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2014 Schritte zwischen vier Sternen

2014 Schritte zwischen vier Sternen

Genau 2014 Schritte sollen es sein. Vom ersten bis zum vierten Stern. Oder anders gesagt: Einen Kilometer lang ist die Fanmeile, die der SV "Blies" Bliesen gestern eingerichtet hat. Ursprünglich geplant war für gestern eine Fanmeile ähnlich wie bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

 Die Station „Zweiter Stern“: Kinder der Grundschule Bliesen zeigen einen WM-Tanz zum Titelgewinn 1974, den sie für die „Ehrenrunde“ einstudiert haben.
Die Station „Zweiter Stern“: Kinder der Grundschule Bliesen zeigen einen WM-Tanz zum Titelgewinn 1974, den sie für die „Ehrenrunde“ einstudiert haben.
2014 Schritte zwischen vier Sternen
 Kettensägen-Künstler Andrej Löchel schnitzt einen WM-Pokal.
Kettensägen-Künstler Andrej Löchel schnitzt einen WM-Pokal.
2014 Schritte zwischen vier Sternen

Doch dafür reichten die Helfer und die Zeit nicht aus. Fünf Wochen blieben dem Sportverein lediglich zur Organisation ihrer "Ehrenrunde". Diese hatten sie beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gewonnen - als einer von 63 Vereinen.

"Natürlich musste ich mich auch um das Tagesgeschäft kümmern, aber in den vergangenen fünf Wochen ging es fast nur um die ,Ehrenrunde'", erzählt der SV-Vorsitzende Jörg Backes. Etwa 160 Helfer, auch aus anderen Vereinen, sind im Einsatz. Vier Aktionszonen galt es zu bestücken und zu besetzen - für jeden deutschen WM-Titel, also jeden Stern, eine. Das ergab 211 Schichten, wie Backes erzählt.

Vor dem offiziellen Teil in der 1954er Aktionszone herrscht reges Treiben auf dem Sportplatz. Jugendkicker und Betreuer tummeln sich auf dem Spielfeld. Im Umfeld bestaunen Besucher den Bus. Er ähnelt dem, mit dem die Nationalmannschaft um Fritz Walter 1954 durch die Schweiz kutschiert ist, sehr. Von einem Plakat lächelt der "Denker und Lenker" Sepp Herberger . Dazu gibt es Musik aus dieser Zeit.

"Das letzte Mal war ich hier auf dem Sportplatz mit 17", schwelgt Stefan Hans vom DFB-Bundesvorstand in Erinnerungen. Er ist gebürtiger Bliesener, schwört aber, dass er mit der Vergabe der "Ehrenrunde" an seinen Heimatort nichts zu tun hat: "Die Plätze wurden nach Leistung vergeben, und Bliesen hat einfach eine tolle Bewerbung abgegeben."

Eine Million Euro gebe der DFB dafür aus, dass der 2014 in Brasilien gewonnene WM-Pokal zu den Fans kommt, erklärt Hans. Die Resonanz sei überwältigend gewesen. Nur eine Institution sei gar nicht begeistert gewesen: der Weltverband Fifa. "Aber wir haben uns durchgesetzt", sagt Hans.

Franz-Josef Schumann, der Präsident des Saarländischen Fußball-Verbandes, hält die Aktion für eine "ganz tolle Idee". Und ein Zeichen dafür, dass die Nationalmannschaft nur solche Erfolge wie 2014 feiern kann, "wenn es an der Basis stimmt".

Der zweite Stern ist Thema rund um die Grundschule. "Hier fing mit dem Fußball-Spielen alles an", sagt der ehemalige Nationaltorhüter Bernd Franke, der aus Bliesen stammt und nur wegen der Aufstiegsrunde mit Eintracht Braunschweig nicht an der WM 1974 teilnehmen konnte. Er ist zwar auf dem Platten-Cover mit Udo Jürgens zu sehen - aber auf den Bildern, die in der Schule aufgehängt sind, nicht. Grundschüler haben einen Fußball-Tanz einstudiert. Am Kicker-Tisch spielen Besucher das Endspiel Deutschland gegen die Niederlande nach - Deutschland siegt hochüberlegen.

An das schöne Leben in Italien erinnert, vor allem kulinarisch, die Aktionsfläche zum dritten Stern rund um die Kirche. Prosecco , Espresso und italienische Küche vermitteln ein Gefühl von der WM 1990.

Während am Nachmittag nur mäßig Betrieb an den Aktionsflächen eins bis drei herrscht, steht der Titelgewinn von 2014 im Blickpunkt. Denn symbolisch für den vierten Stern macht der 14 Meter lange, schwarze Truck des DFB dort Station. 2014 Menschen haben die Möglichkeit, sich in jeweils fünf Minuten das Innenleben und damit auch den WM-Pokal in einer Vitrine anzuschauen. Den Original-Fifa-Pokal bekamen die Weltmeister in Rio de Janeiro überreicht, erklärt Hans. Dann wurde dieser wieder sicher verschlossen. Eine Kopie habe die Nationalelf aber mit nach Hause nehmen können. Und diese wird in dem Truck gezeigt - nach einer kurzen Audio-Show, die die wichtigsten Momente des Endspiels gegen Argentinien noch einmal in Erinnerung rufen. Schnell können Besucher ein Foto machen lassen, das sie mit Hilfe eines Codes im Internet herunterladen können. Eigene Fotos machen - das ist nicht erlaubt.

Jörg Lamnek aus Bosen war denn auch etwas enttäusch nach seinem Besuch im Truck: "Da wurde mehr Tam-Tam gemacht als tatsächlich dahinter steckt. Ich habe mehr erwartet." Anders sieht es Anja Loch aus Oberthal: "Das war doch recht gut gemacht, da wurde man noch einmal in WM-Stimmung versetzt."