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Oberthaler berichtet aus der Quarantäne: Wirrwarr um Corona-Test bei Polizist

Kostenpflichtiger Inhalt: Oberthaler berichtet aus der Quarantäne : Wirrwarr um Corona-Test bei Polizist

Erst fiel das Ergebnis negativ aus, dann doch positiv. Inzwischen leben der Beamte und seine Ehefrau in häuslicher Quarantäne.

Peter Hilgert und seine Frau haben nervenaufreibende Tage hinter sich. Im Urlaub in Südtirol infizierte sich das Ehepaar aus der Gemeinde Oberthal mit dem Coronavirus. Zurück in der Heimat begann für sie der Wirrwarr um ihre Tests – und vor allem um deren Ergebnisse. Im Interview mit der Saarbrücker Zeitung erzählt der Polizist von Verwechslungen und Quarantäne, aber auch von schönen Erlebnissen.

Herr Hilgert, wie geht es Ihnen und Ihrer Frau heute?

Peter Hilgert Uns geht es den Umständen entsprechend gut. Der Verlauf war bislang milde. Die Symptome klingen bei mir langsam ab. Ich hatte Schnupfen, der ist jetzt etwas besser geworden. Außerdem hatte ich leichte Kopf- und Nackenschmerzen. Bei meiner Frau ist es ähnlich. Ihr war es am Montagmorgen außerdem ein wenig übel. Aber das alles kann einem ja schon mal auf den Magen schlagen. Die typischen Corona-Symptome wie Fieber, Kurzatmigkeit und Nackensteifheit hatten wir zum Glück nicht.

Wie lange sind Sie schon krank und wann haben Sie sich testen lassen?

Hilgert Wir waren mit unseren beiden erwachsenen Kindern eine Woche in Südtirol im Skiurlaub. Am Sonntagabend, 8. März, sind wir zurückgekommen. Unsere Kinder sind nach Frankfurt gefahren, meine Frau und ich ins Saarland. Da Südtirol ein Risikogebiet ist und meine Frau in einem Lebensmittelbetrieb arbeitet, hatte ihr Chef sie bereits gebeten, 14 Tage zu Hause zu bleiben. Am Montagmorgen habe ich daher beim Hausarzt angerufen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits Schnupfen und habe das am Telefon auch erwähnt. Daraufhin hat unser Hausarzt beim St. Wendeler Gesundheitsamt angerufen und es wurde ein Abstrich angeordnet.

Wie lief der ab?

Hilgert Zunächst einmal hat uns der Hausarzt krankgeschrieben und die Krankschreibungen an unsere Arbeitgeber geschickt. Wir durften nicht in der Praxis vorbeifahren. Auch sonst haben wir das Haus nicht mehr verlassen. Wir haben uns in freiwillige Quarantäne begeben und hatten keinen Kontakt zu anderen Personen. Es hieß, dass das mobile Ärzte-Team der Kassenärztlichen Vereinigung zu uns nach Hause kommen würde. Wir haben gewartet und gewartet. Doch es kam niemand. Also haben wir beim Gesundheitsamt nachgefragt. Daraufhin wurde ein Helfer vom mobilen Test-Team des Landkreises zu uns geschickt. Das war am Mittwoch.

Wann haben Sie die Ergebnisse bekommen?

Hilgert Am Donnerstagnachmittag gegen 17 Uhr hat ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes angerufen. Er hat uns mitgeteilt, dass die Tests bei uns beiden negativ ausgefallen sind. Es hieß, wir seien nicht mit dem Coronavirus infiziert und könnten wieder ganz normal unserem Alltag nachgehen.

Wie haben Sie reagiert?

Hilgert Wir waren erleichtert. Am Donnerstagabend haben wir nichts mehr unternommen. Aber am Freitagmorgen habe ich gleich meinen Papa im Seniorenheim besucht. Er saß auch auf glühenden Kohlen, hat auf das Ergebnis gewartet. Wir haben uns draußen zum Spaziergang getroffen. Ich wollte nicht ins Seniorenheim reingehen, weil ich immer noch den Schnupfen hatte. Im Anschluss war ich einkaufen. Im Supermarkt habe ich einen Bekannten getroffen, wir haben uns kurz unterhalten – wie das im Dorf eben so ist. Danach bin ich heimgefahren. Um 13 Uhr rief eine Ärztin vom Gesundheitsamt an. Sie erklärte mir, dass mein Testergebnis doch positiv ist.

