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Polizei kontrolliert am 1. Mai verschärft am Bostalsee

Kostenpflichtiger Inhalt: Verschärfte Kontrollen auch am Bostalsee : Polizei gerüstet für Sondereinsatz am Maifeiertag

Jahr für Jahr stellt der 1. Mai die Einsatzkräfte im Landkreis St. Wendel vor Herausforderungen. Vor allem am Bostalsee versammeln sich dann oft Tausende zum Feiern. In Zeiten von Corona ist das jedoch verboten.

Bollerwagen, Bier und Bostalsee – ein 1. Mai ohne die drei B ist für viele Menschen im St. Wendeler Land unvorstellbar. Jahr für Jahr machen sich Tausende Feierwütige auf die Socken. Mit ihren Karren im Schlepptau starten sie zur Tour und lassen es sich für ein paar Stunden richtig gut gehen. 7000 Wanderer haben beispielsweise vor zwölf Monaten die Reise zum See angetreten. Hinzu kamen Ausflügler, die es mit ihren Drahteseln, Motorrädern oder Autos an das Gewässer in der Gemeinde Nohfelden verschlagen hatte. Bis zu 12 000 Menschen versammelten sich in der Spitze gleichzeitig auf dem Rundweg, in den Strandbädern und Biergärten. Solche Szenen wird es dieses Jahr nicht geben.

Zwar hat der Verfassungsgerichtshof des Saarlandes am Dienstag entschieden, dass die Ausgangsbeschränkungen sofort gelockert werden müssen – und somit das Verweilen im Freien wieder erlaubt ist. Aber: „Nur unter Wahrung der Abstandsregeln“, wie Andreas Riemenschneider, Leiter der Polizeiinspektion Nordsaarland, betont. Außerdem seien Ansammlungen im öffentlichen Raum weiterhin verboten. „Wir werden überwachen, ob sich die Menschen an die Rechtsverordnung zur Bekämpfung der Pandemie halten“, kündigt Riemenschneider an. Am 1. Mai sei dazu ein Sondereinsatz geplant – und zwar im gesamten Bundesland. Daran beteiligt seien die Verkehrspolizei, die Operative Einheit, die Bereitschaftspolizei sowie alle Dienststellen. „Wir werden vor allem den Bostalsee im Visier haben. Er ist unser Hotspot Nummer eins“, sagt der Polizeichef. Aber auch den Peterberg, die Talsperre, den Keltenpark sowie beliebte Waldparkplätze habe man im Blick.

Da in den vergangenen Jahren immer mehr Maitouren-Teilnehmer mit der Bahn angereist sind, ist bei dem Sondereinsatz auch die Bundespolizei mit im Boot. „Sie wird in den Zügen und an den Bahnhöfen ein Augen darauf halten, ob sich dort größere Gruppen zusammenfinden“, verrät Riemenschneider. Auch die Kollegen in Rheinland-Pfalz seien wachsam. Denn viele Menschen würden sich von Baumholder oder Birkenfeld auf den Weg zum See begeben. „Wir sind so aufgestellt, dass wir Ansammlungen frühzeitig erkennen und auflösen können“, sagt der Dienststellen-Leiter.

Gruppen, die es dennoch mit dem Zug bis nach Türkismühle schaffen, werden dort vom Team des Nohfelder Ordnungsamtes empfangen. „Wir sind mit zwei Fahrzeugen und insgesamt vier Personen im Einsatz“, erklärt dessen Mitarbeiter Hubertus Wilhelm. Neben dem Bahnhof wollen sie vor allem auch die Wanderwege kontrollieren. Und die kennt Wilhelm ganz genau: „Der beliebteste führt durch das Wohngebiet Auf dem Ebert in Türkismühle weiter nach Gonnesweiler und dann zum See.“ 700 bis 1000 Personen hätten im vergangenen Jahr diese Strecke gewählt. Aber auch aus Richtung Oberthal, Selbach und Schwarzenbach würden häufiger Wanderer eintreffen.

Wie viele am Freitag an den Bostalsee pilgern werden, lasse sich laut Riemenschneider nur schwer einschätzen. „Mit Sicherheit sind es einige“, ist er überzeugt. Letztendlich spiele hier immer auch das Wetter eine entscheidende Rolle. Das könnte den Einsatzkräften in die Karten spielen. Denn der Deutsche Wetterdienst meldet Wind, Regenschauer und vereinzelte Gewitter. Andererseits würden die Beschränkungen nun schon eine ganze Weile andauern. Die Sehnsucht der Menschen, mal wieder etwas zu unternehmen, steige. Dennoch hofft der Polizeichef, dass sie sich weiterhin an die Corona-Regeln halten. „Bisher haben die Bürger die Beschränkungen akzeptiert. Da muss man ihnen ein Kompliment machen“, ist Riemenschneider erleichtert.

Um die Versuchung, einen Ausflug zum Bostalsee zu unternehmen, zu verringern, bleiben die Zufahrten und Parkplätze weiterhin gesperrt. Alle gastronomischen Betriebe, Freizeitmöglichkeiten und Toiletten sind geschlossen. Lediglich der Rundweg ist offen. „Die Menschen dürfen dort mit entsprechendem Abstand spazieren gehen“, sagt Wilhelm. Bewegung im Freien sei ohnehin schon die ganze Zeit erlaubt gewesen. Doch der Mitarbeiter betont: Dicht gedrängt in Gruppen zusammenzustehen und zu feiern, sei damit nicht gemeint und weiterhin untersagt.

Polizeichef Riemenschneider appelliert hier auch an die Vernunft der Bürger. Sie seien selbst dafür verantwortlich, die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Es sei der Polizei nicht möglich, flächendeckend dafür zu sorgen, dass alle die Sicherheitsabstände einhielten. „Wir können nur unseren Beitrag leisten, indem wir verstärkt Präsenz zeigen. Das werden wir mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln tun“, stellt er klar. Sollten ihm und seinen Kollegen Verstöße auffallen, würden diese geahndet – bis hin zur Strafanzeige. „Dass die Bußgelder relativ empfindlich sind, dürfte sich mittlerweile ja auch rumgesprochen haben“, ist Riemenschneider überzeugt.

Dieses Archivfoto aus dem vergangenen Jahr zeigt junge Leute, die auf dem Kreisel in Türkismühle Rast eingelegt hatten. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes wies sie darauf hin, dass es geeignetere Rastplätze gebe. Foto: Frank Faber

Wer nun auf die Idee kommen sollte, statt am 1. Mai, lieber an Hexennacht oder am Wochenende zu feiern, sollte diese besser wieder verwerfen. „Wir werden auch am Donnerstag, Samstag und Sonntag im Einsatz sein“, erklärt der Polizeichef. Außerdem würden neben den bekannten Hotspots auch andere Plätze überprüft. „Die Menschen sind sehr kreativ, wenn es darum geht, geeignete Orte zum Feiern zu finden“, weiß er und fügt hinzu: „Aber wir sind da, um zu kontrollieren.“