Fest: Weiteres Puzzleteil der Vereinsgeschichte

Fest : Weiteres Puzzleteil der Vereinsgeschichte

Der Musikverein Steinberg-Deckenhardt hat den Sanitäranbau und die Außenanlage seiner Musikwerkstatt eingeweiht.

Es war das vorerst letzte Puzzlestück einer Erfolgsgeschichte: die offizielle Einweihung von Sanitäranbau und Außenanlage der Musikwerkstatt. Gleichzeitig feierten die Vereinsmitglieder des Musikvereins Steinberg-Deckenhardt und ihre Ehrengäste ein besonderes Ereignis. Denn seit zehn Jahren proben die Musiker des Vereins in der zu einer Musikwerkstatt umfunktionierten früheren Dorfkirche. Zum Auftakt spielte das Schülerorchester auf. Franz-Josef Schlitter, der Vorsitzende des Fördervereins, ließ in seinem Vortrag die ereignisreichen Jahre der Entwicklung der Musikwerkstatt Revue passieren.

In der Vereinsgeschichte haben die Probenräumlichkeiten des Orchesters mehrfach gewechselt. Zuletzt musste sich der Verein 2004 nach der Schließung der Grundschule wieder umorientieren. Die Idee, in die Dorfkirche einzuziehen, wurde geboren, als die evangelische Kirchengemeinde Wolfersweiler den Beschluss zum Verkauf des Gotteshauses in Steinberg-Deckenhardt fasste. Ortsvorsteher Hans Peter Wack erinnert sich: „Ich weiß noch gut, wie Franz-Josef und Bernd Nagel mir damals im Ort von ihrer Idee erzählten, dass sie die Kirche kaufen wollen. Die sind bekloppt, dachte ich zuerst. Doch dieses Bauprojekt ist eine Erfolgsgeschichte für unser ganzes Dorf geworden.“

2006 wurde während der Mitgliederversammlung der Entschluss gefasst, das Gotteshaus zu kaufen. Die Kirche sollte ursprünglich für 100 000 Euro veräußert werden, der Musikverein handelte einen Kaufpreis von 5000 Euro zuzüglich der Ausrichtung eines Kirchenfestes aus. Notariell festgehalten wurde auch, dass weiterhin Gottesdienste in dem Haus zelebriert werden können und die evangelische Frauenhilfe die Räume weiter nutzen kann. Außerdem sollte die Kirche auch der Gemeinde für Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Es folgte 2007 die offizielle Schlüsselübergabe und ein Jahr später bezog nach zahlreichen Umbaumaßnahmen der Musikverein seine neue Probenstätte, die fortan Musikwerkstatt heißen sollte. Seither ist viel geschehen.

Bei der Bewältigung der finanziellen Ausgaben ist bis heute viel Kreativität gefragt. Von 2008 bis heute musste der Musikverein Investitionen in Höhe von 267 356 Euro finanzieren. Mit vereinten Kräften leisteten die Vereinsmitglieder insgesamt 3080 Arbeitsstunden, die umgerechnet mit 43 099 Euro zu Buche schlagen. Gemeinde und Landkreis unterstützten die Umbauarbeiten. „Als Landkreis fördern wir gerne Projekte, die einen Beitrag zur Dorfentwicklung leisten. Vereine wie der Musikverein Steinberg-Deckenhardt sind die Triebfeder der Dörfer. Die in der Kirche beheimatete Musikwerkstatt hat sich zum Treffpunkt der Dorfgemeinschaft entwickelt. Mit einer tollen Jugendarbeit leistet der Verein einen wertvollen Beitrag für die Entwicklung der Jugend im Ort“, lobt Landrat Udo Recktenwald (CDU). Eine Finanzspritze gab es auch über das „Melanie-Projekt“ des Umweltministeriums zur Förderung einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Entwicklung der Ort im ländlichen Raum. Über ein Crowdfunding-Projekt der Volksbank, den Wettbewerb „Die Kirche im Dorf lassen“ der Wüstenrot-Stiftung und eine Radio Salü-Aktion wurden weitere Gelder generiert. Vereinsmitglieder stellten zinslose Privatdarlehen zur Verfügung und leisten monatliche Dauerspenden.

Für Vereinsmitglieder wie Verena Wagner ist der Musikverein eine zweite Heimat geworden: „Mir bedeuten der Verein und die Menschen, die hier zusammenkommen, sehr viel. Die Musikwerkstatt ist unser zu Hause.“ Im Vereinsvorstand unterstützt sie den Vorsitzenden Sven Gatzweiler und kümmert sich hauptsächlich um die Öffentlichkeitsarbeit. Im Alter von zehn Jahren ist die heute 34-Jährige mit dem Blockflötenunterricht in den Verein eingestiegen und hat nach der musikalischen Grundausbildung Klarinette spielen gelernt. „Ich habe sehr viel von der Zeit im Verein profitiert. Ich habe gelernt, zu üben, dran zu bleiben, bei Auftritten mutig zu sein. Ich habe auch gelernt, dass man aufeinander achten sollte, dass man in schlimmen Momenten zusammenhalten muss.“ Besonders stolz sei sie, wenn sie freitags zur Probe etwas früher dran sei und höre, wie das Schülerorchester probt und wie gut die Kinder sind. „Dann sehe ich mich vor ein paar Jahren, wie ich angefangen habe und hoffe, dass die Kinder genauso viel mitnehmen wie ich.“ Im Vorstand beschäftigt sich Verena Wagner in der jüngsten Zeit vermehrt mit dem Thema Geld, denn der Verein habe einen Kredit zurückzuzahlen. Da sieht sie es gerne, dass die Räume der Musikwerkstatt oft genutzt und angemietet werden.

Josef Petry, der Präsident des Bundes saarländischer Musikvereine, lobte das gesellschaftliche Engagement des Musikvereins und nutzte die Gelegenheit für einen Blick in die Zukunft: „Unsere Dörfer sollen Schlafstätten, sondern Stätten des Zusammenlebens, Begegnens und Erlebens sein. Der Musikverein leistet einen wertvollen Beitrag dazu. Um mehr solcher Projekte zu fördern, wünsche ich mir eine Kulturplanungskommission.“

Als Immobilienbesitzer sind auch die Herausforderungen an den Verein gewachsen. Zum einen muss für den Unterhalt der Kirche gesorgt werden. Die zusätzlichen Kosten für Wasser, Strom und Heizöl sollen Vermietungen und Spenden decken.

Neben der finanziellen Herausforderung müssen sich die Mitglieder des Vereins aber auch um die Sauberkeit und Ordnung des Gebäudes und des Grundstückes kümmern. „Ohne unsere engagierten Mitglieder würden wir das alles nicht schaffen. Jeder im Verein hat dazu beitragen, dass unser Immobilienprojekt gelingt“, lobt Schlitter. Im Anschluss an die offizielle Einweihung des Anbaus der Musikwerkstatt bedankte sich der Verein bei einem Sommerfest mit einem Platzkonzert des großen Orchesters bei allen Helfern, Gönnern und Freunden.

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