Sterbende begleiten

Ein würdevolles und selbstbestimmtes sowie schmerzfreies Sterben ist das Arbeitsziel der Hospizhelferin Gerlinde Tissen. Sie betreut Schwerkranke, die am Ende ihres Lebens stehen.

"Sterben kann auch schön sein", sagt Gerlinde Tissen. Die Ehrenamtlerin setzt sich im Seniorenheim St. Stephanus in Oberthal als Hospizhelferin ein. Ihre Motivation, Schwerkranke und sterbende Bewohner auf ihrem letzten Gang zu begleiten, beschreibt sie selbst so: "Damit die Menschen in ihrer letzten Stunde nicht alleine sind".

Ziel der Sterbebegleitung ist es, kurz gesagt, ein möglichst würdevolles, selbstbestimmtes und schmerzfreies Sterben zu ermöglichen. Wenn die Bewohner des Seniorenheimes dann mit einem Lächeln auf den Lippen entschlafen oder wenn eine sterbende Patientin sagt: "Sie sind keine Gerlinde, Sie sind eine Gutlinde", dann habe man sein Ziel erreicht.

Was genau die ehrenamtlichen Hospizhelfer dürfen, ist durch eine Kooperations-Vereinbarung mit der Christlichen Hospizhilfe im Landkreis St. Wendel festgelegt. Die Christliche Hospizhilfe existiert seit 1997 und ist ein Zusammenschluss mehrerer gemeinnütziger Vereine und Verbände. 2009 wurden Arbeitskreise "Palliative Versorgung" in Altenpflegeeinrichtungen gegründet. "Damit soll die palliative Versorgung für die Bewohner optimiert werden", erklärt Bärbel Ludwig, Palliative-Care-Kraft bei der Christlichen Hospizhilfe und als Koordinatorin für die Einsätze der Ehrenamtler tätig. In den Arbeitskreisen werden Themen erörtert, wie man beispielsweise erkennt, wann ein Bewohner palliativ ist und wie sich dadurch die Versorgung ändert. Zurzeit hat die Hospizhilfe in mehreren Einrichtungen im Landkreis 60 Hospizhelfer ambulant und in Altenpflegeeinrichtungen im Einsatz.

Am Anfang standen Sensibilisierungskurse für die Mitarbeiter, erinnert sich Sabine Wecker zurück. Immerhin sei "Hospizhilfe eine innere Einstellung", so die Pflegedienstleiterin des Seniorenheimes St. Stephanus. Nur wenn der Mensch im Mittelpunkt der Bemühungen stehe, könne würdevolles individuelles Sterben gelingen. Im Arbeitskreis im Haus bereitet man Gedenkgottesdienste vor oder beschäftigt sich damit, wie sich Angehörige, Mitbewohner und Personal im Haus von dem Verstorbenen verabschieden. "Der Tod ist etwas ganz Individuelles - wie das Leben", sagt die Pflegedienstleiterin. "Es gibt immer mehr Palliativ-Patienten, die nicht mehr im Krankenhaus sterben", so Manuela Tscherleniovsky-Schuch, Palliative-Care-Kraft und Koordinatorin bei der Hospizhilfe. Die Verteilung sei so, dass 50 Prozent im Krankenhaus, zehn Prozent zu Hause und 40 Prozent in einem Seniorenheim entschlafen.

Wobei sich eine Sterbebegleitung auch über mehrere Jahre hinweg ziehen könne. So etwas ändere die Strukturen in einer Familie natürlich enorm. "In solchen Fällen brauchen gerade Kinder eine Möglichkeit, Abschied zu nehmen", so Tscherleniovsky-Schuch. Um sie früh genug für das Thema zu öffnen, gibt es auch das Projekt "Hospiz macht Schule". Hier geht es darum, zu vermitteln, dass Leben und Sterben untrennbar miteinander verbunden sind. Das Leben aufarbeiten, Zeit schenken, zuhören: das sind im Groben die Punkte, die die Hospizhelferin Gerlinde Tissen beachten muss, "damit der Sterbende abschließen kann". Beim Aufarbeiten des Lebens höre man oftmals sehr intime Dinge, doch man ist natürlich an die Schweigepflicht gebunden. Auch selbst muss man mit diesen Details umgehen können, erzählt sie. Das Sterben werde zu oft aus dem Leben ausgegrenzt, den Angehörigen müsse man oft das schlechte Gewissen ausreden, weil man eine sterbende Person in ein Heim "abgeschoben" hat. Noch immer gelte "Heim" als schlimmes Wort.

Ein neuer Qualifizierungskurs "Zuhause leben - Zuhause Sterben" beginnt am 18. November, eine Infoveranstaltung dazu findet am 7. Oktober statt.

st-stephanus.de

hospizhilfe-stwendel.de

Bärbel Ludwig und Manuela Tscherleniovsky-Schuch von der Christlichen Hospizhilfe, Hospizhelferin Gerlinde Tissen und Pflegedienstleiterin Sabine Wecker im Seniorenheim St. Stephanus.
Elfriede Dörschel in ihrem selbst eingerichteten Zimmer im Seniorenheim St. Stephanus. Den Bewohnern soll der Aufenthalt hier möglichst angenehm gestaltet werden.

Zum Thema:

Auf einen BlickKontakt: Christliche Hospizhilfe im Landkreis St. Wendel: Luisenstraße 28, 66606 St. Wendel, Tel. (0 68 51) 86 97 01, E-Mail: info@hospizhilfe-stwendel.de. Seniorenheim St. Stephanus: Rosenstraße 4, 66649 Oberthal , Tel. (0 68 54) 90 16-0, E-Mail: info@st-stephanus.de. Pflegeplätze: 75. Trägerin: Eugeria St. Stephanus GmbH. Angebote: vollstationäre Pflege, Kurzzeitpflege, Pflege Demenzkranker, palliative Pflege, hauseigene bodenständige saarländische Küche und fahrbarer Mittagstisch. red