Auf dem Weg zur Musikstadt

St. Wendel als Musikstadt beleben – diese Vision haben sowohl Bürgermeister Klär als auch Ralph Schäfer-Lösch von der Fun Music School. Die Zusammenarbeit geht auch 2016 weiter – und wird noch ausgebaut.

 FMS-Schüler sangen bei der Verabschiedung von Klaus Bouillon.
FMS-Schüler sangen bei der Verabschiedung von Klaus Bouillon.

"Ich hätte niemals gedacht, dass man mit so wenig so viel bewirken kann." Ralph Schäfer-Lösch, der Leiter der Fun Music School in St. Wendel , ist begeistert vom "Spiel mit"-Programm, das nun ins dritte Jahr startet. 25 000 Euro investiert die Stadt in die musikalische Förderung der Grundschulkinder. Das Geld fließe nicht etwa in Instrumente, sondern in Dienstleistungen. Das erklärt Schäfer-Lösch so: "Wir erzeugen Nachfrage und sorgen so dafür, dass die Kinder, die Interesse haben, ihr Instrument dann kaufen." Was nutze es, so Schäfer-Lösch, wenn Instrumente da seien - aber keiner wolle darauf spielen.

Schäfer-Lösch hofft, dass irgendwann nicht nur die Stadt das Projekt finanziert, sondern dass das Kultusministerium einsteige. Denn er sieht deutliche Erfolge. Wenn es nach ihm ginge, würden der Musikunterricht an Schulen und die Projektarbeit strukturiert aufeinander aufbauen. Bisher wird ihm das Fach Musik zu lieblos behandelt. Und zu beliebig. Das führe dazu, "dass Musik an Gymnasien das unbeliebteste Fach ist". Und mehr noch. In Grundschulen falle bis zu 70 Prozent des Musikunterrichts aus. Und das aktive Musizieren gehe zurück.

Dem werde mit "Spiel mit" entgegen gewirkt. Schäfer-Lösch geht in die Grundschulen , führt die Kinder spielerisch an die Instrumente heran. "Die Klasse blüht mit der Musik auf", sagt er. Die Nachfrage sei groß. Besonders beliebt: die Ukulele. Daher soll in jeder Grundschule der Stadt St. Wendel ein Ukulele-Kurs angeboten werden, in Bliesen sei eine ganze Ukulele-Klasse geplant. Und auch die Zahlen sprechen für sich: Von rund 170 Kindern, haben sich etwa 60 fürs "Spiel-Mit"-Programm angemeldet, 30 Jungs und Mädels haben anschließend weitergemacht. "Das sind zum großen Teil Kinder, die sonst keine Musik gemacht hätten." Das nächste Programm mit den Erstklässlern startet übrigens am 2. Mai.

Aufbauen soll nicht nur die musikalische Arbeit von Grund- auf weiterführende Schulen. Sondern auch schon vom Kindergarten an. Schäfer-Lösch war in allen Kindergärten , will dort ebenfalls Kurse anbieten. Er spricht von einer großen Bereitschaft, sich darauf einzulassen, von positiven Gesprächen und vielen Ideen. Eine davon ist ein Kinderliederbuch, das im Spätherbst herausgebracht werden soll - Vorschläge für die Liedauswahl kommen dabei aus den St. Wendeler Kindergärten . Die Mischung sei groß - klassische Kinderlieder seien genauso vertreten wie regionale oder eher poppige Lieder.

Aber nicht nur die Kinder sollen von der Musikstadt St. Wendel profitieren. Seit dem Frühjahr 2015 bringt sich die Fun Music School in die Arbeit des Flüchtlingsnetzwerkes ein und bietet für Flüchtlinge kostenlos Musikunterricht an. Derzeit nehmen zehn junge Männer, hauptsächlich Syrer, daran teil. Dieser Unterricht sei ein "Segen" für alle Beteiligten und werde daher weiter ausgebaut werden. "Man kann über die Musik so einfach Dinge bewegen, Kontakte herstellen, integrieren." Die FMS hat über den Unterricht hinaus an viele Flüchtlinge kostenfrei Instrumente verliehen (vor allem Gitarren und ethnische Instrumente), weil die Flüchtlinge ihre eigenen Instrumente in ihrer Heimat zurücklassen mussten. Dazu Schäfer-Lösch: "Wir sind alle Leihinstrumente los."

fun-musicschool.de