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Von den Tücken des Kinderkriegens

Von den Tücken des Kinderkriegens

Oberthal. Zu den drei Aufführungen im Oberthaler Gasthaus "Zum König" kamen insgesamt rund 600 Zuschauer. Unter der Regie von Wolfgang Hargarter erwiesen sich die Theaterfreunde Oberthal wieder einmal als eines der experimentierfreudigsten und ambitioniertesten Ensembles der Region

Oberthal. Zu den drei Aufführungen im Oberthaler Gasthaus "Zum König" kamen insgesamt rund 600 Zuschauer. Unter der Regie von Wolfgang Hargarter erwiesen sich die Theaterfreunde Oberthal wieder einmal als eines der experimentierfreudigsten und ambitioniertesten Ensembles der Region. Den zentralen Konflikt trugen Christine, gespielt von Ilka Leismann, und Ulli (Eric Folz) jeweils in ihrem Schlafzimmer aus. Während Christine ihrem Mann verantwortungsscheues Handeln vorwarf oder Ullis Zeugungsfähigkeit in Frage stellte, wehrte sich dieser mit Gegenargumenten. Kinder kosteten nicht nur Geld, sondern Eltern müssten auch lästige Pflichten übernehmen. Ulli fragte Christine: "Willst du wirklich Kinder in diese Welt setzen?" Darauf folgte eine von vielen Comedy-Episoden, die Ullis und Christines Argumente pro und contra Elternschaft in Szenen umsetzten. Die Episoden hatten jeweils mehrere Ebenen. So sorgte die Situations- und Wortkomik dafür, dass das Publikum herzhaft lachen konnte. Im Hintergrund dieser Szenen standen aber anspruchsvolle Themen wie Gentechnik, zynische Machtausübung oder das Balancefinden zwischen der Rolle als Elternteil und der Selbstverwirklichung. Und da die Episoden jeweils mit einem Knalleffekt endeten, der das Gesehene plötzlich in einem anderen Licht darstellte, wurde auch die Frage nach Schein und Sein aufgeworfen. Das Episodenstück stellte die Regie, die Schauspieler und die Akteure hinter den Kulissen vor große Herausforderungen, die sie mit Bravour meisterten. "Wir haben intensive Schmink- und Kostümproben mit Stoppuhr gemacht", sagte Regisseur Wolfgang Hargarter. Schließlich sollten die Pausen zwischen den einzelnen Szenen auf ein Minimum beschränkt bleiben. Unter diesem Zeitdiktat musste auch das Bühnenbild jeweils in Windeseile umgebaut werden. Und da die Veränderungsmöglichkeiten in der Kürze der Zeit beschränkt sind, war der Einfallsreichtum der Regie gefragt. Sie nutzte unter anderem Licht- und Toneffekte, um die gewünschten Atmosphären zu erzeugen. Seit vergangenem November übte Regisseur Hargarter mit dem jungen Oberthaler Ensemble jeweils zweimal die Woche das Stück ein. "In den letzten zwei, drei Wochen vor den Aufführungen haben wir drei bis vier Mal wöchentlich geprobt", sagte Hargarter. Nicht zuletzt der Schlussapplaus des Publikums bewies, dass sich der Aufwand gelohnt hatte. Unter dem Strich kann man den Theaterfreunden nur gratulieren: zur mutigen Stückauswahl, den schauspielerischen Leistungen sowie der überzeugenden Inszenierung.

Auf einen Blick Die Mitwirkenden: Ilka Leismann (Christine), Eric Folz (Ulli), Janine Heidinger (Miss A, Jette, Frau Holsten, Vroni, Eleonore), Anne Nilles (Cordula, Astrid, Biggi, Janina), Sylvia Hans (Friederike, Verkäuferin, Mutter, Mechthild), Sabrina Scherer (Miss B, Frieda, Vertreterin, Frau Ranke, Frau Krüger), Birgit Lentini (Frau Briede, Lisa, Frau Vossebein, Frau Sawatzki, Rita), Tilman Schön (Hanibal, Heiko, Tobias, Herr Vossebein, Wiegbert), Patrick Färber (Sebastian, Mr. Y, Rufus, Herr Sawatzki, Justus), Reinhard Wagner (Brutus, Mr. X, Ulf, Herr Ranke, Heinz), Martin Scheid (Leiche). Regie: Wolfgang Hargarter. Regieassistenz: Sylvia Dewes. Souffleusen: Melitta Melchior, Ulrike Wagner. Maske: Christine Diener, Elke Kunz. Technik: Sascha Leismann, Torsten Wagner. Bühnenaufbau: Rudolph Folz, Bernd Melchior, Dietmar Jung. mic