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Besuch einer Arztpraxis am Schloßplatz St. Wendel in Zeiten von Corona

Aus der Praxis : Neuer Praxis-Alltag durch Corona

Die Internisten Frederik und Mouliya Schumann haben einiges verändert. Unter anderem die Belegschaft in zwei Teams aufgeteilt.

Von einer Pandemie war noch keine Rede, da haben sich die St. Wendeler Internisten Frederik und Mouliya Schumann bereits mit dem Coronavirus beschäftigt. „Ende Januar, Anfang Februar hat das Virus die deutsche Grenze überschritten. Sicherlich war man überrascht, aber es war nicht unnormal, dass es auch uns ereilen konnte“, blickt Dr. Mouliya Schumann zurück. Da der Zeitraum in der Influenza-Saison gelegen habe, seien die Patienten am Anfang davon gar nicht so eingeschüchtert gewesen. Das ist nun Wochen her und das Breitmachen der Covid-19-Infektionskrankheit im St. Wendeler Land hat den täglichen Ablauf in der Gemeinschaftspraxis Schumann am Schlossplatz regelrecht auf den Kopf gestellt.

„Im März haben sich die Ereignisse überschlagen. Jeden Morgen haben wir neue Entscheidungen für die Patienten und das Praxisteam treffen müssen“, berichtet die aus Sri Lanka stammende Internistin. Physisch sei dies für das gesamte Team sehr belastend gewesen. „Am 6. März war es so extrem, dass ich abends nur noch Matsch im Kopf hatte“, schildert sie. Nie im Leben sei ihr jemals zuvor durch den Kopf gegangen, dass sie als Ärztin einmal vom Homeoffice aus diagnostizieren und praktizieren müsse. „Das ist wie, wenn ein Bauarbeiter im Anzug auf der Baustelle arbeitet“, vergleicht die Medizinerin.

Der aktuellen Situation geschuldet ist die Belegschaft in zwei Teams gesplittet worden. „Ein Team ist zu Hause, und so steht im Ernstfall sofort ein Ersatzteam bereit“, erläutert Dr. Mouliya Schumann. Termine vor Ort in der Praxis mit älteren Patienten seien zunächst abgesagt worden. „Wir haben eine telefonische Sprechstunde, die Patienten können auch anrufen, wenn sie Fragen haben“, sagt die Ärztin.

Auf den obligatorischen Handschlag zur Begrüßung wird aus gegebenem Anlass bei Terminen verzichtet, entsprechende Infotafeln wurden aufgestellt und aufgehängt, der Sicherheitsabstand zum Patienten beträgt drei Meter. „Die Patienten sind sehr tolerant und kulant, und finden das nicht übertrieben“, berichtet die Medizinerin.

Handhygiene steht bereit, ebenso spezielle Schutzmasken mit Filter und Schutzbrillen, die das Praxisteam vor einer Tröpfcheninfektion schützen sollen. „Wir halten uns an  die Leitlinie für Ärzte der Kassenärztlichen Vereinigung und an die des Robert-Koch-Institutes. Wenn es was Neues gibt, bekommen wir ein Update“, sagt sie.

Bei den geänderten Strukturen sei eine Akutsprechstunde für eine feste Uhrzeit terminiert. Schildert ein Patient Symptome, wird bei ihm bereits am Empfang mit einem Infrarotthermometer, also ohne direkten menschlichen Kontakt, Fieber gemessen „Wir haben auch schon Abstriche bei Verdachtsfällen gemacht“, lässt die Medizinerin durchblicken. Die Arztpraxen stehen hierbei in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt.

Generell gilt aber: Wer über grippeähnliche Symptome klagt, soll nicht unangemeldet in die Praxis kommen, sondern erst anrufen. Mittlerweile, so Dr. Mouliya Schumann weiter, habe sich der modifizierte Tagesablauf gut eingependelt. „Wir wollten das auch so gut wie möglich für unsere Patienten organisieren“, erklärt sie. Derzeit müsse die Lage einfach so angenommen werden, wie sie sich darstelle. „Das Schlimme ist das Ungewisse und das dauert wohl vorerst noch bis Ostern an“, weiß sie und fragt: „Bekommen wir irgendwie einen Impfstoff gegen das Coronavirus, der sich gut vertragen lässt?“. Bei dem Thema bestünde eine gewisse Skepsis.

Angst, sich selbst zu infizieren, hat die Ärztin nach eigener Aussage nicht. „Die Hauptaufgabe eines Arztes ist, niemals den Kampf aufzugeben“, stellt sie klar. Sie rät den Empfehlungen der Wissenschaftler Folge zu leisten: Indem man den direkten Kontakt zu Mitmenschen meide, verringere sich das Risiko einer Infektion.