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Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Beginn einer wunderbaren Freundschaft

BVB-Fans aus St. Wendel waren in Dortmund, als Sprengsätze explodierten. Sie fuhren zum Nachholspiel und trafen auf Monaco-Anhänger.

Bei aller Tragik war es ein besonderes Erlebnis für Marco Wagner aus Winterbach und seine sieben Kumpels vom Fanclub "BVB Support Nordsaar". "Es hat das gezeigt, wofür der BVB steht: für Zusammenhalt", sagt Wagner am Donnerstag. Hinter ihm liegen zwei Touren nach Dortmund (wir berichteten).

Am Dienstag waren die Fans aus St. Wendel zum Champions-League-Spiel gegen AS Monaco angereist. Sie waren schon im Stadion, als Freunde sie übers Handy informierten, dass "da etwas passiert" sei. Zunächst war von einem Unfall des Mannschaftsbusses die Rede. "Nach und nach kamen dann die anderen Informationen: dass es Explosionen gab, und dass ein Spieler verletzt wurde", berichtet Wagner. Im Stadion habe Totenstille geherrscht. "Alle waren geschockt."

Der Fanclub war mit acht Personen vor Ort. Vier hatten die Möglichkeit, bei Freunden in der Nähe zu übernachten, vier fuhren nach Hause. "Wir mussten arbeiten", sagt Wagner. Gegen 20.45 Uhr entschieden sie sich, zurück zu fahren. "Die Zuschauer verließen das Spiel wie sonst auch; es gab keine Panik", beschreibt der 34-Jährige die Situation. Er muss es wissen: Bei fast jedem Heimspiel ist er in Dortmund dabei; seit sieben Jahren wartet er allerdings auf eine Dauerkarte. "Das wäre wie ein Sechser im Lotto."

Kurz nach Mitternacht waren er und seine Freunde zu Hause. Und ihnen war klar, dass sie am nächsten Tag zum Nachholspiel fahren würden. "Für einen Freund hat noch jemand anderes die Schicht übernommen, damit er wieder mitkommen konnte", sagt Wagner. Angst verspürten sie nicht. Vielmehr freuten sie sich über die Atmosphäre im Signal-Iduna-Park. Wagner: "Seit Jahren war die Stimmung nicht so gut." So sehr hätten die Fans hinter der Mannschaft gestanden. "Sie hätten auch 6:0 verlieren können, das hätte jeder verstanden." Denn den neuen Termin keine 24 Stunden nach dem Anschlag anzusetzen, das hält Wagner für eine "Frechheit", obgleich er weiß, dass es keine andere Möglichkeit gab. Schließlich ist das Rückspiel schon in der kommenden Woche. Dafür versuchen die St. Wendeler Karten zu bekommen. Aber noch sieht's schlecht aus.

"Ausgeschieden sind wir noch lange nicht", sagt Wagner, der seit seinem sechsten Lebensjahr BVB-Fan ist. Denn auch im Spiel am Mittwoch seien Chancen da gewesen. In der ersten Halbzeit habe man gemerkt, "dass die Spieler noch nicht ganz da war". Aber das habe sich in Hälfte zwei geändert. "Die Spieler waren wie ausgewechselt, man hat die Leidenschaft gespürt."

Aber nicht nur seine Mannschaft lobt Wagner, sondern auch die gegnerischen Fans. Die "Dortmund"-Sprechchöre am Dienstag seien schon sehr intensiv gewesen. Aber auch am Mittwoch sei die Situation sehr entspannt gewesen; trotz oder gerade wegen der hohen Polizei-Präsenz. Nach dem Spiel, haben Fans aus Dortmund und Monaco zusammengestanden - "wir haben was getrunken und gequatscht". Nachdem sie zuvor getrennt nach Blöcken ganz zivilisiert das Stadion verlassen hatten. Für Wagner ist das "der Beginn einer wunderbaren Fan-Freundschaft".