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Sänger Michael Fitz spielte in St. Wendel im Kurhaus Harschberg

Musik im Kurhaus : Bayerische Mundartklänge in St. Wendel

Der ehemalige Münchner Tatort-Star Michael Fitz gastierte mit seinem Solo-Musikprogramm im Kurhaus Harschberg.

Ein Sänger, vier Gitarren: Poet und Liedermacher Michael Fitz präsentierte ein Solo-Konzert vollgestopft mit tiefgründigen Liedern zwischen Witz und Melancholie im St. Wendeler Kurhaus Harschberg. „Sie haben sich für eine exotische Freitagabendunterhaltung entschieden, denn sie gehen zu einem Menschen, der sie mehr als zwei Stunden in einer Fremdsprache unterhält“, beugt Fitz vor. Auch das Kurhaus habe er sich schon anders vorgestellt, meinte er beim charmanten Anfreunden mit den mehr als 100 Konzertbesuchern.

Der ehemalige Tatort-Star spielt eigene Lieder in bayerischer Mundart, die es ihm erlaubt, authentisch zu sein. In seinen Liedern geht es immer um Erlebtes und Gefühltes. Seine Poesie nimmt die Zuhörer mit in seine Welt der Nachdenklichkeit und der poetischen Geistesblitze. In dem Song „Da Bsuach“ erzählt er von einem fiktiven Besucher, den er zu sich einlädt. Bei ihm entschuldigt er sich, dass es bei ihm „so ausschaut wie auf einer Baustelle“. Dem Publikum gewährt er noch einen musikalischen Blick über den Zaun. „Ich warte hinterm Zaun auf dich und du hinter deinem“, heißt der Refrain dieses stimmungsvollen Stückes, in dem er über Beziehungskrisen philosophiert.

Es sind die kleinen, scheinbar unwichtigen Dinge des Lebens, die der 61-Jährige in seiner Musik transportiert. Viele Menschen seien in der heutigen Zeit nur mit der eigenen Selbstoptimierung beschäftigt, sagt Fitz. „Was bin ich eigentlich? Leb ich nur auf Verdacht?“, fragt er sich deswegen in einem Song. Der bayerische Musiker singt von alltäglichen Gefühlslagen, Problemen, Einsamkeit und Selbstzweifeln. Belebend ist der Hauch von Selbstironie, die er in manchen Liedern versteckt und die eingängigen Melodien, die er in seine Kompositionen verpackt.

Zwischendurch erzählt der Liedermacher, dass er schon als Fünfjähriger mit seinem Vater zu Veranstaltungen mitgegangen sei, der in den 1950er-Jahren Schlager gesungen habe. „Ich bin einfach der, der ich bin, das ist wie ein betreutes Leben“, sagt Fitz über sich selbst. Seine Texte rutschen nie ins Kitschige ab und bedienen keine Klischees. Zwar fühle er sich oft wie in einem „Schleidarsitz“, wie der Titel eines seiner Lieder lautet. Aber: „Ich komme nicht weiter und du kommst nicht weg. Weil ich bloß ein dummer Hund bin und drehe mich auf der Stelle“. Seine Texte sind erlebt, das lässt er sein Publikum spüren.

Fitz nimmt kein Blatt vor den Mund, er gibt keine Antworten auf die drängenden Probleme des Lebens und unserer unruhigen Zeit, doch er stellt eindringliche Fragen. Lösungen liefert er nicht, er will es gar nicht besser wissen. Als Zugabe gewährt der Münchener einen Blick „hinter meine Stirn: Ich kann nicht schlafen und alles dreht sich in meinem Hirn. Lauter kleine dicke Hausverwalter streiten in meinem Hirn. Und jeder meint, er kennt sich aus hinter meiner Stirn“. Fröhliche Klänge hat Fitz beim Tour-Programm „Jetzt auf gestern“ nicht angestimmt. Und trotzdem ist der Künstler beileibe kein Kind von Traurigkeit.