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Band Pascow stellt ihr neues Album vor

Musik : Die Punkband aus dem kleinsten Dorf

An diesem Freitag stellt die saarländische Punkrock-Band Pascow in der Gebläsehalle in Neunkirchen ihr neues Album „Jade“ vor.

Seht und hört, was deutschsprachiger Punkrock nach mehr als 20 Jahren aus ihnen gemacht hat. Die saarländische Band Pascow stellt an diesem Freitag ihr neues Album „Jade“ in der Gebläsehalle in Neunkirchen vor. Mit 1600 Fans, so viel wie noch nie bei einer Headlinershow, ist die Releaseparty ausverkauft. „Das wundert uns schon, wir haben mit 1000 Leuten gerechnet“, freut sich der aus Alsweiler stammende Sänger und Gitarrist Alex Thomé. Er und sein Bruder Oliver, der hinter dem Schlagzeug sitzt, haben 1998 im rheinland-pfälzischen Ort Gimbweiler, wo sich noch heute der Probenraum befindet, die Band gegründet. „Wie das so ist, wir waren Schulfreunde und wollten immer die Punkband aus dem kleinsten Dorf sein“, sagt Alex und lacht, wenn er zurückblickt. Damals sei Punkrock schon noch etwas verpönt gewesen. Dennoch habe die Gruppe früher überall gespielt, wo eine Steckdose in der Wand war. „Mittlerweile haben wir uns in den vergangenen Jahren in der Region rar gemacht“, meint er.

Nach zwei Jahrzehnten könnten die vier Bandmitglieder immer noch den Spagat zwischen Musikgeschäft, Berufstätigkeit und Privatleben gut miteinander vereinbaren. „Alle sind fest in der Region um St. Wendel verwurzelt, und die Band ist jedem weiter ganz wichtig“, erklärt Alex, der in der Kreisstadt ein Musiklabel und den Szeneladen Tante Guerilla betreibt. Vor neun Jahren, ergänzt er, sei die Band mit der CD „Alles muss kaputt sein“ für die Anhänger der Punkrockszene interessanter geworden. 2013 haben sie das Publikum für die Toten Hosen aufgewärmt und durch den erfolgreichen Tonträger „Diene der Party“ national den Durchbruch geschafft. Das Ox-Fanzine hat Pascow im Dezember die Titelstory gewidmet, in der nächsten Woche legt das Musikmagazin Visions großzügig nach.

Es gab aber nicht nur Medienrummel. Die Punkrocker waren auch fleißig im Probenraum, um die neuen Songs mal live zu spielen. Und wie findet Texter Alex selbst die zwölf Lieder vom Album „Jade“? „Ein Drittel ist atmosphärisch, experimentell mit vielen Details. Die beiden anderen Drittel sind typisch Pascow“, beschreibt er im Schnelldurchlauf. Ein Teil der Liedtexte spielt sich auf der Beziehungsebene ab, mal wird das in Doppelmoral badende Europa angeklagt und beim Song „Treck der Toten“ das Himmelfahrtskommando Neo-Kapitalismus beim Namen genannt. „Kriegerin“ hält dem Nestlé-Konzern, dem so einiges vorgeworfen wird, den Spiegel vor. Dazu klingt Alex’ Stimme oft wütender denn je. Der Titel „Sturm, der durch Erlen zieht“, könnte auch aus einem Gedicht des Hasborner Lyrikers Johannes Kühn stammen. „Es ist ein Goethe-Zitat“, klärt Alex aber sofort auf.

In drei Wochen Studiozeit mit Produzent Kurt Ebelhäuser (unter anderem Gitarrist bei den Bands Blackmail und Scumbucket) war das komplette Ding im Kasten. „Wir sind weiter eine düstere, klassische Punkrockband und haben schon das Bedürfnis, unseren Musikstil klar zu benennen“, betont Alex. Obwohl sich die Musiker dabei vom Sound keine Grenzen setzen, die Attitüde ist und bleibt Punk. „Wir haben mit deutschen Sachen angefangen, weil es einfacher war. Um englische Texte zu komponieren und zu singen, muss man auch perfekt die englische Sprache beherrschen“, scherzt der Sänger ironisch.

Neben der Musik will die Band bei ihren Konzerten keineswegs auf ihre Aussagekraft zu gesellschaftlichen und politischen Missständen verzichten. „Dinge muss man klar benennen, momentan ist das wichtiger als noch vor zehn Jahren“, meint der Frontmann. Hierbei sei die Band im Laufe der Zeit viel mutiger geworden.

„Seit wir die AfD und US-Präsident Trump haben, sind andere ja auch mutiger geworden und denen können wir die Hoheit nicht überlassen“, bezieht Alex Position. Unterstützt wird Pascow bei der Releaseparty vom Trio Acht Eimer Hühnerherzen aus Berlin-Kreuzberg und der französischen Poppunk-Band Not Scientists. Im April werden die Koffer gepackt und durch die Republik getourt. Beim Hurricane-Festival in Scheesel geht Pascow im Juni auf die Bühne und musiziert mit Turbostaat im September im Wiesbadener Schlachthof. All das hat Punkrock aus ihnen gemacht.