Infoabend: Es darf noch gewünscht werden

Infoabend : Es darf noch gewünscht werden

Wie die Gebäude aussehen steht fest, der Zuschnitt der künftigen Wohnungen in Oberthal ist noch variabel.

Der Bagger auf dem ehemaligen Weber-Areal ruhte an diesem Abend. Während einige Meter weiter, in Erwins Landhotel, vorgestellt wurde, was auf jener Freifläche in Oberthals Mitte entsteht. „Imweiler Wies“, ein Name, ein Projekt, das inzwischen innerhalb der Gemeinde bekannt sein dürfte. „Seit sechs Jahren arbeiten wir daran“, sagte Bürgermeister Stephan Rausch (CDU). Hochwasserschutz, Radweg,  Naherholungsidyll, Gesundheit und Wohnen sind die Komponenten, die hier zusammen kommen. „Es ist ein Projekt mit vielen Facetten“, sagt Rausch. Und das sei auch in Berlin gut angekommen. Von dort gebe es einen erhöhten Fördersatz. Um Zahlen und Geld sollte es auch  an diesem Abend gehen — aber erst in Teil zwei beim Thema Wohnen.

Zunächst hatte Landschaftsarchitekt Luca Kist von der HDK Dutt + Kist GmbH in Saarbrücken die Gelegenheit, den etwa 100 Gästen die Pläne zu Radweg und Wassergarten vorzustellen. Der Weg mit einer Gesamtbreite von 3,50 Metern erstreckt sich über 800 Meter zwischen der Poststraße und der Bahnhofstraße. Prägendes Element ist ein rotes Band. Damit erinnert der Landschaftsarchitekt an die Geschichte der Rötelkrämer.

In einer der zwei sogenannten Platztaschen soll sich dieses Band in die dritte Dimension heben und so den Rahmen für ein Landschaftsfenster bilden. Einbuchtung Nummer zwei bekommt eine Sonnentreppe, gebaut aus Holzquadern. An West- und Ostseite des Weges werden Bäume den Eingang flankieren — als natürliches Eintrittstor. „Das ist die Pflichtübung“, sagt Kist. Und ging dann über zur Kür: dem Wassergarten, der in einem Teilbereich des ehemaligen Weber-Areals entsteht. Mittelpunkt der gartenähnlichen Anlage wird ein 300 Quadratmeter großer Teich, der an der tiefsten Stelle 80 Zentimeter misst. Zum Rand hin wird er immer flacher. Ein grober Handlauf umgibt das Gewässer – aus versicherungstechnischen Gründen (wir berichteten). Im Anschluss an die Präsentation hatten die Gäste Gelegenheit, Fragen an den Landschaftsarchitekten zu richten. Dabei ging es beispielsweise um die spätere Pflege der 80 Traubenkirsch-Bäume, die entlang einer Seite des Radwegs gepflanzt werden. Kist konnte beruhigen. Zwei Jahre würde die Pflege ausgeschrieben. Erst danach gehe sie in die Obhut der Gemeinde. Alle vier Jahre müssten die Bäume zurückgeschnitten werden, so Kist. Die Anbindung des Radwegs in der Bahnhofstraße bereitet einem anderen Bürger Kummer.  Bürgermeister Rausch teilt diese Sorge. „Wir wissen um die prekäre Parksituation in diesem Bereich.“ Die Verwaltung sei bereits mit den Anwohnern im Gespräch. Damit war der Themenkomplex Hochwasserschutz und Naherholung erst einmal abgehandelt.

In der nächsten Präsentation ging es um Wohnen und Gesundheit. Zunächst war es an Christian Stoll, Projektleiter von KS Solutions, die Eckdaten vorzustellen. Drei Gebäude will der Investor errichten. Die beiden äußeren seien identisch, das mittlere variabel. 21 Wohnungen zwischen 55 und 115 Quadratmetern Größe sind angedacht. Mit 1900 Quadratmetern gibt Stoll die Wohn- und Nutzfläche an. 210 Quadratmeter sind für das Thema  Gesundheit im mittleren Gebäude reserviert. Und mit dem Stichwort Gesundheit übernahm Uto Scheidt das Mikrofon. Drei Module sollen in dem mittleren Gebäude verwirklicht werden: eine Dorfgesundheitshütte, in der Reha-, Koronar- oder Präventionssport auf dem Programm stehen, ein Servicecenter mit Gesundheitskiosk, an dem es Informationen, aber auch Vor-Ort-Angebote gibt sowie eine Praxis. In diesem Zusammenhang könnte sich Scheidt ein Dorfmobil vorstellen, das zwischen Zentrum und Wohngebieten pendelt. „Das alles“, so betonte der Gesundheits-Experte, „funktioniert aber nur, wenn Vereine, Profis und Bürger dabei sind.“ Beteiligung ist auch bei einer weiteren Idee Scheidts wichtig. Er möchte in Oberthal die erste kommunale Gesundheitsgenossenschaft gründen. Diese soll dann die Dorfgesundheitshütte und den Kiosk bespielen. Da jeder Genosse eine Stimme habe, entstehe so ein Miteinander zwischen Bürgern und Gesundheitsprofis.

Statt für dieses Modell interessierten sich die Anwesenden mehr für weitere Fakten rund um die Wohnungen. Wird es beispielsweise Balkone geben? Dies konnte Architekt Otmar Schooff von dem zuständigen Büro Schoff und Moske bejahen. „Alle Wohnungen werden einen Balkon oder – im Ergeschosss – eine Terrasse haben. Wenn möglich mit Blick auf den Wassergarten.“ Bisher, so der Architekt weiter, gebe es lediglich genaue Pläne für die Gebäudehülle. Die Zuschnitte der Wohnungen seien noch variabel – je nach Wunsch der späteren Eigentümer. Auch bei der Ausstattung hat der Käufer Mitspracherecht. Es gebe einen Katalog mit Mustern.

Und was kosten die Wohnungen? Das richte sich nach der Aussatttung. Als Richtwert gab Sven Heinrich Kehrein-Seckler, Geschäftsführer von KS Solutions, 2400 Euro pro Quadratmeter an. Alles ist barrierefrei. „Gerne bauen wir auch behindertengerechte Badezimmer ein“, sagt Kehrein-Seckler. Es gebe Abstellräume, aber keinen Keller. Was ist mit Parkplätzen? 1,5 Stellplätze pro Wohnung sind kalkuliert. Auf Wunsch kann auch eine Garage gebaut werden. Bis Anfang 2020 will der Investor fertig sein.

Wie Stoll berichtet, sei die Anfrage in Sachen Wohnungen groß. Aber wer bekommt sie? Bürgermeister Rausch warb an diesem Abend nochmals dafür, dass der Investor doch Oberthaler Bürger bevorzugen möge. Die letztliche Entscheidung bleibe aber bei dem Investor. Bis 31. März können sich Interessenten noch um eine Wohnung bewerben. Danach wird entschieden, wer in gut zwei Jahren von seinem Balkon aus auf den Wassergarten und das Großprojekt „Imweiler Wies“ blicken kann.

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