Premiere mit Problemen

Bous. Die Tribünen in der Bouser Südwesthalle sind gut besucht, und auf dem Parkett herrscht ebenfalls reges Treiben. In diesem Jahr wurden die Karate-Landesmeisterschaften der Jugend, der Leistungs- und Masterklasse erstmals zusammen veranstaltet. Und so kämpfen auf den drei Matten insgesamt 108 Athleten in verschiedenen Alters- und Gewichtsklassen. Und in verschiedenen Disziplinen

Bous. Die Tribünen in der Bouser Südwesthalle sind gut besucht, und auf dem Parkett herrscht ebenfalls reges Treiben. In diesem Jahr wurden die Karate-Landesmeisterschaften der Jugend, der Leistungs- und Masterklasse erstmals zusammen veranstaltet. Und so kämpfen auf den drei Matten insgesamt 108 Athleten in verschiedenen Alters- und Gewichtsklassen. Und in verschiedenen Disziplinen.Da ist zum einen die Kata, ein choreographierter Kampf gegen imaginäre Gegner. Zum anderen das Kumite, der tatsächliche Kampf mit einem Kontrahenten. Für die Zuschauer ist das sicherlich die interessantere Variante. "Es geht aber keineswegs darum, den Gegner zu verletzen. Die Schläge und Tritte müssen kurz vor dem Körper abgebremst werden. Ist das nicht der Fall, gibt es vom Kampfgericht Verwarnungen", erklärt Steven Poggel, Pressereferent beim saarländischen Karateverband und seit 17 Jahren selbst in der Sportart aktiv. Das erfordert selbstredend ein hohes Maß an Körperbeherrschung der Karateka. Ab und an kommt es aber dennoch mal zum harten Körperkontakt. So etwa im Erstrundenkampf des Bousers Maurizio Micciché, dem deutschen Vizemeister und Favorit in der Leistungsklasse bis 67 Kilo. 3:0 liegt Micciché in Führung, als sein Schlag den Gegner mitten im Gesicht trifft. Lange beraten die Kampfrichter über das Ausmaß der Verwarnung. Am Ende sprechen sie nur zwei Strafpunkte aus. "Ich war im ersten Kampf wohl noch nicht richtig wach", verrät Micciché. Anschließend ist er auf dem Weg zum Titel jedoch nicht mehr aufzuhalten: Im Finale bezwingt er den Köllerbacher Lukas Seimetz vorzeitig mit 9:1.

Doch Miccichés Missgeschick bleibt nicht das einzige, vor allem am Ende nehmen sie zu. "Die vielen Wettbewerbe haben dazu geführt, dass manche Entscheidungen bis zu drei Stunden nach hinten gerückt sind. Dadurch ließ sowohl bei Kampfrichtern, als auch bei den Athleten teilweise die Konzentration nach. Ich habe noch nie so viele Verletzungen bei Saarlandmeisterschaften erlebt", kritisiert Poggel.

Er selbst setzt sich in der All-Kategorie aller Gewichtsklassen am Ende durch und holt den Titel. Dabei glückte dem Karateka des TV St. Wendel im Halbfinale die Revanche gegen Sascha Meier. In der Klasse bis 75 Kilo hatte er zuvor noch gegen den Saar-05-Kämpfer verloren. "Es ist im Karate nicht anders, als in anderen Sportarten. Mal gewinnt man, mal verliert man", sagt Poggel und erklärt: "Unser Landestrainer Manfred Engel sagt immer: Im Karate kommt es zu je 30 Prozent auf Technik, Taktik sowie Kondition an, die restlichen zehn Prozent sind Glück."

Und das hat auch Tobias Melzer. Der Köllerbacher sichert sich gleich zwei Meistertitel in der Leistungsklasse. Im Kata gewann er vor Bastian Gleiche vom SKA Saarpfalz, das Kumite bis 75 Kilo entschied er im Finale gegen Sascha Meier für sich. Doch auch viele junge Karateka sind auf einem guten Weg. Der 16-jährige Niklas Quint kann dabei sogar schon auf große internationale Erfolge zurückblicken. Bei der Jugend-EM der U16 erreichte der Karateka des SV Saar 05 im vergangenen Jahr Platz fünf, am Samstag bezwang er in einem spannenden U18-Finale über 68 Kilo den Saarwellinger Bundeskaderkollegen Daniel Saar. Für die Zukunft hat er große Ziele: "Ich habe mit vier Jahren mit Karate angefangen und trainiere sehr viel. Mein Ziel ist es, deutscher Meister zu werden und bei der WM an den Start zu gehen." (siehe Zahlen)