Das muss ein Schock gewesen sein.

Hilgert Diese Nachricht hat mich getroffen wie ein Blitz. Die Ärztin hat sich entschuldigt. Sie meinte, es habe eine Verwechselung gegeben. Daraufhin hat sie uns mit sofortiger Wirkung zur häuslichen Quarantäne angewiesen. Wir bekamen sämtliche Unterlagen per E-Mail zugeschickt, mussten Formulare und Kontaktlisten ausfüllen. Wir waren wie in Trance, hatten Panik.

Und das Ergebnis Ihrer Frau?

Hilgert Das haben wir ebenfalls am Freitag bekommen. Es hieß, sie habe sich nicht infiziert. Aber das konnten wir uns nicht vorstellen. Wir waren ja die ganze Zeit zusammen und sie hatte auch schon ein leichtes Kratzen im Hals. Auf Anordnung beziehungsweise Rat des Gesundheitsamtes erfolgte daher eine Nachtestung meiner Frau. Am Samstagnachmittag hat man uns schließlich mitgeteilt, dass sie nun auch positiv getestet wurde.

Dieses Hin und Her muss ganz schön nervenaufreibend für Sie gewesen sein.

Hilgert Wir haben aus unserer Sicht alles richtig gemacht und uns korrekt verhalten. Das ist schon mal beruhigend. Wir möchten auch niemandem einen Vorwurf machen. Mein Eindruck ist, dass die Behörden hoffnungslos überlastet sind. Sorgen machen wir uns um unsere Kinder. Sie haben schon am Freitag im Gesundheitsamt in Frankfurt angerufen und angegeben, dass mein Test positiv ausgefallen ist. Trotzdem durften sie erst am Montag zum Abstrich in die Klinik kommen. Dort standen sie stundenlang in einer Schlange. Nur auf Nachdruck und mit dem Hinweis auf Symptome sowie unsere Diagnose sind sie getestet worden. Auf die Ergebnisse warten wir immer noch.

Wie sieht Ihr Alltag zurzeit aus?

Hilgert Wir sind in Quarantäne. Aber da wir alleine im Haus wohnen, können wir uns frei bewegen und auch mal auf die Terrasse gehen. Wir führen ein Symptom-Tagebuch. Zwei Mal am Tag müssen wir Fieber messen und die Ergebnisse an das Gesundheitsamt übermitteln. Die Mitarbeiter dort haben gesagt, dass wir uns melden sollen, wenn es uns nicht gut geht. Die Betreuung – das ist schon alles gut so.

Wer kauft für Sie ein und versorgt Sie mit Lebensmittel?

Hilgert Mein Bruder hat uns am Montag Getränke gebracht und sie vor der Tür abgestellt. Wir haben uns nur durch die Glasscheibe gesehen und miteinander telefoniert, während er in der Einfahrt stand. Meine Schwiegermutter hat den Einkauf erledigt. Sie hat ebenfalls alles vor der Garage abgestellt. Auch die Nachbarschaft hat schon ihre Hilfe angeboten. Wir haben in den vergangenen Tagen schon viel Gutes erlebt. Auch von meiner Dienststelle habe ich Zuspruch erfahren.

Wie lange müssen Sie in Quarantäne bleiben?

Hilgert Wahrscheinlich zwei Wochen. Danach müssen wir noch 48 Stunden fieberfrei sein. Und das war’s. Einen Nachtest, um zu kontrollieren, ob man wirklich gesund ist, gibt es nicht mehr. Das verursacht bei mir ein ungutes Gefühl. Ich frage mich, was ich tun soll, wenn die Quarantäne vorbei ist. Soll ich dann einfach so wieder arbeiten gehen, obwohl ich keine Garantie habe, dass ich wirklich gesund bin?