Auf den Spuren von Fritz Berl

Elf Tage weilte die Projektgruppe „Wendalinum wider das Vergessen“ in Israel. Die Schüler des St. Wendeler Gymnasiums besuchten die Familie des Ex-Schülers Fritz Berl und lernten das Judentum und deren Kultur in allen Facetten kennen.

Einmal standen sie mit einem mulmigen Gefühl in der Magengrube da. Vor ihnen richtete sich der fünf Meter hohe Grenzzaun an der israelisch-syrischen Grenze auf den Golan-Höhen auf. Nur etwa 60 Kilometer Luftlinie von der Wendalinum-Projektgruppe entfernt tobt in der syrischen Hauptstadt Damaskus der Bürgerkrieg. "Wir waren eigentlich weit davon weg, dennoch fühlte es sich so an, als wäre man nah dabei", beschrieb Schülerin Lea ihre Eindrücke. Gar mit den bewaffneten Grenzposten kamen die St. Wendeler Schüler ins Gespräch. Elf Tage bereiste die Projektgruppe "Wendalinum wider das Vergessen" des Gymnasiums Israel, was Sponsoren ermöglicht hatten. "Es war ein Erfolg für das Profil der Schule und eine Erweiterung der interkulturellen Kompetenz", meinte Schulleiter Heribert Ohlmann.

Emotionaler Höhepunkt

Die Schüler reisten auch ans Tote Meer.
Das Treffen mit der Familie Berl.

Im Auditorium der Hebrew Reali School in Haifa präsentierte die Schülergruppe ihre zweijährige Recherchearbeit zum Thema "Antisemitismus und Rechtsextremismus - Geschichte und Gegenwart", die mit dem Leben des ehemaligen Wendalinum-Schülers Fritz Berl eng verknüpft ist. "Das Zusammentreffen mit der Familie Berl/Gold war schon der emotionale Höhepunkt", sagte Lehrer und Projektleiter Rafael Groß. Fritz Berl, an dessen Grabstätte die Gruppe Steine ablegte, war 1938 der letzte jüdische Schüler des damaligen St. Wendeler Knabengymnasiums. Als 14-Jähriger gelang ihm die Flucht zu seinem Onkel nach Israel. "Der damalige Schulleiter Arenz hat Fritz Berl den Tipp gegeben, sofort die Schule zu verlassen", erfuhr Ohlmann im Gespräch mit dessen Frau Yecheskela. Dies, so der Schulleiter, sei eine eindeutige und wichtige Aussage für die Geschichte der Schule. "Es bestand somit seinerseits keinerlei Kontakt zu der dunklen Seite der deutschen Geschichte", so Ohlmann, der das private Treffen als "herzlich gelebte Aussöhnung" bezeichnete.

Gemeinsam mit den gastgebenden Schülern besuchten die St. Wendeler ein Kibbuz, wo sie vor Ort erste Eindrücke über die ländliche Kollektivsiedlung mit basisdemokratischen Strukturen sammeln konnten. "Es sind die vielen freundschaftlichen Gespräche mit den israelischen Schüler , die man mitnimmt", sagte Schüler Luca. Ein beklemmendes Gefühl vereinnahmte die Gruppe während einer dreistündigen Führung durch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Schülerin Aline berichtete von einer Stimmung mit imponierender Wirkung: "Das Denkmal für die ermordeten Kinder ist als unterirdischer Raum angelegt, in dem fünf Kerzen in der Dunkelheit so reflektiert werden, dass ein ganzer Sternenhimmel entsteht", schilderte Aline. In einem ultra-orthodoxen Judenviertel Jerusalems kamen sich die Schüler wie Exoten vor. "Ich glaube uns stehen deren Löckchen auch", scherzte Kim. Des Weiteren waren sie zu den biblischen Stätten nach Bethlehem, Nazareth und in die judäische Wüste Negev und ans Tote Meer unterwegs. Auf Einladung des aus Alsweiler stammenden Ex-Wendalinum-Schülers Werner Eckert machte die Projektgruppe am See Genezareth Station und lauschten einem Vortag über Wasserversorgung.

"Wir konnten von allen Facetten der Kulturen in Israel etwas kennenlernen und über das Judentum mehr erfahren", fasste Projektleiter Groß den Trip zusammen. Ganz wichtig sei, dass die Freundschaft zur Familie Berl und zu Adi Gold, dem Enkel von Fritz Berl, mit dem Besuch vertieft worden sei.

Nun ist die Projektgruppe dabei, ihre Reise dokumentarisch nachzubereiten. Aus mehr 1500 Fotos werden die eindrucksvollsten Schnappschüsse für einen Bildband ausgewählt und die besten Videosequenzen zusammengeschnitten, um daraus einen Reisebericht mit vielen Eindrücken zu gestalten.