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30 Jahre Heimat- und Kulturverein

30 Jahre Heimat- und Kulturverein

Sie arrangierten ein Treffen ehemaliger Kriegsgegner, veröffentlichen Chroniken und sichern historische Fotos: Die Mitglieder des Heimat- und Kulturvereins Ostertal haben allen Grund, ihr Jubiläum gebührend zu feiern.

21 Männer und Frauen trafen sich am 6. Juli 1985 im Gasthaus Weyrich in Marth und gründeten einen Verein, dem sie den Namen Heimat- und Kulturverein Ostertal gaben. Sein Wirkungsbereich sollte die Ortschaften Bubach, Hoof, Marth, Niederkirchen , Osterbrücken, Saal und Selchenbach umfassen. Mittlerweile ist dieser Verein 30 Jahre alt und hat 86 Mitglieder; eine Unterkunft hat er im Jahr 1998 in Niederkirchen im Haus "Ammejobs" gefunden. Gefeiert wird das 30-jährige Bestehen am 26. September in Niederkirchen .

Ein Schwerpunkt der Arbeit des Vereins liegt im historischen Bereich. Drei Bände der "Chronik des mittleren Ostertals" sind bereits erschienen und reichen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Voraussichtlich 2017 erscheint der vierte Band, der sich mit der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reichs beschäftigt. Einen Sonderband hat der Verein vorgezogen, in dem Ostertaler Männer und Frauen über ihre Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg und in der Gefangenschaft berichten. Ein Anliegen des Vereins ist es, alte Fotografien , die sich in Privatbesitz befinden, zu sichern. So sammelten Mitglieder in allen Orten Fotos ein, reproduzierten sie und zeigten sie in Ausstellungen.

Ein Höhepunkt der Vereinstätigkeit war das "Versöhnungstreffen" ehemaliger Kriegsgegner im Jahr 1996 auf dem Buberg. Im Kriegsjahr 1944 war ein US-Bomber auf dem Buberg notgelandet. Der Verein konnte die beteiligten Flieger ermitteln und lud die noch Lebenden - zwei Amerikaner, ein Deutscher - ins Ostertal ein. Das Treffen der einstigen Kriegsgegner erweckte in der Öffentlichkeit großes Interesse, selbst in Amerika wurde darüber berichtet. Von Anfang an pflegte der Verein eine Freundschaft mit Nachkommen von Ostertälern, die im Jahr 1724 nach Ungarn ausgewandert waren. Nach ihrer Ausweisung im Jahr 1946 kehrten die Nachfahren nach Westdeutschland zurück, wo einige von ihnen in den 1980-er Jahren Kontakt mit den Menschen im Ostertal aufnahmen. Seitdem findet ein reger Austausch statt.

Zwei Arbeitskreise haben sich im Heimatverein herausgebildet: der eine arbeitet Familiengeschichten des mittleren Ostertals auf, um einmal eine Familienchronik herauszugeben; der zweite befasst sich mit historischen Grenzsteinen. Letzterer hat über drei Jahre hinweg an mehreren Grenzabschnitten des mittleren Ostertals rund zwei Drittel der früheren herrschaftlichen Grenzsteine aufgespürt und dokumentiert. Die Ergebnisse sind in ein Buch eingearbeitet, das der Landesverband der historisch-kulturellen Vereine des Saarlandes in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt jüngst herausgegeben hat. Ebenfalls über Jahre hinweg hat der Heimatverein nach den Überresten einer Villa rustica am "Heidenbösch" bei Bubach geforscht. Die Ergebnisse mehrerer geophysikalischer Prospektionen bestätigten Fundamente eines römischen Gutshofes. Laut Universität Saarbrücken handelt es sich um eine Villa rustica des Baustils "Bollendorf". Ein Modell der Villa stellte der Verein der Grundschule Niederkirchen zur Verfügung.

Zusammen mit dem Bund Naturschutz Ostertal hat der Heimat- und Kulturverein Ostertal im Herbst 2011 auf der höchsten Stelle des Bubergs eine Aussichts- und Orientierungskanzel aus Holz errichtet. Anlässlich des "Tages des offenen Denkmals" am Sonntag, 13. September, zeigt der Verein Besuchern das historische Grenzstein-Ensemble oberhalb des Wendelinushofs bei St. Wendel mit seinen Grenzsteinen von 1600, 1710 und 1921.

Das 30-jährige Bestehen feiert der Heimatverein am Samstag, 26. September, im Kulturzentrum Niederkirchen . Das Programm gestalten zwei Mainzer Künstler. Der Eintritt ist frei.