Politiker im Brennpunkt

St. Wendel. In dem idyllisch gelegenen Arnold Janssen-Gymnasium in St. Wendel geht es nicht immer idyllisch zu. Anlässlich des Wahl-O-Mat on Tour wollten Schüler wissen, wie der Hase läuft. Angetreten waren Rainer Tabillion (SPD), Florian Gillen (CDU), Dennis Bard (Die Linke) und Markus Tressel (Grüne)

St. Wendel. In dem idyllisch gelegenen Arnold Janssen-Gymnasium in St. Wendel geht es nicht immer idyllisch zu. Anlässlich des Wahl-O-Mat on Tour wollten Schüler wissen, wie der Hase läuft. Angetreten waren Rainer Tabillion (SPD), Florian Gillen (CDU), Dennis Bard (Die Linke) und Markus Tressel (Grüne).Rege DiskussionGleich zu Beginn der Diskussion stieß eine Position der Linken auf Kritik: Der geforderte Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan würde Deutschland schlecht dastehen lassen. Außerdem, so ein Schüler, sei das "unverantwortlich gegenüber der dortigen Bevölkerung". Dennis Bard sprach sich trotzdem für einen schnellstmöglichen Abzug aus, gekoppelt mit der Stärkung ziviler Strukturen. Denn, so Bard, es sei wenig erreicht worden: Der Drogenanbau habe stark zugenommen, der Präsident sei korrupt und die Sicherheitslage habe sich nicht gebessert. Auch Rainer Tabillion drängte auf einen Abzug des Militärs. Dass zunehmend Politik mit militärischen Mitteln umgesetzt wird, sieht er als "falschen Weg" an. Florian Gillen verteidigte den Einsatz, schließlich ginge es darum, die Ausbildung von Terroristen in Afghanistan zu unterbinden. Damit sei auch eine Gefahr für Deutschland abgewendet worden. Und die Erfolge könnten sich sehen lassen: Frauen könnten wieder auf die Straße gehen, die Zahl der Schüler sei von einer Million auf sieben Millionen gestiegen. Ebenfalls umstritten war das Thema der Online-Überwachung von Computern. Gillen sieht das als ein "notwendiges Mittel" an, um Kriminalität im Internet zu verhindern und Terrorverdächtige überwachen zu können. Das Internet dürfe kein rechtsfreier Raum sein, daher benötige die Polizei geeignete Mittel, um gegen Kriminalität vorzugehen. Die Online-Überwachung würde gar nichts bringen, konterte Tressel. Zudem sei mit einer derartigen Überwachung die Verhältnismäßigkeit der Mittel nicht mehr gewahrt. Zum Schluss der Runde ging es um den Strom. Atomkraftwerke (AKW) seien unsicher, Kohlekraftwerke umweltschädlich. Woher, so ein Schüler, solle der Strom denn nun kommen? Man müsse erstmal die Energieverschwendung eindämmen, so Tabillion. Das sei problemlos möglich und würde etliche Kraftwerke überflüssig machen. Bis aber der gesamte Energiebedarf ökologisch gedeckt werden könne, müssten modernisierte Kohlekraftwerke als Übergangslösung weiterlaufen. Für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken sprach sich dagegen Gillen aus: Die deutschen AKW seien "die sichersten der Welt", und wenn man sofort aussteigen würde, müsste man Atomstrom zum Beispiel aus Frankreich beziehen. Gleichzeitig sollten aber alternative Energieträger ausgebaut werden, bis man den Atomstrom nicht mehr benötige. Kohlekraftwerke als Alternative wären falsch, da sie zu viel CO2 ausstoßen würden.Weder das eine noch das andere sei nötig, so Tressel. Der beschlossene Atomausstieg bis 2020 biete die Chance, einen Großteil der Energie umweltfreundlicher herzustellen. Solarprojekte in Wüstenregionen wären nur ein Baustein dazu, und bis dahin sollten besser hocheffiziente Gaskraftwerke gebaut werden, statt weiter Atom oder Kohle zu nutzen. Über 90 Minuten wurde diskutiert, begründet und widersprochen. Politiker "ausquetschen"Gelohnt habe es sich auf jeden Fall, so die Jugendlichen, die Unterschiede zwischen den Parteien seien klarer geworden und die Gelegenheit, einen waschechten Politiker "auszuquetschen", bekomme man auch nicht alle Tage. redVeranstalter der Tour sind der Landesjugendring Saar, die Arbeitskammer, die Landeszentrale und Bundeszentrale für politische Bildung.