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Äpfel sind im Kreis echte Mangelware

Äpfel sind im Kreis echte Mangelware

St. Wendel. "Die Kelterei bleibt in diesem Jahr geschlossen" - diese Meldung hat die Redaktion in St. Wendel in den vergangenen Tagen von mehreren Obst- und Gartenbauvereinen (OGV) in der Region erreicht. Grund ist die schlechte Apfelernte in diesem Jahr

St. Wendel. "Die Kelterei bleibt in diesem Jahr geschlossen" - diese Meldung hat die Redaktion in St. Wendel in den vergangenen Tagen von mehreren Obst- und Gartenbauvereinen (OGV) in der Region erreicht. Grund ist die schlechte Apfelernte in diesem Jahr. "Bei uns in der Region ist nichts drauf auf den Bäumen", sagt Willi Gregorius, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Oberlinxweiler.Doch woran liegt das? Das sei eine schwierige Frage, sagt Michael Keller, Fachmann für Obst- und Gartenbau beim Landkreis St. Wendel. Es gebe immer mal wieder solch schlechte Jahre. "Es sieht so aus, dass der südwestliche Bereich Deutschlands teilweise von Spätfrost erwischt worden ist", so Keller. In der Blütezeit seien die Temperaturen über drei Wochen so stark gesunken, dass keine Bienen geflogen sind. Im Saarland seien besonders die Regionen um St. Wendel, Neunkirchen und Homburg von der schlechten Apfelernte betroffen. Richtung Merzig sehe es schon wieder besser aus.

2011 war ein gutes Apfeljahr

Enttäuschung über die schlechte Ernte herrscht in Grügelborn. "Der Verein dort hat eine neue Kelteranlage und würde sie gerne ausprobieren", weiß Keller. Er hofft, dass die verschiedenen Obst- und Gartenbauvereine in der Region und die Leute, die Äpfel ernten konnten, zusammenrücken und Sammeltermine fürs Keltern gefunden werden können (siehe Infobox).

"Der Aufwand, die Kelterei für nur eine Presse anzuwerfen, ist viel zu groß", weiß Willi Gregorius aus Erfahrung. Denn die Anlage müsse vor und nach der Presse gereinigt werden. Deshalb hat der OGV Oberlinxweiler in Absprache mit den Mitgliedern beschlossen, in diesem Jahr die Kelterei nicht zu öffnen. Beim Obst- und Gartenbauverein Bliesen ist man bereit, die Kelterei anzuwerfen, aber nur wenn die Menge stimmt. "Wir versuchen, die Obstanlieferung zu koordinieren. Sechs bis zehn Pressen muss man an einem Tag zusammenkriegen, damit es sich lohnt", sagt der Vorsitzende des Vereins, Edwin Kunrath.

Während in diesem Jahr die Bäume keine Äpfel tragen, sah das im vergangenen Jahr noch ganz anders aus. "Da hingen die Bäume voll wie mit Schaufeln beworfen", erinnert sich Willi Gregorius. Damals hat man allein in Oberlinxweiler aus 400 Zentnern Äpfel 12 000 Liter Apfelsaft gepresst. An dieses sensationell gute Jahr denkt auch Edwin Kunrath gerne zurück. Ein Normalwert in seinem Verein seien zwischen 70 und 100 Pressen. "Das ist für uns dann ein gutes Jahr." Trotz der extremen Unterschiede zwischen der Ernte 2011 und 2012 bleiben die Obst- und Gartenbauer gelassen. "Ärger über so ein schlechtes Jahr gibt es nicht", sagt Gregorius. "Die Natur ist nicht zu beeinflussen."

Werner Klesen, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Hasborn-Dautweiler, sieht eine gewisse Regelmäßigkeit von guten und schlechten Erntejahren. "Alle sieben, acht Jahre haben wir ein super Jahr", sagt er. Und nach einer guten Ernte wie im vergangenen Jahr müsse sich die Natur auch regenerieren. "Die unterschiedliche Ernte liegt an den Bäumen selbst, die brauchen auch mal Ruhe."

Und so blickt Willi Gregorius bereits in die Zukunft: "Wir nehmen die schlechte Ernte gelassen hin. Wenn die Mitglieder wieder Äpfel haben, dann keltern wir auch wieder." "Die Natur ist nicht zu beeinflussen"

Willi Gregorius, Vorsitzender OGV Oberlinxweiler

AUF EINEN BLICK

50 aktive Obst- und Gartenbauvereine (OGV) gibt es im Kreis St. Wendel. Davon haben 34 eine eigene Kelterei. Durch die geringe Apfelernte haben die Obst- und Gartenbauvereine in Oberlinxweiler, Leitersweiler, Roschberg, Winterbach und Oberkirchen beschlossen, ihre Kelteranlage in diesem Jahr nicht in Betrieb zu nehmen. Eröffnet hat die Keltersaison hingegen der OGV Niederlinxweiler. Hier erfolgt die Terminabsprache mit Horst-Dieter Kilgus, Tel. (0 68 51) 74 28. Auch beim OGV Bliesen wird gekeltert, wenn genügend Obst zusammenkommt. Interessierte können sich bis zum 6. Oktober melden, Tel. (0 68 54) 62 14 und Tel. (0 68 54) 5 69. Der OGV Grügelborn möchte seine neue Anlage testen und bei entsprechender Nachfrage keltern. Personen mit einer Mindestmenge von fünf Zentnern Obst, verpackt in 25-Kilo-Säcken, können sich mit dem Keltermeister Vinzenz Schaadt zur Terminabsprache in Verbindung setzen, Tel. (0 68 57) 51 54. evy