Wallfahrt: Adenauer und die Tholeyer Sängerknaben

Wallfahrt : Adenauer und die Tholeyer Sängerknaben

Von Frank Faber

Vor 50 Jahren starb Konrad Adenauer (1876 bis 1967), der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Am Mittwoch gastierte sein Enkel Konrad (72) als Festredner während der Wendelinus-Wallfahrtswoche in der Basilika. Nur 70 Zuhörer interessierten sich für seinen Vortrag „Bundeskanzler Adenauer und die Religion“. Eine Stunde vor seinem Auftritt hatte Konrad Adenauer seine Unterlagen auf dem Pflaster vor dem St. Wendeler Rathaus abgelegt, um noch ein Erinnerungsfoto von der Basilika zu schießen, kurz darauf läuteten die Glocken. Dass der „dicke Pitter“ (Petrusglocke) für den Kölner Dom geschafft werden konnte, daran war der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer in den frühen 1920er-Jahren maßgeblich beteiligt. Zuvor war er Messdiener, hatte ein katholisches Gymnasium besucht und ist Mitglied im katholischen Studentenverein Saxonia gewesen. „Er hat diese Verbindung gehalten, was ihm später Türen öffnete, wodurch er aus einfachem Hause kommend später in Köln in bestimmte Kreise reinschauen konnte“, berichtete Adenauer über seinen Opa.

Die Lektüren des Schweizer Staatsrechtlers und Laientheologen Carl Hilty (1883 bis 1909) und dessen Lektüren hätte ihn über den Tod eines Freundes hinweggeholfen. Die Nationalsozialisten (NS) setzten Adenauer 1933 als Oberbürgermeister von Köln ab, sodass er ins Kloster Maria Laach ausweichen musste. „Wenn er nicht so gläubig gewesen wäre, hätte er sich wohl das Leben genommen“, meinte sein Enkel. Dem Widerstand gegen das NS-Regime habe er sich nicht angeschlossen. Ein gutes Verhältnis habe sein Großvater mit dem späteren Kardinal Josef Frings (1887 bis 1978) gepflegt. Ohne dessen Pfarrei anzugehören, besuchte er in seiner Oberbürgermeisterzeit mit der Familie den Sonntagsgottesdienst beim damaligen Pfarrer Frings. Den warb er später für den Eintritt in die CDU an, was allerdings der Papst in Rom untersagte. „Einen Bischofsring hätte er nie geküsst, so etwas lag ihm nicht“, erklärte der 72-jährige Enkel Adenauers.

1962 habe sein Großvater als Bundeskanzler gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle einen Gottesdienst in der Kathedrale von Rennes besucht. „Es war in Frankreich nicht üblich, dass ein Staatspräsident in Frankreich wegen der Trennung von Kirche und Staat eine Messe besucht“, meinte Adenauer. In Rennes habe der Bundeskanzler auch schon 1950 gebetet und machte sich von dort nach Moskau auf, um die letzten deutschen Kriegsgefangenen zu befreien. Religiöse Bilder habe sein Opa gesammelt, die Weihnachtsansprache gehalten.

Durch seine Zeit im Kloster Maria Laach war Adenauer auch mit dem Tholeyer Pater Maurus Sabel (1912 bis 2012) befreundet, der 1952 den Chor der Tholeyer Sängerknaben gegründet hat. Auf einer Rheinlandfahrt besuchte der Chor den Bundeskanzler. „Ich freue mich über alle, die Menschen zu Gott führen“, sagte er im Sommer 1963, während er den US-amerikanischen Baptistenpastor und Erweckungsprediger Billy Graham, der dem Evangelikalismus zuzurechnen war, zur Tür begleitete. „Wissen sie, als Katholik muss man nicht so sicher sein; da genügt es, wenn man den aufrichtigen Wunsch hat, glauben zu können. Glaube ist eine Gnade, die man nicht erzwingen kann“, soll Adenauer ergänzt haben. 50 Minuten fasste der Jurist aus dem Leben des Opas zusammen. „Allzu viel handgeschriebene Aufzeichnungen darüber gibt es nicht“, so Adenauer. Er ist Vorstandsmitglied der öffentlich-rechtlichen Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus in Bad Honnef-Rhöndorf, die sich um das Haus und den Nachlass seines Großvaters kümmert.