SZ-Serie Ein Groniger auf dem Weg ins All: So trainiert Matthias Maurer fürs Weltall

Serie Ein Groniger auf dem Weg ins All : Die Erde macht ihn fit für den Weltraum

Um sich auf seine Reise ins All vorzubereiten, trainiert Matthias Maurer auf der ganzen Welt. Trotz des vollen Terminkalenders besucht er regelmäßig seine Heimat Gronig.

Wer ins Weltall fliegen will, muss lernen, auf der Erde zu überleben. Und zwar in so ziemlich jeder denkbaren Situation. 48 Stunden lang schlug sich Matthias Maurer daher durch die Wildnis Schwedens. Ohne Essen und Trinken, ohne Zelt und Schlafsack, bei minus neun Grad. „Diese Übung ist für Astronauten wichtig, wenn sie fernab von jeglicher Zivilisation mit dem Raumschiff auf der Erde landen“, erklärt der 49-Jährige den Sinn der Aktion.

Auch ein mehrtägiges Höhlentraining in Sardinien hat er schon hinter sich gebracht. Außerdem lebte er 16 Tage am Stück auf dem Meeresboden vor der Küste Floridas in einer Unterwasserstation. In 20 Metern Tiefe simulierte die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa dort Erkundungstouren auf dem Mars. In Norwegen und Lanzarote lernte Maurer die verschiedensten Gesteine kennen. Und mit chinesischen Taikonauten probte er bereits eine Notlandung im Gelben Meer.

Beim Heimatbesuch reißt Matthias Maurer den Astro-Blaumann auf. Zum Vorschein kommt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Astronautendorf Gronig“. Foto: B&K/Bonenberger/

„Man ist in der Ausbildung schon oft am Kämpfen. Aber es ist ja auch das Ziel, uns immer wieder an unsere Grenzen zu bringen“, gibt der Weltraumpilot zu. Auch während seinen Heimatbesuchen in Gronig vernachlässigt er sein Training nicht. Um sich fit zu halten, gehe er oft am Momberg joggen. Das sei einer seiner Lieblingsplätze im Landkreis St. Wendel. Alle sechs bis acht Wochen versuche er, nach Hause zu kommen. „Das klappt nicht immer, aber bisher liege ich noch gut im Schnitt“, sagt er.

Maurer ist ein waschechter Saarländer. Er wurde am 18. März 1970 in St. Wendel geboren, hat am Gymnasium Wendalinum sein Abitur absolviert und anschließend an der Universität in Saarbrücken Materialwissenschaften studiert. Immer wieder zog es ihn für einige Semester ins Ausland etwa nach Großbritannien, Frankreich und Spanien. Nach der Uni tourte er als Rucksacktourist durch die Welt. Mittlerweile ist das europäische Astronautenzentrum in Köln sein fester Arbeitsplatz. Doch obwohl er in der Rheinmetropole lebt und etliche Länder bereist hat – Gronig ist immer seine Heimat geblieben.

„Ich habe hier meine Familie und meine Freunde“, sagt Maurer. Auch seine Eltern leben in dem 1400-Seelendorf in der Gemeinde Oberthal. Und die waren anfangs von den Plänen ihres Sohnes alles andere als angetan. „Als mir der Esa-Chef Anfang 2009 gesagt hat, dass ich kein Astronaut werde, war meine Mama schon froh. Sie meinte, auf der Erde sei es ja doch sicherer“, erinnert sich Maurer. Aber als er 2015 schließlich ins Astronautenkorps nachrückte, sei auch seine Mutter begeistert gewesen. „Eltern haben immer Bedenken, wenn ihre Kinder etwas Riskantes tun“, sagt der Raumfahrer. Aber seit Alexander Gerst ins All geflogen und wieder heil zurückgekommen sei, würden sie die Sache etwas entspannter sehen.

Außerdem kann der Groniger seine Familie auch von der Internationalen Raumstation (ISS) jederzeit anrufen. Zwar habe er dort mit seinem Smartphone keinen Empfang. „Aber wir haben Tablets und Computer, mit denen wir Video-Anrufe zur Erde tätigen können“, erklärt er. Der Anruf werde zunächst in Houston eingespeist. Heißt: Wenn der Astronaut vom Weltall ins Saarland telefoniert, erscheint auf dem Bildschirm eine Nummer aus Texas.

Auch dort hat Maurer übrigens schon trainiert. In einem der größten Pools der Welt, in dem die komplette ISS eins zu eins nachgebaut ist, übte er für einen Außeneinsatz. „Da fühlt man sich wirklich wie im Weltraum“, schwärmt er von dem Erlebnis. Der 49-Jährige hofft, dass er bei seiner Mission auf der ISS die Gelegenheit zu einem Spacewalk bekommen wird. Er habe schon gelernt, wie man Solarzellen austauscht. Denn das stehe an der ISS in den nächsten Jahren an. „Daher sollten ein paar Weltraumspaziergänge drin sein“, ist Maurer optimistisch.

Während er seine galaktische Arbeit erledigt, möchte er auch einen Blick auf seine Heimat erhaschen. Denn das Saarland könne man vom All aus erkennen. Michael Collins habe nach seinem Flug zum Mond eine Biographie geschrieben. Da der Apollo-11-Astronaut als Pilot drei Jahre lang in Frankreich stationiert war, kannte er das Saargebiet recht gut. „In dem Buch erwähnt er nur eine Stelle, die er vom Weltraum aus gesehen hat. Das Saarland“, erzählt Maurer. Allerdings sei das kleine Bundesland dabei nicht sonderlich gut weggekommen. „Collins hat beschrieben, dass die Luftverschmutzung dort so groß war, dass er den Boden nicht sehen konnte“, sagt der Astronaut. Das sei heute nicht mehr der Fall. „Daher denke ich, dass ich das Saarland gut erkennen werde“, freut er sich.

Und bis er endlich seine Reise ins Universum antreten wird, trainiert Maurer weiterhin auf der Erde. Aktuell arbeite er an seiner Pilotenausbildung und im September stehe der nächste Parabelflug mit Experimenten in Kurzzeit-Schwerelosigkeit an. Parallel dazu büffelt er Fremdsprachen. Denn wer ins All fliegen will, muss mit den Menschen auf der Erde kommunizieren können. Und zwar in so ziemlich jeder Sprache. Der Astronaut spricht bereits fließend Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. „Jetzt lerne ich noch Russisch und Chinesisch“, verrät Maurer.

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