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Abendandacht zum Neuen Jahr evangelische Stadtkirche St. Wendel

Neujahrsandacht in St. Wendel : „Wer nicht glaubt, wird nie Vertrauen haben“

Bei der Abendandacht zum neuen Jahr in der evangelische Stadtkirche St. Wendel predigte Landrat Recktenwald zur Jahreslosung 2020.

Seit dem Jahre 1996 übernehmen bei der Abendandacht zum neuen Jahr Politiker die Rolle des Predigers in der St. Wendeler evangelischen Stadtkirche. Landrat Udo Recktenwald (CDU) ließ die Kirchgänger an seinen Gedanken zur Jahreslosung 2020 „Ich glaube; hilf meinem Unglauben“ teilhaben. „Glaube ist kein Widerspruch, Glaube ist Vertrauen“, meinte Recktenwald. Es benötige dazu eine positive Einstellung, sich auf etwas einzulassen, auch wenn Zweifel bleiben würden. „Beten heißt mit Gott sprechen. Wer glaubt, ist mit Gott verbunden. Beten bedeutet Hoffnung, Zuversicht und Vertrauen. Wer nicht glaubt, wird nie Vertrauen haben“, stellte er fest. Wer den Unglauben überwinde, den unreinen Geist austreibe, für den sei das Glas halb voll, nicht halb leer.

„Jeder Mensch ist einzigartig. Gleichzeitig braucht er die Gemeinschaft, das Kollektiv. Das Gemeinsame“, fand der Landrat. Selbstliebe und Nächstenliebe, führte er weiter aus, seien zwei Seiten der gleichen Medaille, keine Gegensätze, sie würden sich bedingen, so sage es auch die Bibel. „Ich helfe Dir und Du hilfst jemand anderem oder jemand anders hilft mir. So kann eine Solidargemeinschaft entstehen, in der alle voneinander profitieren“, appellierte Recktenwald an die Zuhörer im gut besetzten Kirchenraum. Und wer nicht glaube, werde nie Vertrauen in sich und in andere Menschen haben. „Meine Rechte und Freiheiten enden aber dort, wo die Rechte und Freiheiten anderer Menschen beginnen“, nahm er sich selbst in die Pflicht und forderte Chancengleichheit für alle Menschen.

Unsere Zeit sei geprägt von Globalisierung, Digitalisierung, Demografie und Individualisierung. „Je globaler und unübersichtlicher die Welt wird, desto mehr ziehen sich Menschen auf sich selbst zurück und wenden sich gegen andere. Nationalistisches und rassistisches Denken nimmt wieder zu, obwohl wir gehofft hatten, die Lehren aus dem dunklen Kapitel unserer Geschichte gezogen zu haben“, mahnte der Landrat. Auch die Bewahrung unserer Schöpfung sei mit der aktuellen Klimaschutzdiskussion wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt. „Der hysterische Greta-Krieg verseucht das Klima der Generationen. Auch hier gilt: Nicht nur an das glauben und auf das vertrauen, was man selbst für richtig hält, sondern auch auf andere vertrauen – auf ihre Erfahrungen, ihr Wissen“, plädierte der 57-Jährige für Miteinander statt gegeneinander. Dies geschehe im St. Wendeler Land. „Wir vertrauen auf uns und nehmen die Menschen mit, binden sie ein, vermitteln Identität und Wir-Gefühl. Wir glauben an das Engagement der Menschen, an ihren guten Willen, ihre Bereitschaft, sich einzubringen“, sagte der Landrat.

Denn eigentlich könne eine kleine ländliche Region wie das St. Wendeler Land doch gar nicht erfolgreich sein im Wettstreit der Regionen. „Ist sie aber. Obwohl wir der einwohnerkleinste und ehemals strukturschwächste Landkreis im Saarland sind, haben wir seit langer Zeit eine erfolgreiche Entwicklung“, erklärte er. Dafür seien ein funktionierende soziale Gemeinschaft, eine gesunde mittelständische Wirtschaftsstruktur, politische Stabilität auch in unruhigen Zeiten und nicht zuletzt der Mut, Zukunftsfelder zu erschließen, verantwortlich. „Wir glauben an uns. Wir vertrauen der Gemeinschaft. Die funktionierende, soziale Gemeinschaft und die Bereitschaft, sich für das Gemeinwohl auch ehrenamtlich zu engagieren, ist die Grundlage unseres Erfolgs“, so Recktenwald.

Die Menschheit habe es selbst in der Hand. „Mit dem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und dem Vertrauen in die Fähigkeiten der anderen, diese Welt zu einem friedlichen, sozialen, verantwortungsvollen und fortschrittlichen Ort des Zusammenlebens zu machen. Ich glaube. Hilf meinem Unglauben. Lassen wir uns davon anstecken. Lassen wir uns helfen. Glauben und vertrauen wir in uns und unsere starke Gemeinschaft im St. Wendeler Land“, forderte er auf. Vertreiben wir unseren unreinen Geist, damit die Gesellschaft wenigstens ein klein wenig besser werde.