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Von der Straße zurück nach Oberthal

Von der Straße zurück nach Oberthal

Mit einem eindringlichen Appell wendet sich Oberthals Pastor Michael Pauken an Richter des Verwaltungsgerichts: Sie sollen bei ihrer Entscheidung, ob der syrische Kriegsflüchtling Mahmoud Alchabou im Saarland bleiben darf, nicht allein die Paragrafen vor Augen haben.

Nur wenige Tage war Mahmoud Alchabou in Ungarn. In dem Land, wohin saarländische Behörden den aus Syrien stammenden Bürgerkriegsflüchtling abgeschoben hatten. In der Nacht auf Mittwoch, 15. April, verfrachteten sie ihn in eine Maschine und flogen ihn aus. Doch was der 45-Jährige dort erlebte, bestätigt Befürchtungen hiesiger Flüchtlingsbetreuer. Darunter Oberthals Pfarrer Michael Pauken. In seiner Gemeinde war Alchabou untergebracht, bis ihn Polizisten unangekündigt abholten. Denn der Betroffene hatte bereits einen Asylantrag in Ungarn gestellt, ist dort als Flüchtling anerkannt. Was einen legalen Aufenthalt in Deutschland zumindest zum jetzigen Zeitpunkt erschwert.

In Budapest angekommen, schildert Alchabou, war er auf sich gestellt. Keine Hilfe, kein Geld, keine Unterkunft. Alchabou: "Polizisten begleiteten mich vom Flughafen zwei Häuserblocks und ließen mich dann allein losziehen." In einem Supermarkt erkundigte er sich bei anderen Flüchtlingen nach einer Bleibe. Die fand der Maurer auf einer Baustelle, in einem Verschlag. Dort durfte er übernachten, schildert der Syrer.

Jetzt ist er wieder in Oberthal - zurückgekehrt auf eigene Faust. Mit geliehenem Geld machte er sich auf die lange Bahnreise. Saß im Kohlenwagen mit Gleichgesinnten, wie ein Handy-Video belegt. Fast 24 Stunden war er unterwegs, um seine in Lebach zurückgebliebene Frau Souad Temacini wiederzusehen. Das Asylverfahren der 35-Jährigen läuft noch. "Ich wusste nicht genau, ob er es schafft", berichtet sie. Als er dann vor ihr stand, brach sie in Tränen aus.

Beide träumen von einer Zukunft in Deutschland. Wollen eine Familie mit Kindern gründen. "Am liebsten möchten wir in Oberthal bleiben", sagt Temacini. Die Menschen hier hätten sie liebevoll aufgenommen.

Vorübergehend können sie im St. Wendeler Land bleiben, versichert Pastor Michael Pauken. Doch vorerst nur so lange, bis das Verwaltungsgericht des Saarlandes über Alchabous Fall geurteilt hat. Den Richtern liegt ein Antrag seines Anwalt Hans Georg Schudell auf einstweilige Anordnung vor, die Abschiebung vorläufig rückgängig zu machen. Seiner Ansicht nach sei gegen Gesetze verstoßen worden, was das zuständige Innenministerium in Saarbrücken zurückweist. Pauken richtet einen eindringlichen Appell an die Richter. Zwar habe Ungarns Regierung entsprechende EU-Vereinbarungen über Flüchtlinge unterzeichnet. "Aber die Paragrafen werden in Ungarn nicht gelebt." Menschen blieben sich überlassen, auf der Straße zurück. Pauken: "Darum bitte ich die Richter, sich selbst ein Bild davon zu machen." Er gebe ihnen auch die Telefonnummer der deutschen Pfarrei in Budapest und der dortigen Malteser, die ihnen die dramatische Situation für Flüchtlinge in Ungarn schildern könnten.

Sollten Alchabou und seine Frau doch nach Ungarn ausgewiesen werden, will sich Paukens Pfarrei weiter um sie kümmern. "Das habe ich ihnen versprochen." Wie diese Hilfe aussehen könnte, soll entschieden werden, wenn es dazu kommt.