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Aktion "St. Wendel singt Weihnachtslieder"

Aktion in St. Wendel : Statt Schnee rieselt leise Regen auf die Sänger

300 Menschen fanden sich zu einem Chor zusammen und ließen bei „St. Wendel singt Weihnachtslieder“ bekannte Verse erklingen.

 Wie eine große Familie haben sich die St. Wendeler am Sonntag mit dem ersten Weihnachtssingen vor der Wendelinus-Basilika auf die besinnlichen Feiertage eingestimmt. Trotz Nieselregen, Wind und Kälte erklangen 300 generationsübergreifende Stimmen beim adventlichen Unplugged-Open-Air-Konzert. „Dabei sein ist alles, wir sehen was passiert“, meinte Organisator Ralph Schäfer-Lösch von der Fun-Music-School. Bei dem miesen Wetter hatte er das Kirchenschiff der Basilika nicht als Ausweichbühne gebucht. „Punkt 17 Uhr hört es doch auf zu regnen“, prognostizierte er wie ein Wetterfrosch. Damit sollte er recht behalten. Außerdem hatte sich tatsächliche Menschenschar eingefunden – und zwar in einer Größe, die der Organisator so nicht erwartet hatte.

„Hallo St. Wendel, wir singen bis die Glocken um 17.30 Uhr läuten“, teilte Schäfer dem Chor mit. Etwas leiser begann mit „Kling, Glöckchen, klingeling“ das Interpretieren von bekannten Weihnachtsmelodien. Begleitet wurden die Sänger von Ukulelen-Klängen. Eines der gitarrenähnlichen Zupfinstrumente spielte die Bliesener Popsängerin Lena Hafner. „Sie ist die Ideengeberin dieses Weihnachtssingens. Lena hat in der Fun-Music-School mal gesagt, lasst uns ein Weihnachtssingen veranstalten“, berichtete Schäfer-Lösch.

Feierlich und ehrfürchtig – zwischen erleuchtetem Tannenbaum und angestrahlter Basilika – intonierten alle „Stille Nacht, heilige Nacht“. Schäfer-Lösch fragte zwischen heftigen Windböen nach: „Könnt ihr die Liedtexte noch in den Händen halten?“ Kein Problem. Der Chor und die Instrumentalisten teilten sich in zwei Gruppen, von der jede eine Strophe des Evergreens „Alle Jahre wieder“ übernahm. „Das klingt echt gut, was ihr da macht“, lobte der Organisator.

Das Konzert verbreitete Hoffnung und vermittelte ein Gemeinschaftsgefühl. Menschen, die sich vorher noch nicht gesehen hatten, sangen voller Freude auf einer Wellenlänge. Apropos Hoffnung. „Schneeflöckchen, Weißröckchen, komm zu uns ins Tal, dann bau´n wir nen Schneemann und werfen den Ball“, intonierte der Chor optimistisch. Aber bei zehn Grad weniger auf dem Thermometer hätte das Lied „Leise rieselt der Schnee“ wohl vom Wunschdenken zur Realität werden können. Mit „O du fröhliche“ huldigte das zusammengewürfelte Ensemble der tiefgehenden Wirkung der Weihnachtszeit. „Möchte jemand noch ein Solo singen?“, wollte Schäfer-Lösch wissen. Für diesen Job meldete sich niemand, das Wir-Gefühl stand im Vordergrund.

Die flotten Songs „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ und „Fröhliche Weihnacht überall“ reihten sich fast wie ein Potpourri aneinander. Binnen der dreißigminütigen Konzertlänge präsentierten die Sänger elf Klassiker weihnachtlichen Liedgutes. „Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen“ bildete das Schlusslied, des aus dem Nichts entstandenen 300 Stimmen starken Klangkörpers. „Im nächsten Jahr werden wir noch Glühwein bekommen“, deutete Schäfer-Lösch an und blickte dabei in Richtung des St. Wendeler Bürgermeisters Peter Klär (CDU).

Weihnachtssingen erfreut sich in der gesamten Republik großer Beliebtheit, weil auch die Menschen nach Traditionen suchen. Ganze Fußballstadien sind dieser Tage mit Sängern prall gefüllt, teils mehr als mit Fans beim Kick mit dem runden Ball. Bundesligist  FC Union Berlin hat das Weihnachtssingen zu einem echten Mythos gemacht. Soweit ist man in der Kreisstadt noch nicht. Dennoch die Premiere war mehr als vielversprechend. „Gut, schön und ungezwungen, das Weihnachtssingen sollten wir zur Tradition machen“, sagte Bürgermeister Klär begeistert. Ein Plan der Stadt sei es, St. Wendel zur Musikstadt aufzubauen und das Weihnachtssingen sei ein Teil davon.

Die Sänger wurden bei den Weihnachtsliedern von Musikern begleitet. So auch vom Ukulele-Stammtisch. Foto: Frank Faber

Dieses hat für Alt und Jung etwas Berührendes, ja Märchenhaftes, es weckt Kindheitserinnerungen und fördert den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Weihnachtslieder vermögen es, die Herzen der Menschen zu verbinden und das nicht nur, weil sie quasi jeder kennt.