Andrang im Spielzimmer

Die Weihnachtsgeschenke waren ausgepackt, und dann nichts wie ab in die Halle der St. Wendeler Gemeinschaftsschule. 350 Kinder zwischen drei und 13 Jahren strömten zum Austoben in das vom Turnverein geöffnete größte Spielzimmer im Landkreis.

Da war selbst der Sportlehrer und Kindermagier Martin Mathias einst mit seiner Zauberkunst am Ende. "Kinder bewegen sich zu wenig, dafür muss was getan werden", empfahl Mathias dem St. Wendeler Turnverein (TV). Aus seiner Idee und Empfehlung ist kein fauler Zauber, sondern das größte Spielzimmer im Landkreis St. Wendel entstanden. Darin tobten nun an drei Tagen 350 Kinder. "Es spielt keine Rolle, ob die Kinder in einem Verein sind, unser Angebot richtet sich an alle Kinder", sagte der TV-Vorsitzende Harald Becker. In der Halle hatte der Verein einen Abenteuerbewegungsparcours aufgebaut. Es ging über die Wackelbrücke, die Mutigen sprangen hinab in die Todesschlucht oder kletterten angeseilt die Wand zum Mount Everest hinauf. "Da geht es sieben Meter hoch, mir macht die Höhe nichts aus", berichtete der zehnjährige Kevin. Völlig sicher bewegten sich Nele und Helena auf den schaukelnden Holzbänken und balancierten über das Haifischbecken. "Ohne große Anleitung tun die Mädels mehr für das Gleichgewichtsgefühl und die Koordination. Die Jungs jagen dafür mehr dem Ball hinterher", beobachtete TV-Organisatorin Michaela Schwan von der Tribüne. "Hallo", rief dann plötzlich Simon Weisgerber in ein Megafon, mit "hier" antwortete lautstark die prompt versammelte Kinderschar. Alle wussten gleich, dass ein Block mit Gemeinschaftsspielen anstehen würde. "Sturm" schallte es durch die Halle und alle Kids lagen in Windeseile auf dem Boden. Beim Karotten-Ziehen waren die Kinder die Karotten und die Betreuer mimten die Bauern, beim Gefängnis-Fangspiel landete der Nachwuchs hinter Schloss und Riegel. "Bei den Gemeinschaftsspielen machen die Kinder toll mit", freute sich Schwan.

Minifußballfeld war der Renner

Anschließend gab Weisgerber wieder den Parcours frei. "Die Kinder probieren zuerst alles aus und stellen dann selbst fest, was ihnen gefällt und wählen ihre Lieblingsstation aus", erklärte die Organisatorin. Arthur (7) reihte sich in die Warteschlange vor dem Trampolin ein. Im unteren Teil war freies Spielen mit Reifen und Rollbrettern angesagt. Das Minifußballfeld war ununterbrochen belegt, 16 Helfer des TV leisteten den Kindern Hilfestellung an den verschiedenen Turngeräten.

Vereinschef Becker war mit der erneut großen Resonanz des Bewegungsangebots zufrieden. "Ziel der Veranstaltung ist für uns, die Kinder zu erreichen, wenn dann hinterher noch ein Kind zu uns in den Verein kommt, ist das doppelt schön", so Becker. Nach zwölf Stunden an drei Tagen sperrte Schwan am Dienstagabend das Spielzimmer bis zum kommenden Jahr zu.

Mehr von Saarbrücker Zeitung