Beschäftigungscoach schließt eine Lücke

Beschäftigungscoach schließt eine Lücke

Flüchtlinge früher an den Arbeitsmarkt heranführen, dieses Ziel wollen Landkreis und Agentur für Arbeit verwirklichen und haben eine Kooperationsvereinbarung zum Beschäftigungscoaching unterzeichnet.

Wer hilft mir bei der Arbeitssuche? Welche Behörde ist für mich zuständig? Wird meine Ausbildung anerkannt? Wann darf ich arbeiten? Flüchtlinge haben viele Fragen, wenn sie in der Region ankommen. Antworten gibt es von Mitarbeitern der Agentur für Arbeit und der kommunalen Arbeitsförderung im Landkreis. Die Zusammenarbeit läuft gut, wird aber ab April weiter vertieft. Landrat Udo Recktenwald und der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit im Saarland, Jürgen Haßdenteufel, haben gestern eine Kooperationsvereinbarung zum Beschäftigungscoaching für Flüchtlinge im Landkreis unterzeichnet.

"Mit der heutigen Vereinbarung ist sichergestellt, dass die Informationen, die die Arbeitsagentur gesammelt hat, in einem gut strukturierten Prozess der kommunalen Arbeitsförderung übermittelt werden", unterstreicht Haßdenteufel.

Eine wichtige Aufgabe übernimmt der Beschäftigungscoach, den der Landkreis mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums ab heute beschäftigt. Er steht im Kontakt mit den Flüchtlingen und bringt noch nicht anerkannte Asylbewerber, die im Kreis untergebracht sind, so früh wie möglich zur Beratung zur Arbeitsagentur. Denn bei dem großen Zustrom von Flüchtlingen im vergangenen Jahr, konnten nicht alle bei der Erstaufnahme in Lebach ausreichend informiert werden.

"Wir versuchen mit der Kooperationsvereinbarung, Flüchtlinge verstärkt an den Arbeitsmarkt und die Ausbildung heranzuführen. Nicht erst, wenn sie anerkannt sind", sagt Landrat Udo Recktenwald . Angesprochen werden sollen erwerbsfähige Zugewanderte, die gute Bleibeperspektiven haben, über schulische und/oder berufliche Qualifikationen verfügen. Damit ist laut Haßdenteufel die Kontinuität in der Beratung sichergestellt.

Als Beschäftigungscoach konnte der Landkreis Hajem Mohammad gewinnen. Der 28-jährige kurdische Syrer kam 2014 als Flüchtling nach Deutschland. Der Politikwissenschaftler hat hier die deutsche Sprache gelernt, spricht darüber hinaus zwei kurdische Dialekte, Hocharabisch, Englisch und ein wenig Bulgarisch. Er betreute bisher für die Kreisvolkshochschule Kursteilnehmer von Deutschsprachkursen. Er ist Dolmetscher und schon jetzt ein Ansprechpartner für Flüchtlinge . Als Beschäftigungscoach hat er eine halbe Stelle bei der kommunalen Arbeitsförderung des Landkreises. Das Land übernimmt dabei die Personal-, der Kreis die Sachkosten.

"Der Coach füllt eine Lücke", sagt Harald Becker, Leiter der Arbeitsförderung beim Jobcenter. Es gehe darum, möglichst schnell mit der Integration zu beginnen. Wichtigstes Thema dabei ist für ihn die Sprachkompetenz. Ohne vernünftige Kenntnisse der deutschen Sprache sei eine Vermittlung in den Arbeitsmarkt kaum machbar. Becker erwartet, dass mit Hilfe des Coaches die Kursangebote besser geplant werden können.

Ins Leben gerufen wird eine Arbeitsgruppe des Landkreises, die regelmäßig tagt und an der sich die Agentur für Arbeit, das Bundesamt für Migration und die Träger der Integrationskurse beteiligen. Dabei geht es darum, die Hilfen vor Ort zu organisieren, abzustimmen und zu koordinieren. "Bei einer Aufgabe, in die vom Bund bis zur Kommune alle staatlichen Ebenen involviert sind, brauchen wir dringend eine Koordinierung auf der kommunalen Ebene", betont Recktenwald.

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HintergrundDie Agentur für Arbeit ist verantwortlich für die Betreuung von Flüchtlingen, die noch keine Anerkennung im Asylverfahren erhalten haben. Die Arbeitsagentur führt bereits in der Landesaufnahmestelle in Lebach Gruppeninformationen und Beratungen von neu angekommenen Flüchtlingen durch. Dafür setzt die Agentur sieben Fachkräfte ein. Ziel ist es, frühzeitig berufliche Kompetenzen zu erheben und erste Schritte in Richtung einer Integration in Ausbildung oder Berufstätigkeit zu vereinbaren.Die Agentur für Arbeit schafft damit eine wichtige Basis für die Arbeit des Jobcenters, in St. Wendel ist dies die kommunale Arbeitsförderung . Denn diese ist ab dem Zeitpunkt für die Flüchtlinge zuständig, ab dem diese als Asylbewerber anerkannt sind. vf