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Aufgesprüht: Wie ein magischer Moment

Aufgesprüht: Wie ein magischer Moment

Künstler Cone the Weird bemalt St. Wendeler Museums-Fassade.

Wer schaut denn da auf die Passanten auf der Mott herab? Ein Geselle, der scheinbar die Bodenhaftung verloren hat, nach Höherem strebt. Ein Blick alleine genügt aber nicht, um das Wandbild komplett zu erfassen. In feinen Linien gearbeitet, hebt sich die Figur vom hellgrauen Untergrund ab. Der Verzicht auf poppige Farben gehört zum Stil des Künstlers. Links oben hat er sich verewigt: Cone the Weird.

Das ist selbstredend nicht der Geburtsname des 37-Jährigen. Aber im Zusammenhang mit seinen Werken möchte der Künstler gerne so genannt werden. Seine Arbeit an der Fassade des Mia-Münster-Hauses steht im Zusammenhang mit der Landesausstellung SaarArt. Daran beteiligen sich mehrere Museen. Auch das St. Wendeler.

In der ersten Maiwoche machte sich Cone the Weird mit schwarzer Farbe aus der Sprühdose ans Werk. Teils mit Kopfhörer in den Ohren, ging es für den Künstler hinauf auf das Gerüst, welches die Stadt gestellt hat. "Ich male oft mit Musik", sagt der 37-Jährige. Sein Tun blieb von den Passanten nicht unbemerkt. Mit dem ein oder anderen sei er auch ins Gespräch gekommen. So auch mit zwei Rentnerinnen, die sich für den Titel der Malerei interessierten. Dieser lautet "Divine Afflatus": göttliche Eingebung.

Wie kam es dazu? Ehe Cone the Weird mit dem Sprayen begann, kam er zur Stippvisite nach St. Wendel. Zwar kannte er die Wand, die es zu bearbeiten galt, von Fotos her. Doch der reale Eindruck sei meist ein anderer. Er habe viel über den Heiligen Wendelin gelesen. "Ich wollte aber auf keinen Fall ein weiteres Abbild des Stadtpatrons schaffen." Viel spannender fand der Künstler einen konkreten Hinweis in der Vita Wendelins: den Moment, in dem er sich gegen den Reichtum und für ein Leben mit Entbehrungen und für Gott entschied. "Das muss ein magischer Moment gewesen sein." Für Cone the Weird eine spannende Thematik. Die Figur selbst stamme von Stil her aus einer Zeit, in der er Serien von Selbstporträts fertigte. Diese habe er immer stärker verfremdet, so dass nur noch in entferntester Weise von einem Abbild die Rede sein könne. Es sei sein Wunsch, persönlich zu werden, ohne einen Seelenstriptease hinzulegen.

Malerei der Romantik interessiert den Künstler, außerdem habe er ein Faible für viktorianische Kunststiche. Er beschäftige sich auch viel mit Musik - und wie diese Gefühle transportieren kann. Emotionen, eigene Gedanken und Eindrücke, die möchte der 37-Jährige beim Betrachter wecken.

"Ich bin zufrieden mit dem Werk", sagt Cone the Weird. Insgesamt 17 Stunden hat er an "Divine Afflatus" gearbeitet. Im Vorfeld habe er eine Skizze gefertigt, aber im Entstehungsprozess verändere sich meist etwas. Auch nach Ende der SaarArt-Schau Ende Juni wird das Werk des Künstlers die Wand des Museums zieren. Und zwar so lange bis das Mia-Münster-Haus einen neuen Außenanstrich bekommt. Der sei geplant, sagt Museumsleiterin Cornelieke Lagerwaard. Aber noch nicht in diesem Jahr. Sie spricht von einer "schönen Wandmalerei."

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 Künstler Cone the Weird ist mit schwarzer Farbe aus der Sprühdose am Werk.
Künstler Cone the Weird ist mit schwarzer Farbe aus der Sprühdose am Werk.

Anlässlich der Landesausstellung SaarArt gibt es im St. Wendeler Museum am heutigen Donnerstag, 18. Mai, um 17 Uhr ein Künstlergespräch. Zu Gast sind Brigitte Martin und Ki Youn Kim. Die Moderation übernimmt Kunsthistorikerin Elisabeth Feilen. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos.