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In Güdesweiler brennt in der Hexennacht die Pyramide

Hexennacht : Pyramide, Posts und Pythagoras

500 Besucher beim außergewöhnlichen Hexenfeuer in Güdesweiler. Rekordhöhe erreicht.

Wenn in Güdesweiler legal gezündelt wird, sind der Teufel und die Hexen los. Zum 25. Mal hat der Angelverein in der Hexennacht am Fischweiher die imposante Holzpyramide abgefackelt. Mehr als eine Stunde vor dem heißen Spektakel wurden im Dorf die Parkplätze knapp. Aus allen Richtungen strömten kleine und große Hexen zur größten Wiederbelebung des mittelalterlichen Brauchtums im gesamten Landkreis. „Wir haben jetzt schon mehr Gäste als vor einem Jahr“, freute sich Mike Seibert, Vorsitzender der Angelfreunde, 60 Minuten vor dem brennenden Ritual in der Walpurgisnacht. Bis auf eine neue Rekordhöhe von 9,70 Metern hatten die Angler die diesjährige Holzkonstruktion aufgebaut. „Die Pyramide ist so symmetrisch, da könnte sich sogar Pythagoras eine Scheibe abschneiden“, stellte Miterbauer Benjamin Simon fest.

Mehr als 500 kleine und große Hexen waren bei Anbruch der Dunkelheit versammelt, als „Abfackler“ Axel Will mit der Sackkarre plus Gasflasche und Bunsenbrenner vor dem Kunstwerk anrollte. Mit einer Stichflamme zündete Will die Strohballen im Kamin der Pyramide – und das Feuer schnellte durch die Brennkammer hinauf in die Höhe. Grauer Rauch stieg am Fischweiher auf,  nach kurzer Zeit brannte die stabile Konstruktion lichterloh. „Die eine, die immer lacht“, spielte und sang Alleinhalter Uli Recktenwald dazu einen seiner geborgten Unterhaltungshits. Hunderte von Besuchern schossen Fotos, Selfies mit der brennenden Pyramide im Rücken oder drehten Handyvideos. Beeindruckende Bilder des flammenden Infernos wurden daraufhin in die Welt gepostet, um die einmalige mystische Stimmung aus Güdesweiler zu vermitteln. „Das sieht ja wie einer kleiner Tornado aus“, rief ein Mädel seinen Eltern zu. Vor ihnen drehten sich die herumschwirrende Funken knapp über dem Boden tanzend im Kreis. Die Bäume ringsum waren wegen des Funkenflugs zuvor von der Feuerwehr benässt worden. „Ich schätze mal: Zwischen 700 und 800 Grad ist das Feuer heiß, da könnte schon Eisen geschmolzen werden“, meinte Seibert. Mit Musik und guter Laune wurde bis in die Nacht hinein gefeiert. Und das lodernde Feuer hat die bösen Geister und Winterhexen aus dem Dorf vertrieben. Güdesweiler ist wieder clean, das Frühjahr kann kommen.