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Osterlieder, Fugen und eine leise Hirtenmusik

Osterlieder, Fugen und eine leise Hirtenmusik

St. Wendel. Christian Ringendahl aus Markdorf/Bodensee eröffnete den diesjährigen Zyklus der "Orgelmusik am Abend" in der Basilika und erfreute die zahlreichen Zuhörer mit einem äußerst abwechslungsreichen Programm, in dem er den Bogen von der Renaissance bis zum 20. Jahrhundert schlug und dabei viele interessante Werke einbezog, die einen höheren Bekanntheitsgrad verdient hätten

St. Wendel. Christian Ringendahl aus Markdorf/Bodensee eröffnete den diesjährigen Zyklus der "Orgelmusik am Abend" in der Basilika und erfreute die zahlreichen Zuhörer mit einem äußerst abwechslungsreichen Programm, in dem er den Bogen von der Renaissance bis zum 20. Jahrhundert schlug und dabei viele interessante Werke einbezog, die einen höheren Bekanntheitsgrad verdient hätten. Einen nicht unwesentlichen Gesichtspunkt der Auswahl stellten gregorianische Melodien des Hochfests Ostern dar. Hans Buchner, im frühen 16. Jahrhundert Münsterorganist zu Konstanz, hatte "Versetten" zur Ostersequenz komponiert, welche die Orgel damals im Wechsel mit den Sängern darbot. Aus den Werken des Heinrich-Schütz-Schülers Matthias Weckmann hatte er geschickt zwischen ein prunkvolles fünfstimmiges Praeambulum und eine munter kontrapunktische "Canzon in d" eine Variation über den evangelischen Choral "Es ist das Heil uns kommen her" gestellt. Die der Mittelstimme anvertraute Melodie gehört ursprünglich einem Osterlied des 14. Jahrhunderts. Das Schwergewicht des ersten Teils der Darbietungen war Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge in E, eine mehrteilige toccatenartige Komposition, eher am norddeutschen Stil dieser Zeit orientiert, in einer kraftvollen und doch ausgewogenen Interpretation. Vorwiegend romantisch gab sich das Folgende. Das "Madrigal" des Franzosen Alexandre Guilmant zeigte sich als Beispiel einer romantisch rezipierten Renaissanceform; Jeanne-Angèle Joulain, eine Schülerin des großen Marcel Dupré, setzte die gregorianische Ostersequenz in ein schönes impressionistisches Ambiente. Ausführlicher widmete sich Ringendahl Heinrich Weber (1878-1964), der in Düsseldorf als Orgelprofessor wirkte. Dessen mächtige Toccata "Haec dies" ("Dieser Tag") verarbeitet wieder eine Melodie aus der Osterliturgie zu einer kontrastreichen Großform, bei der die Orgel alle ihre Qualitäten zeigen kann. Fein und stimmungsvoll stellte der Solist danach Webers Choralvorspiel "Ave Maria zart" in den Raum, um mit der "Marche héroique" des Engländers Alfred Herbert Brewer (1865-1928) sozusagen das effektreiche Nachspiel eines Festgottesdienstes in aller Perfektion zu präsentieren. Es fehlte weder an hymnischer Innigkeit noch an kräftigen Fanfaren. Als Zugabe war darauf nur noch das absolute Gegenteil möglich: eine leise Hirtenmusik eines kaum bekannten süddeutschen Klassikmeisters.