Töpfermarkt: Lächelnde Ziege überzeugt die Jury

Töpfermarkt : Lächelnde Ziege überzeugt die Jury

Rund 5000 Besucher kamen am Wochenende zum Töpfermarkt nach Oberthal. Marie Chantal Marx aus Lebach gewinnt den Wettbewerb.

Naturalistisch, abstrakt oder für den täglichen Gebrauch. Wen es am Wochenende nach Oberthal zog, der fand jede Menge kleine und große Schätze für Haus und Garten. Beim Betreten des Brühlzentrums stieß man auf Tassen und Teller in strahlend bunten Farben, gleich nebenan wirbelten kunstvolle Windspiele fröhlich in der Luft, und nur ein paar Schritte weiter spiegelten sich goldene und silberne Schmetterlinge in den wenigen Sonnenstrahlen, die sich am Wochenende am Himmel über Oberthal zeigten. Das Wetter war nicht optimal, dennoch kamen, so Bürgermeister Stephan Rausch (CDU), rund 5000 Menschen zum 18. Internationalen Töpfermarkt, um die zahlreichen handgearbeiteten Qualitätsprodukte zu bestaunen, die mehr als 60 Kannenbäcker aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland mitgebracht hatten.

Und wie in den vergangenen Jahren, war auch diesmal für jeden Geschmack etwas dabei. „Ich bin ganz begeistert von den vielen Formen und Farben, auf die man hier überall stößt“, schwärmte Marktbesucherin Stephanie Haßdenteufel am späten Samstagnachmittag. „In diesem Jahr gibt es wirklich besonders viel zu sehen.“

Und tatsächlich präsentierte sich der Markt überaus abwechslungsreich. Vasen und Zierbrunnen, Geschirr und Schmuck waren genauso zu finden wie Gartendeko und diverse Kunstgegenstände.

Viele neugierige Gäste lockte der Stand von Georg Mathes und Werner Klas aus dem Westerwald an. Unter dem Namen „CeraReptilia“ fertigen die beiden Männer in ihrer Werkstatt überaus naturalistische Keramiktiere an. Und so zogen täuschend echt wirkende Geckos, Warane, Krokodile, aber auch Eulen und Wildschweine die Marktbesucher zu Mathes und Klas. „Unser Hauptaugenmerk liegt auf den Echsen“, informierte Mathes über ihre Arbeit. „Sie werden, wie auch die anderen Tiere, aus Steinzeugton gebrannt und von Hand mittels Plattentechnik aufgebaut und modelliert.“ Gerne verarbeiten die beiden Künstler auch Naturhölzer, auf die ihre Tiere dann  aufgesetzt werden.

Neben dem Verkauf war auch der Töpferwettbewerb in diesem Jahr wieder ein großes Thema für die Aussteller. Diesmal hieß es, sich etwas zum Thema „Tierisch gut“ einfallen zu lassen. 21 Künstler reichten ihre Werke ein und hofften auf einen der begehrten ersten Plätze. Unter den Beiträgen fanden sich realistische, aber auch abstrakte Arbeiten. Ein kleiner Esel, ein Huhn, Hunde, Katzen und Schmetterlinge waren ebenso vertreten wie abstruse Mischwesen, deren tierischer Ursprung erst mal erraten werden musste. Das wohl abstrakteste Objekt hatte Beate Weiß aus Siegen mitgebracht. Hier war schon tiefer gehende Betrachtung nötig, um das Tier zu erkennen. Nicht zuletzt deshalb hatte sie ihrem Werk, das zu Anfang nur wie ein mehrarmiges Gebilde mit hellblauen Flecken schien, ein Plakat beigefügt. „Be happy like the flying cow“ war darauf zu lesen. „Mir ging es nicht darum, ein Tier zu töpfern, sondern ich wollte das Gefühl von ‚Tierisch gut’ erfassen“, erklärte die Künstlerin. Dabei sei ihr sofort eine Kuh eingefallen, die nach dem Winter wieder auf die Weide darf. „Die sind so voller Lebensfreude und springen und werfen dabei alle Beine um sich.“ Das, so Weiß, bedeute für sie „Tierisch gut“. Deshalb habe sie sich für ein abstraktes Objekt aus Steinzeugton entschieden. „Dass ich damit gute Chancen auf einen Gewinn habe, glaube ich eigentlich nicht, aber mir ging es auch eher darum, dass ich selbst mit meinem Werk zufrieden bin“, konstatierte Weiß noch am Samstag.

Diese  Human-Sculpture von Martin Sprave war ein viel fotografiertes Objekt der Besucher. Foto: B & K/Franz Rudolf Klos
Ein Blick auf den Töpfermarkt: Zum Teil sehr farbenfroh präsentierten die Aussteller ihre Werke. Foto: B & K/Franz Rudolf Klos

Zu bewerten hatte die Kunstwerke nicht nur die Jury, auch die Aussteller des Marktes durften in diesem Jahr zum ersten Mal  ihre Stimme im Wettbewerb abgeben. Den dritten Platz mit einem Preisgeld von 300 Euro gewann Susanne Bartram aus Boppard. Sie hatte aus Steinzeug eine gekrönte Katze modelliert, die es sich auf einem Sofa gemütlich gemacht hatte. Platz zwei ging mit 400 Euro an Ute André-Engelhard. Schon des öfteren konnte die Künstlerin einen der begehrten ersten Plätze beim Töpferwettbewerb ergattern. Diesmal verhalf ihr eine Giraffe, die genüsslich an einem Blatt knabbert, aufs Siegertreppchen. Platz eins entschied mit einer deutlichen Mehrheit der Stimmen Marie Chantal Marx aus Lebach für sich. Sie hatte eine Ziege modelliert, deren glückliches Lächeln die Jury letztlich überzeugen konnte. Im Anschluss an die Preisverleihung hatten die Besucher die Möglichkeit die drei Kunstwerke in einer Tombola zu gewinnen.

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