Professor Andreas Michalsen gibt in Oberthal Tipps in Sachen Ernährung

Vortrag : Sich mit Genuss gesund und schlank essen

Professor Andreas Michalsen gab bei einem Vortrag in der Oberthaler Ölmühle Tipps zum Thema Ernährung und Fasten.

Es ist Halbzeit – für all jene, die in der Fastenzeit Verzicht üben. Worauf? Eigentlich sind da der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Weniger Zeit am Handy verbringen, das Auto mal stehen lassen oder Selters statt Sekt trinken. Für viele hat Fasten aber direkt mit Ernährung zu tun. Und so werden in der Zeit bis Gründonnerstag gerne mal süße Versuchungen vom Speiseplan gestrichen. Teils sicher auch in der Hoffnung, dass im Gegenzug das ein oder andere Kilo – quasi zur Belohnung – purzelt. Aber ist das auch richtiges Fasten?

Wie Fasten und gesunde Ernährung richtig funktionieren – das hat Dr. Andreas Michalsen in einem Vortrag in der Ölmühle Bruno Zimmer in Oberthal erläutert. Wobei der Professor für Klinische Naturheilkunde der Charité Berlin gleich zu Beginn relativierte: „Eine Regel, die für alle gilt, gibt es nicht.“ Aber jede Menge Tipps hatte er für die Zuhörer parat.

In mehreren Diagrammen – Ausschnitte aus Studien – zeigte der Mediziner den Zusammenhang zwischen Ernährung und ihrem Effekt auf die Gesundheit auf. Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes oder auch Rheuma sind nur einige der Krankheiten, die sich mit Essen beeinflussen lassen.

Mit blauen Stecknadeln haben Forscher fünf Punkte auf der Erde markiert, so genannte Blue Zones, die eines gemeinsam haben: Die Menschen dort werden besonders alt. Zu diesen Gebieten gehören beispielsweise Okinawa (Japan) und Sardinien (Italien). Tausende Kilometer voneinander entfernt. Wo also liegt die Parallele? „In Okinawa gibt es Schweinefleisch nur zu einem Festtag“, sagte Michalsen. Und auch auf der Mittelmeerinsel würden nur drei oder vier Mal im Jahr Spanferkel bei Festen gebraten. Statt mit Fleisch ernähren sich die Menschen mit Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten. Diese Lebensmittelgruppen empfiehlt auch der Mediziner.

Was ist mit Fett? „Haben Sie keine Angst davor“, sagte Michalsen. Doch die Einschränkung folgte auf dem Fuße. Denn dies gelte nicht für Speck oder Schweineschmalz, sondern für gute Fette wie hochwertige Öle (Leinöl und Olivenöl) oder Nüsse. „30 Nüsse pro Tag schützen das Herz“, sagte der Referent. Vor allem Wal- oder Pekannüsse seien geeignet. „Und kennen Sie den Pistazien-Effekt?“, fragte der Ernährungsmediziner ins Rund. Da müsse erst die Schale entfernt werden, weshalb die grüne Frucht nicht so schnell verspeist werden könne. Also, ein langsamer Genuss.

Für Naschkatzen allgegenwärtig ist die Sehnsucht nach etwas Süßem. „Ich will Zucker nicht komplett verteufeln, aber ich empfehle, achtsam zu sein.“ Wobei das eigentliche Problem mit dem süßen Kristall darin begründet liege, dass er auch dort drin ist, wo er nichts zu suchen habe. „Ich empfehle daher, selbst zu kochen und sich einmal in der Woche was Süßes zu gönnen.“ Dann dürfe es auch ein Stück Sahnetorte sein. Und zum Ausgleich dazu gibt es eben eine Portion mehr von den Superfoods. Eine ganze Liste mit diesen besonderen Lebensmitteln hatte Michalsen vorbereitet. Dazu zählen Brokkoli, Rote Beete, Äpfel (mit Schale!) Ingwer, aber auch Kaffee.

Über Ernährung wurde schon unendlich viel geschrieben. Übrigens hat auch Michalsen Bücher veröffentlicht. Fast noch häufiger finden sich aber Tipps zum Fasten. Gerade in Richtung Sommer, Stichwort Bikini-Figur. „Eigentlich geht es beim Fasten nicht primär ums Gewicht verlieren“, sagte der Mediziner. Das sei quasi nur ein Nebeneffekt. Wobei er nicht anzweifelte, dass die viel propagierten Trend-Diäten funktionieren. Als Beispiel nannte er die Atkins-Diät, bei der Kohlenhydrate verpönt sind, Fette stattdessen erlaubt. „Sie nehmen damit fantastisch ab, aber sie sterben auch früher – das dann allerdings schlank“, bewies der Redner auch Humor.

Um echten Verzicht und Erneuerung des Körpers geht es beim Heilfasten. Über einen Zeitraum von fünf bis 40 Tagen sind lediglich 250 bis 500 Kalorien pro Tag erlaubt, auf feste Nahrung wird verzichtet. Eine beliebte Methode sei das Fasten nach Buchinger. Diese setzt auf Säfte und Gemüsebrühe. „Ehe sie damit starten, leeren sie den Kühlschrank“, riet der Professor. Ein amerikanischer Ernährungswissenschaftler hat diese Variante etwas abgewandelt. Bis zu 900 Kalorien sind erlaubt. Die Ernährung ist vegan und zuckerarm.

Dann gibt es noch verschiedene Varianten des Intervallfastens. Das Prinzip 5:2 sieht zwei Fastentage pro Woche vor. „Das ist auf Dauer mühsam“, wertete der Mediziner. Er ist ein Befürworter von 16/8. Hinter diesem Zahlspiel versteckt sich die Idee, einer verlängerten Nacht und eines begrenzten Zeitfensters, in dem gegessen werden darf. Warum aber ausgerechnet das Verhältnis 16/8? Das habe Michalsen den Erfinder auch einmal gefragt. Die Antwort passt in die Kategorie „Wie das Leben so spielt“. Ein Laborant sei gerade Vater geworden und habe nur exakt acht Stunden arbeiten können. Und nur in dieser Zeit konnten die Mäuse im Labor gefüttert werden. So fiel der positive Effekt dieses Essens-Rhythmus‘ auf.

Das Intervall-Fasten sei auch für jene geeignet, die gesund abnehmen möchten, verriet der Ernährungswissenschaftler im SZ-Gespräch. „Es ist genauso effektiv wie dauerhafter Verzicht“, sagte Michalsen. Das hätten Studien bewiesen. Außerdem mache das berühmte FDH („Friss die Hälfte“) keinen Spaß. Vier Wochen dauere es, bis sich der Körper an das Intervallfasten gewöhnt hat. Innerhalb von drei Monaten ließen sich vier bis fünf Kilo abnehmen. Doch eines ist für den Mediziner das wichtigste in Sachen Ernährung: „Gesund sein bis ins hohe Alter.“

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