus dem Automaten. Das Familienzentrum Fabilu will damit Wild- und Honigbienen anlocken.

Farblich erinnert er an einen Briefkasten, und dass er auffällt, ist erwünscht: Urweiler bekommt einen Bienenfutter-Automaten. Das quietschgelbe Gehäuse mit dem Doppelfenster war einst ein Kaugummi-Automat, so wie er in den 1970er- und 1980er-Jahren in vielen Dörfern an Hauswänden hing. Jetzt soll er seinen Platz am Zaun vor dem Familienzentrum Fabilu finden. Der Automat spuckt Kapseln aus, in denen Wildblumen-Saatgut enthalten ist.

20 Cent kosten die einjährigen Samen-Mischungen, 50 Cent die mehrjährigen. Jeder, der vorbeikommt, kann am Griff drehen, eine Kapsel herausziehen und zu Hause im Garten oder auf einer Fläche in der Umgebung Frühlingsblumen züchten. „Ich habe im Internet davon gelesen und war für die Idee sofort Feuer und Flamme“, erzählt Katja Bayer, Gründerin und Leiterin des Familienzentrums. „Wir haben hier immer schon viele Blumen im Vorgarten, aber ich fand das einfach toll, so einem Automaten einen sinnvollen Inhalt zu geben und andere zu animieren, etwas Gutes zu tun.“ Bestellt hat Katja Bayer ihren Bienenautomaten bei Sebastian Everding in Dortmund. Er haucht seit gut einem Jahr in seiner Keller-Werkstatt schrottreifen Kaugummi-Automaten neues Leben ein. „Als Kind fand ich die Dinger eklig“, gesteht er, „aber irgendwie haben sie einen eigenen Charme, den ich gerne bewahren möchte. Wenn sie bei mir ankommen, sind sie verrostet, verbeult, haben Brandlöcher, sind voller Macken. Das ist ja klar, nach so vielen Jahren auf der Straße.“ Sie überhaupt aufzutreiben, sei eine unendliche Sucherei, berichtet der Bastler. „Die ersten, die ich bearbeitet habe, bekam ich per Zufall von einem ehemaligen Automatenaufsteller. Er hat aber jetzt keine mehr, momentan habe ich eine neue Quelle in Hessen aufgetan“, verrät Everding.

Zwölf Bienenautomaten hat Sebastian Everding in ganz Deutschland schon ausgeliefert, drei weitere werden gerade fertig. „Ich brauche etwa zwei Wochen, bis ich die alten Gehäuse aufbereitet habe. Da steckt viel Handarbeit drin, der Originallack kommt ab und dann müssen sie neu beschichtet werden“, erklärt der Dortmunder. Ersatzteile für die Mechanik seien zum Glück recht gut zu bekommen.

Katja Bayers Bienenautomat ist der erste seiner Art im Saarland. In ein bis zwei Wochen soll er an seinem Platz hängen, ein paar Vorarbeiten sind dafür noch nötig. Von der Straße aus wird ihn jeder sehen und bedienen können. Neben das einstige Kaugummi-Gehäuse kommt ein weiterer kleiner Kasten. Da werden die leeren Kapseln gesammelt. Die sind nämlich aus Plastik und sollen wiederverwendet werden.

Das ist auch Erfinder Sebastian Everding ganz wichtig: „Es soll ja nachhaltig sein, also werden die Kapseln wieder eingesammelt und neu befüllt.“ Das erledigt die Bienenretter-Manufaktur, eine Partnerfirma aus Frankfurt. Lange hätten sie zusammen über das Plastik für die Mehrweg-Kapseln gegrübelt, gesteht er, aber es sei einfach nicht anders gegangen. „Wir haben erst Kapseln aus Holz und Pappe getestet, das hat aber mit der Mechanik nicht funktioniert und wäre zu teuer geworden“, so Everding.

350 Euro kostet so ein Bienenautomat, das Fabilu hat ihn mithilfe von Sponsoren finanziert. „Für uns und die Familien, die zu uns kommen, sind schöne und achtsame Erlebnisse in der Natur wichtig“, erklärt Katja Bayer. „Dabei soll der Automat helfen.“ Denn vor allem Kinder mache es Spaß, den Automaten zu bedienen. „Sie können aktiv werden beim Einpflanzen. Sie beobachten, wie Pflanzen wachsen, und erleben, dass sie selbst den Bienen durch ihr eigenes Handeln helfen können, egal wie alt sie sind.“

Familien mit Kindern sind auch die Zielgruppe, die Sebastian Everding am Herzen liegt. Er hat inzwischen eine Warteliste, so groß ist die Nachfrage nach seinen Retro-Automaten. Zum Glück gebe es aber noch genügend Nachschub. Er will sein Projekt auf jeden Fall weiterführen, plant gerade eine Sonderedition mit Krokus-Zwiebeln. Auf seinem Instagram-Profil „betterworldmachines“ und unter dem Hashtag #bienenautomat dokumentiert er seine Arbeit und sammelt Fotos von bereits aufgestellten Automaten. Da wird dann demnächst auch das Foto von den Bienenrettern aus Urweiler landen.