So geht es weiter mit der Imweiler Wies in Oberthal

Kostenpflichtiger Inhalt: Imweiler Wies : Drei Ärzte und eine Apotheke ziehen an die Imweiler Wies

Spätestens Januar 2021 soll ein Standort der überörtliche Gemeinschaftspraxis in Oberthal öffnen.

Beim Blick aus dem Fenster das Spiel der Fontäne im Wassergarten beobachten, frische Brötchen um die Ecke kaufen und schnell noch auf einen Sprung zu Hausarzt oder Apotheker im Erdgeschoss. So kann in naher Zukunft der Alltag der Bewohner des Wohn- und Gesundheitskomplexes an der Imweiler Wies in Oberthal aussehen. Die drei Gebäude sind das letzte Puzzleteil in dem Großprojekt der Gemeinde (wir berichteten mehrfach), das Hochwasserschutz mit Naherholung und Tourismus in Oberthals Ortsmitte verbunden hat. Während in dem Rohbau größtenteils schon die Fenster eingesetzt und alle Wohnungen bis auf zwei Penthouse-Appartments verkauft sind, ging es nun, ein paar Meter weiter im Rathaus, um den Themenbereich „Gesundheit“.

Offiziell war bislang nur bekannt, dass eine Facharztpraxis und eine Apotheke in den Komplex einziehen werden. Gerüchte, wer diese sein könnten, machten die Runde. „Ich werde jeden Tag gefragt, ob ich jetzt von St. Wendel nach Oberthal wechsele“, sagte Dr. Hubert Kandels und winkte ab. Der Internist kam zusammen mit seinen Kollegen Dr. Peter Rauber und Dr. Michael Mörsdorf zur Pressekonferenz, um ihr Konzept vorzustellen. Seit zehn Jahren gibt es die überörtliche Gemeinschaftspraxis der Mediziner Rauber, Kandels, Stein-Hellmann, Mörsdorf und Kollegen. Unter diesem Dach arbeiten 17 Ärzte mit verschiedenen Fachgebieten an mehreren Standorten wie St. Wendel, Theley, Alsweiler und Bliesen. Letzterer wird künftig durch Oberthal ersetzt. Eine Entscheidung, die, so betonen die Mediziner, nicht leicht gefallen sei. „Wir sind deswegen ziemlich beschimpft worden“, merkte Mörsdorf an. Dabei hätten sie versucht, passende Räumlichkeiten in Bliesen zu finden. Doch ohne Erfolg. Schwierig sei laut Kandels auch die Wirtschaftlichkeit. So ging es bei der Entscheidung letztlich um mehr Platz, um eine Investition für die Zukunft.

In der Nachbargemeinde Oberthal stehen nun 300 Quadratmeter für den Praxis-Standort zur Verfügung. Drei Ärzte werden dort künftig arbeiten: die Internisten Michael Singer (Gastroenterologe), Ina Büch und Birgit Erlacher (beide Hausärzte). Letztere ist aktuell noch in Bliesen.

Nachfolger für Arztpraxen zu finden, sei inzwischen schwierig geworden. „Ärzte wollen angestellt werden, weil sie das wirtschaftliche Risiko scheuen“, erläuterte Rauber. Außerdem ziehe es sie an Orte, an denen etwas geboten werde. „Zum ersten Mal haben wir wieder Anfragen“, zeigte sich Kandels erfreut. Für ihn sind Gemeinschaftspraxen die Zukunft. Ein Mittel, dem allgemeinen Negativtrend entgegenzutreten.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Hermann Scharf sprach von einem Praxis- und Apothekensterben in der ländlichen Region. Umso stolzer könne Oberthal darauf sein, renommierte Ärzte in die Gemeinde zu holen. Die Versorgung im Nachbarort sieht er nicht gefährdet. „Bliesen ist in einer Sandwich-Situation zwischen St. Wendel und Oberthal“, sagte Scharf. In beide Richtungen seien in wenigen Minuten Ärzte zu erreichen. „In Oberthal gibt es vor der Praxis Parkplätze, die Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr ist gut“, erklärte der Politiker, der 35 Jahre lang Mitglied im Oberthaler Gemeinderat war. Deshalb erweitere sich das Einzugsgebiet der Patienten über die Grenzen der Kommune hinaus. Auch Oberthals Bürgermeister Stephan Rausch (CDU) betonte: „Es geht nicht darum, den Bürgern in Bliesen etwas wegzunehmen, sondern die ärztliche Versorgung zu stärken – nicht nur in Oberthal, sondern im ganzen Umfeld.“

In diesem ist die Gemeinschaftspraxis mit ihren verschiedenen Standorten bereits gut vernetzt. Und „vernetzt sein“ ist laut Kandels auch ein großes Thema bei und ein Vorteil für die Patienten. Der Mediziner nannte ein Beispiel: Klage ein Patient bei Dr. Mörsdorf in der Alsweiler Praxis über Herzschmerzen, könne ihn sein Hausarzt zur weiteren Abklärung nach St. Wendel schicken. Direkt und unkompliziert, ohne Überweisung. Außerdem hätten die Kollegen in St. Wendel Zugriff auf alle Daten, weil es eine große Gemeinschaftspraxis ist. „Wir können uns auch medizinisch untereinander austauschen“, sieht Kandels einen weiteren Vorteil des großen Teams.

Ins Gebäude direkt neben der künftigen Praxis zieht die Avie Marien Apotheke. Deren Inhaber Christian Spelz ist froh über die Gesamtkonzeption. 180 Quadratmeter stehen ihm in den neuen Räumlichkeiten zur Verfügung. Platz genug für einen zusätzlichen Multifunktionsraum. Dieser, so ergänzte Apothekerin Anett Schall, könne vielfältig genutzt werden, beispielsweise für Beratungen, Vorträge oder auch die Treffen von Selbsthilfegruppen. „Wir werden so lange da sein, wie die Praxis geöffnet ist“, gewährte Schall erste Einblicke in die Organisation. Das bisherige Apotheken-Team bleibe bestehen, eine weitere Verstärkung sei denkbar.

Bei der Pressekonferenz in Oberthal (von links): Dr. Peter Rauber, Dr. Michael Mörsdorf, Dr. Hubert Kandels und Bürgermeister Stephan Rausch. Foto: Evelyn Schneider

Und wann können Apotheker und Mediziner nun einziehen? „Wir sind im Zeitplan – sogar etwas vornedran“, verkündete Investor Sven Kehrein-Seckler, Geschäftsführer von Freiraum3 Saar-Lor-Lux zufrieden. Im Oktober seien die Wohnungen und der Gesundheitsbereich bezugsbereit. „Wir werden noch Zeit zum Einrichten brauchen“, gab Dr. Kandels zu bedenken. Spätestens zum Januar 2021 werde der neue Standort der überörtlichen Gemeinschaftspraxis öffnen. „Wir hoffen, dass die Patienten diesen gut annehmen. Die Örtlichkeit ist hervorragend und wir blicken allem positiv entgegen“, so Kandels.