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AfD im Kreis St. Wendel macht Landeschef Dörr schwere Vorwürfe

Zoff in der saarländischen AfD : St. Wendeler AfD kritisiert Landesvorstand: „AfD darf keine Höcke-Partei werden“

Im Machtkampf bei der saarländischen AfD überziehen sich beide Lager gegenseitig mit Rechtsextremismus-Vorwürfen: Der Landesvorstand wirft dem Kreisverband St. Wendel die Verwendung von NS-Vokabular im Kommunalwahlkampf 2019 vor. Dieser keilt nun gegen Dörr und Co zurück.

Der AfD-Kreisverband St. Wendel geht auf Konfrontationskurs zum eigenen Landesvorstand. Der Kreisvorsitzende Edgar Huber wirft AfD-Landeschef Josef Dörr in einer Pressemitteilung vor, sich nicht genügend von Rechtsextremisten abzugrenzen.

Dörr habe in der Vergangenheit Kontakte zu NPD-Mitgliedern gehabt und an der Seite von Pegida-Gründer Lutz Bachmann an einem Trauermarsch teilgenommen. Dies sei ein „unwürdiges Schauspiel“ gewesen, findet Huber. Er kritisierte auch, dass Dörr mit Andreas Kalbitz einen Vertreter der innerparteilichen Gruppierung „Flügel“ ins Saarland eingeladen hat (die Veranstaltung am Montag wurde inzwischen abgesagt). „Für uns darf die AfD keine Höcke-Partei werden“, erklärt Huber.

Anlass für Hubers Kritik ist das Bekanntwerden eines Geheimberichts des AfD-Landesvorstandes an den Bundesvorstand. Darin beklagt sich die Landesparteispitze unter anderem darüber, dass die AfD St. Wendel im Kommunalwahlkampf 2019 mit einem Slogan („Raus aus der Knechtschaft“) warb, der aus Sicht des Landesvorstandes an die Sprache der NSDAP erinnert. Das Flugblatt sei von der Landespartei nicht freigegeben, aber dennoch gedruckt und veröffentlicht worden, so der Vorwurf (die SZ berichtete).

Foto: Volker Fuchs

Der AfD-Kreisvorstand sprach nun von „diffamierenden Ausführungen“ des AfD-Landesvorstandes. Die Überschrift des Flyers „Das Maß ist voll – Raus aus der Knechtschaft“ sei eine Hommage an Friedrich August von Hayek und sein Buch „Der Weg zur Knechtschaft“ gewesen. „Der Kreisvorsitzende Edgar Huber hätte es sich damals niemals träumen lassen, dass man diese offenkundige Referenz an den Hüter des Freiheitsgedankens und eines seiner Hauptwerke im Kampf gegen den Faschismus, Sozialismus und Nationalsozialismus missverstehen konnte“, erklärte die AfD St. Wendel. Man habe sich jedoch achselzuckend eingestehen müssen, „dass dieses epochale Werk nicht den Weg zu Josef Dörr nach Quierschied gefunden hatte.“